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Sprache als Bürokratie-Turbo?

Gestern hat sich der Bundesgerichtshof mit dem Ansinnen befasst, ob es zumutbar ist, Felder in Formularen mit der grammatikalisch männlichen Form der Wörter Kunde, Kontoinhaber und Sparer etc. zu bezeichnen, auch wenn diese Formulare an Frauen verschickt werden. Das Urteil wird am 13. März 2018 verkündet.

Jetzt sind Formulare und andere juristische Werke nicht gerade Texte, die man mit Vergnügen intensiv liest. Sie haben einen Zweck, nämlich Daten möglichst schnell und eindeutig zu erfassen.

Jeder, der schon einmal beispielsweise einen 600seitigen Bildungsbericht gelesen hat, weiß wie quälend es ist, immer männliche und weibliche Bezeichnungen im Wechsel zu lesen. Es bläht einen Text unglaublich auf, ohne einen inhaltlichen Mehrwert zu bieten. Manche Verfasser versuchen, sich durch substantivierte Partizipien um die ständigen Doppelnennungen herum zu drücken. Mit dem Ergebnis, das wir dann statt „Studentinnen und Studenten“ von „Studierenden“ lesen.

Was für ein ausgemachter Blödsinn: Zum einen sind Studierende nicht dasselbe wie Studenten. Denn als Student muss ich an einer Hochschule eingeschrieben sein, als Studierender nicht. Außerdem ist das Problem im Singular auch nicht gelöst, weil es der und die Studierende sein kann.

Aber zurück zu möglichen Schreibweisen: Wenn man zwei bzw. drei sexuellen Geschlechtern mit ursprünglich grammatikalisch männlichen oder weiblichen Wörtern meint gerecht werden zu müssen, kann es sein, dass man niemandem mehr gerecht wird. Was schreibt man also? Geschlechtsneutral Student*in oder Student_in? Oder doch Student/in oder gar feministisch StudentIn? Vielleicht aber auch Student*? Oder das nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zum dritten Geschlecht angebrachte StudenX? Das alles macht Formulare nicht übersichtlicher oder verständlicher, insbesondere dann nicht, wenn sich die übrigen, 57 konstruierten „Geschlechter“ demnächst auch noch auf jedem Formular wiederfinden wollen. Heiliger Bürokratius hilf!

Aus meiner Sicht wird mit solchen absurden Regelungen ohne Not die unbefangene Kommunikation zwischen Menschen unglaublich verkompliziert. So fließt eine Menge Energie in Überlegungen, wie man künstlich herbeigeführte Überempfindlichkeiten umgehen kann und für die inhaltliche Auseinandersetzung mit wichtigen Themen bleibt kaum noch Energie. Hinzu kommt: Wenn niemand mehr sicher weiß, wie man was genau formulieren „muss“, traut sich am Ende keiner mehr, überhaupt noch Gedanken zu äußern. Wo bleibt da die Freude am Denken, Sprechen und Schreiben, am Austausch mit anderen?

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Die Autorin:

Gabriele Baron, seit 25 Jahren freiberufliche Texterin sowie Trainerin mit dem Schwerpunkt empfängerorientierte Korrespondenz und Kundenorientierung in der Kommunikation. Autorin u.a. des Bestsellers „Praxisbuch Mailings. Print- und Online-Mailings planen, texten und gestalten.“, mi-Verlag sowie „Glückwunsch! Passende Worte zu Jubiläum, Beförderung & Co.“, Verlag C.H. Beck.

Gabriele Baron, Text & Training, Abt-Walther-Straße 4, 94081 Fürstenzell,
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