Bildung & Karriere

Neue Arbeitsmarktanalyse zur Pflege in Sachsen

Anlässlich der immer stärker zunehmenden Brisanz auf dem Pflegearbeitsmarkt hat das IAB Sachsen die bisherige Arbeitsmarktsituation analysiert und bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. Ergebnisse der Untersuchung sind: Die meisten Pflegekräfte arbeiten in Teilzeit, zu vergleichsweise geringen Löhnen und wechseln zum Teil recht häufig den Beruf. Gleichzeitig gibt es in der Altenpflege bereits heute einen Fachkräftemangel. Die demografisch bedingte Alterung der Bevölkerung führt zu weiter steigenden Pflegebedarfen in Sachsen und wird die ohnehin angespannte Situation verschärfen.  

„Die Prognose bis zum Jahr 2030 ist mit knapp 17.000 zusätzlichen Vollzeitjobs eher verhalten, denn die Berechnungen erfolgten unter Status Quo Bedingungen, wohlwissend, dass der tatsächliche Bedarf auch schon heute höher ist. Wir wissen aber auch, dass viele Menschen in der Pflege Teilzeit arbeiten. Damit würde der tatsächliche Bedarf nach neuen Mitarbeitern um einen erheblichen Teil höher ausfallen. Fakt ist: Die Pflegebranche steht vor großen Herausforderungen und wird Wege finden müssen, Pflege bezahlbar und für Pflegekräfte attraktiv zu gestalten. Natürlich ist hier auch die Politik gefragt, um entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen“, sagte Uwe Sujata vom IAB Sachsen und Mitautor des IAB-Regional für Sachsen.  

Die Studie:
Onlinequelle: www.iab.de >> Publikationen >> IAB-Regional >> IAB Sachsen >> Der Pflegearbeitsmarkt in Sachsen    

Zusammenfassende Inhalte aus der Studie:  

  • Jeder 18. arbeitet in Sachsen in der Pflegebranche

Von den 1,6 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen waren vergangenes Jahr (Juni 2017) insgesamt 89.452 Menschen in der Pflegebranche beschäftigt. Das entsprach 5,7 Prozent aller Beschäftigten.  

  • Sehr deutlicher Beschäftigungsaufbau

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist die Gesamtbeschäftigung in Sachsen um 14,1 Prozent gestiegen. Dreimal kräftiger (plus 44,9 Prozent) fiel der Anstieg in der Pflegebranche aus. Die Wachstumsbereiche waren die ambulanten und sozialen Dienste sowie der Bereich der Altenheime. Auffällig ist, dass der Jobaufbau in der Pflegebranche in Sachsen kräftiger war als im Pflegebereich deutschlandweit (plus 42 Prozent).  

  • Kräftiger Wachstum in den sächsischen Kreisen

Im sächsischen Kreisvergleich zeigt sich, dass in Mittelsachsen (plus 70 Prozent), im Landkreis Meißen (plus 63,3 Prozent) und Landkreis Nordsachsen (plus 59,6 Prozent) die Pflegebeschäftigung am kräftigsten gestiegen ist. Am geringsten war das Wachstum in der Stadt Chemnitz (plus 26,1 Prozent) sowie in der Stadt Leipzig (plus 33,3 Prozent).  

  • Altenpfleger ist der häufigste Beruf in der Pflegebranche

Von den 89.452 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 15.762 als Altenpflegefachkräfte (17,6 Prozent) tätig. Damit ist mehr als jeder sechste Beschäftigte in der Pflegebranche Altenpfleger auf Fachkraftebene. Etwa jeder Siebente arbeitet in der Pflegebranche als Altenpflegehelfer (16 Prozent oder 14.284 Menschen). Jeder zwölfte ist Gesundheits- und Krankenpflegefachkraft (8,6 Prozent oder 7.690).  

  • Die Pflege ist weiblich

Die Pflegebranche ist eine Frauendomäne. 73,3 Prozent aller Beschäftigten in der Pflegebranche sind Frauen, bei den Altenpflegefachkräften sind es sogar 83,5 Prozent. Über alle Beschäftigten in Sachsen hinweg ist das Frauen-Männerverhältnis nahezu ausgeglichen. Mit dem Blick auf die Altersstruktur zeigen sich kaum Auffälligkeiten. Das Durchschnittsalter in der Pflegebranche liegt bei 41,7 Jahren und das aller Beschäftigten in Sachsen bei 42,8 Jahren. Mit dem Blick auf die Qualifikation zeigt sich, dass die Mehrheit der Beschäftigten in der Pflegebranche Fachkräfte sind.  

  • Viele Teilzeitverträge in der Pflege

Pflege bedeutet sehr oft Arbeiten in Teilzeit. Nur 45 Prozent aller Pflegebeschäftigten arbeiten Vollzeit. Besonders hohe Teilzeitanteile gibt es in der Altenpflege. So arbeiten beispielsweise 87,2 Prozent der weiblichen Fachkräfte und 88 Prozent der weiblichen Altenpflegehelfer in Teilzeit. Etwa jeder zweite dieser Teilzeitbeschäftigten würde gerne Vollzeit arbeiten, hat aber keine Vollzeitbeschäftigung gefunden. Das ist ein Indiz für unfreiwillige Teilzeitarbeit. Andere Gründe, warum die Beschäftigten in Teilzeit arbeiten, liegen in der Kombination der Arbeit mit der berufsbegleitenden Weiterbildung der der Vereinbarkeit mit familiären Verpflichtungen.  

  • Löhne in der Altenpflege sind geringer als im Durchschnitt

Das mittlere Einkommen (Medianlohn) von Vollzeitbeschäftigten in Sachsen lag im Jahr 2016 bei insgesamt 2.388 Euro – 50 Prozent bekamen mehr und 50 Prozent weniger. Bei den Vollzeitbeschäftigten in der Pflegebranche lag der mittlere Lohn bei 2.078 Euro und konkret bei den Altenpflegefachkräften bei 2.050 Euro. Altenpflegefachkräfte „verdienen“ als Helden des Alltags mehr, bekommen tatsächlich aber 16 Prozent weniger als der „Durchschnitt“ (Median). Deutschlandweit liegt der Medianlohn für Altenpflegefachkräfte bei 2.621 Euro und für Helfer in der Altenpflege bei 1.870 Euro.  

  • Viele freie Jobs, keine Arbeitslosen,  lange Suchzeiten und eine Arbeitslosenquote von 0,6 Prozent – viele Indizien für einen Fachkräftemangel

Die Nachfrage nach Altenpflegefachkräften ist sehr stark gestiegen und es gibt kaum noch arbeitslose Fachkräfte. Deshalb dauert die Besetzung freier Stellen besonders lange. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote der Altenpflegefachkräfte lag in Sachsen vergangenes Jahr bei 0,6 Prozent.  

  • BA fördert mehrere tausend Menschen um Altenpfleger zu werden

Fachkräftesicherung ist zuallererst die Aufgabe der Betriebe und Unternehmen. Aber auch die Arbeitsagenturen und Jobcenter haben in den vergangenen Jahren geholfen. So haben von 2013 bis 2017 insgesamt 2.181 Menschen den Abschluss zum Altenpfleger erworben, weil sie von der BA finanziell mit dieser Weiterbildungsmaßnahme gefördert wurden. Darunter waren arbeitslose Menschen und auch Beschäftigte, die sich zur Fachkraft weiterbilden lassen haben. Damit hat die BA etwa ein Drittel der neu ausgebildeten Altenpfleger gefördert. Vier von fünf dieser Absolventen haben innerhalb von sechs Monaten einen Job aufgenommen.  

  • Viele Berufswechsler in der Altenpflege

Viele examinierte Altenpfleger sind zwar lange in Beschäftigung, jedoch nicht mehr im erlernten Beruf. Die wissenschaftliche Langzeituntersuchung beweist, nach 15 Jahren sind noch 81 Prozent der Altenpfleger in Arbeit, jedoch nicht mal mehr ein Drittel als Altenpfleger. Dennoch bleiben viele ehemalige Altenpflegekräfte dem Gesundheitsbereich treu. Die meisten ehemaligen Altenpfleger arbeiten nach dem Berufswechsel häufig als Krankenpfleger, Heimleiter oder Helfer in der Krankenpflege. Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass die Pflegekräfte in Sachsen seltener wechseln, als im bundesweiten Durchschnitt – ein kleiner Lichtblick.  

  • Sachsen braucht in den nächsten Jahren über 21.000 Altenpflegefachkräfte

Von 2015 bis 2030 steigt vor allem die Zahl der älteren Menschen über 80-Jahre sehr kräftig an. Damit wären mehr Menschen auf die ambulanten Dienste oder die Unterbringung in stationären Einrichtungen angewiesen. Um diese zusätzlichen Menschen zu pflegen, braucht es zusätzliche Pflegekräfte. Die Berechnungen des IAB-Regional legen dar, dass etwa 16.700 zusätzliche Vollzeitarbeitskräfte gefunden werden müssten. Berücksichtigt man, dass die Mehrheit in der Altenpflege aktuell Teilzeit arbeitet, könnte der Anstieg des Vollzeitäquivalents ein Plus von über 21.000 Frauen und Männern bedeuten. Bei dieser Zahl muss man noch beachten, dass es sich hier um zusätzlichen Bedarf handelt. Der normale Ersatzbedarf (Ausscheiden aus Altersgründen, Gesundheit, berufliche Umorientierung) kommt noch dazu.  

  • Ausweiterung der Arbeitszeit, höhere Löhne, bessere Rahmenbedingungen könnten Attraktivität der Pflegebranche erhöhen

Wie so oft gibt es keinen Königsweg. Jedoch gibt es viele Ansätze, um das Potenzial an Altenpflegefachkräften zu erhöhen. Dazu gehört beispielsweise die Ausweitung der Arbeitszeit von Teilzeit auf Vollzeit. Auch die aktive und offensive Qualifizierung von Helfern zur Fachkraft kann durch Unternehmen durchgeführt und von den Arbeitsagenturen und Jobcentern gefördert werden. Weitere Themen sind die Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufes, der Ausbau des Images der Helden des Alltags und die aktive Vorstellung des Berufsbildes bei Schülern im Rahmen der Berufsorientierung und -wahl. Weitere Möglichkeiten, wie die Rahmenbedingungen der Beschäftigung in der Altenpflege optimiert werden können, liegen in der Gestaltung von altersgerechten Arbeitsbedingungen, mit der Kinderbetreuung vereinbaren Arbeitszeiten sowie der Anpassung der Löhne im Beruf.  

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Bundesagentur für Arbeit
Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg
Telefon: +49 (911) 179-0
Telefax: +49 (911) 179-2123
http://www.arbeitsagentur.de

Ansprechpartner:
Frank Vollgold
Pressesprecher
Telefon: +49 (371) 9118-911
Fax: +49 (371) 9118-696
E-Mail: Frank.Vollgold2@arbeitsagentur.de
Uwe Sujata
Telefon: +49 (371) 9118-643
Für die oben stehende Pressemitteilung ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.