Hegau-Jugendwerk: Lichtblicke sorgen für „Gute Aussichten“
30 Jahre sei zwar jung, aber für eine Einrichtung dieser Art beachtenswert lang, stellte Barbara Martetschläger, Kaufmännische Direktorin des HJW, bei der Begrüßung der zahlreich erschienen Vernissage-Gäste fest. Die Junge Galerie war 1996 als Idee des damaligen Sonderschullehrers und Kunsttherapeuten Jörg Rinninsland ins Leben gerufen worden, weil er fand, dass sich die Räumlichkeiten des Verwaltungsgebäudes bestens für Ausstellungen eignen und „Kunst im Krankenhaus“ damals eine neue innovative Idee war.
Ausstellungen schaffen Begegnung
Die Idee hat sich bewährt, stellte Martetschläger fest mit Blick auf über 100 Ausstellungen in drei Jahrzehnten. Seit 2021 führt Kunsttherapeutin Nadine Karker mit viel Herzblut die Ausstellungsarbeit fort. Die Junge Galerie sei ein Aushängeschild und trage auf ihre Weise zur Bekanntheit des HJW bei, so Martetschläger. Sie schaffe auch Begegnungsfläche von abgeschlossener Reha-Welt und dem gesellschaftlichen Leben draußen – die Vernissage mit den vielen Gästen, die zum ersten Mal im Hegau-Jugendwerk waren, zeigte das.
Deswegen stellte die Kaufmännische Direktorin die Einrichtung, die zu den führenden neurologischen Rehabilitationszentren für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland gehört, kurz vor. Sie verwies auf die Einzigartigkeit des HJW, denn neben dem Akutbereich werden hier alle Phasen der Reha abgedeckt und das HJW nimmt eine Spitzenstellung in der neurologischen Frührehabilitation ein. Als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland sei das HJW noch immer ein Leuchtturm, der weit über die Region strahlt – die Patienten kommen aus ganz Deutschland, um von der besonderen Expertise des HJW zu profitieren.
Junge Galerie als Starthilfe
Der Name „Junge Galerie“ bedeute, dass man „jungen“ Künstlern eine Starthilfe in ihrer Entwicklung auf dem Weg zur eigenen Kunst geben will. Dies entspricht ganz dem Motto des Hegau-Jugendwerks, das jungen Menschen in gesundheitlichen Schwierigkeiten in ein vielleicht neues, aber doch selbstbestimmtes und erfülltes Leben helfen möchte. Dabei müssen die jungen Künstler nicht an Jahren jung sein – „jung“ bedeutet auch, sich erst neu in der Bildenden Kunst zu erproben oder mit seiner Kunst neu in die Öffentlichkeit zu gehen, egal in welchem Alter.
Gute Aussichten
So ist es auch mit Waltraud Reichle, die erst nach Eintritt in den Ruhestand nach rund 30 Jahren Klinikseelsorge mit ihren Bildern, die im Laufe vieler Jahre als Ausgleich zu ihrer fordernden Arbeit entstanden sind, an die Öffentlichkeit geht. Sie hat ihre Ausstellung „Gute Aussichten“ genannt – und nimmt damit Bezug auf einen Slogan des Hegau-Jugendwerks.
„Gute Aussichten“ bedeute nicht, dass alles leicht ist, wie Waltraud Reichle im Interview mit Kunsttherapeutin Nadine Karker verriet. Die Pastoralreferentin erklärte im Gespräch, dass gute Aussichten für sie nicht der Blick in die weite Ferne bedeute. Oft seien es die kleinen Augenblicke, die Zuversicht schenken würden, Lichtblicke, in denen neues Vertrauen wachsen könne und vielleicht sogar Mut und innere Stärke wieder spürbar werden. Das habe sie bei ihrer Arbeit als Klinikseelsorgerin oft erlebt.
Die meist farbenfrohen Bilder von Waltraud Reichle sind oft kraftvoll, manchmal leise. Sie laden ein, innezuhalten und den Blick auf das zu richten, was verbindet, was tröstet und was trägt. In den Werken finden sich Lichtblicke, offene Räume, Durchblicke, Ruhe und Bewegung. Wenn die Besucher der Vernissage etwas davon mit nach Hause nehmen würden, würde sie das schon froh machen, so Waltraud Reichle abschließend auf Nadine Karkers Frage, was sich die Kunstschaffende von den Betrachtern der Bilder wünschen würde.
Reich beschenkt
Kein Jubiläum ohne Geschenke – beschenkt wurde das Hegau-Jugendwerk durch eine wunderschöne Ausstellung und heitere Musik für einen stimmungsvollen Sommerabend, die Inga Bail an der Vernissage auf ihrer Klarinette zauberte. Beschenkt wurden Waltraud Reichle und Inga Bail durch Barbara Martetschläger mit kleinen Produkten made in HJW, gefertigt von Patienten in der Berufstherapie. Beschenkt wurde aber auch Nadine Karker, verantwortlich für die Junge Galerie, die die Hälfte des Erlöses aus der ersten, zu eben erst zu Ende gegangenen Ausstellung von Waltraud Reichle im Bildungszentrum Singen, erhielt für die Arbeit und Fortführung der Jungen Galerie.
INFO: Die Jubiläumsausstellung „Gute Aussichten“ mit Werken von Waltraud Reichle ist bis zum 31. Mai 2027 im 1. OG des Verwaltungsgebäudes des Hegau-Jugendwerks zu sehen, geöffnet Montag bis Freitag von 8.00 bis 16.30 Uhr.
Im Hegau-Jugendwerk bieten wir Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach einer neurologischen Erkrankung, einem Unfall oder einer frühkindlichen Hirnschädigung eine umfassende Rehabilitation an. Das diagnostische und therapeutische Angebot ermöglicht die nahtlose, kontinuierliche neurologische Rehabilitationsbehandlung von der Frührehabilitation bis zur schulischen und beruflichen Wiedereingliederung. Durch das Leistungsspektrum werden die neurologischen Rehabilitationsphasen B, C, D und E komplett abgedeckt.
Die Behandlung ist an den individuellen Erfordernissen jedes einzelnen Patienten ausgerichtet. Es werden intensive Einzel- und Gruppentherapien unter aktuellen rehabilitationswissenschaftlichen Erkenntnissen angeboten und durch weitere spezielle Angebote wie Unterstützte Kommunikation, Magnetstimulation, Schluckdiagnostik, Tiergestützte Therapie, Musiktherapie etc. ergänzt.
Die Einrichtung liegt in einzigartiger landschaftlicher Lage oberhalb des Rheins, 20 km vom Bodensee entfernt und wurde als bundesweite Modelleinrichtung speziell für Kinder und Jugendliche konzipiert.
Das Hegau-Jugendwerk ist ein Unternehmen im Gesundheitsverbund des Landkreises Konstanz und verfügt gesamt über 203 Betten.
Wesentliche Bestandteile des Rehabilitationszentrums sind eine staatlich anerkannte Krankenhausschule (SBBZ) und eine berufstherapeutische Abteilung. Rooming-in-Zimmer und Angehörigenzimmer ermöglichen es Eltern bzw. Angehörigen sowie Geschwisterkindern auch während der Rehabilitation nah bei ihrem betroffenen Kind zu sein. Zudem erfahren auch die Eltern bzw. Angehörigen durch eine Angehörigenbetreuung vor Ort kompetente Unterstützung und Hilfestellungen.
Hegau-Jugendwerk GmbH
Kapellenstraße 31
78262 Gailingen
Telefon: +49 (7734) 939-0
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E-Mail: andrea.jagode@hegau-jugendwerk.de
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