ECM 2-Kundentag 2026: Impulse für die Eisenbahn-Instandhaltung
Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des Kundentags „ECM 2 im Fokus: Impulse aus der Praxis“, den die W.S. Werkstoff Service GmbH am 13. und 14. Oktober 2026 auf der Zeche Zollverein in Essen veranstaltete. Zwei Tage lang tauschten sich Fachleute und Branchenvertreter über aktuelle Herausforderungen, neue Technologien und konkrete Lösungsansätze aus.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Instandhaltung im Eisenbahnsektor sicher und effizient gestalten lässt. „Eine wirksame Instandhaltung entsteht dort, wo regulatorische Anforderungen, technische Befunde und die Erfahrungen aus dem Betrieb zusammenkommen. Entscheidend ist, aus diesen Informationen fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen abzuleiten“, sagte Dr. Ingo Poschmann, Geschäftsführer der W.S. Werkstoff Service GmbH.
ECM 2 zwischen Regelwerk und Betriebsalltag
Jürgen Schlieter von der Railpool GmbH beleuchtete mit seinem Vortrag „ECM 2 im Alltag aus Sicht eines Anwenders“ das Spannungsfeld, in dem sich ECM-2-Verantwortliche bewegen: Sie müssen die Anforderungen des Regelwerks erfüllen und zugleich die betriebliche Realität und ihre konkreten Herausforderungen berücksichtigen.
An diese Perspektive knüpfte Dr. Martin Gumblowski, Leiter der Zertifizierungsstelle nach EN ISO/IEC 17065 (W.S. cert) bei W.S. Werkstoff Service, mit zwei Vorträgen an: „Aus Vorgabe wird Strategie: Umsetzung der Instandhaltung“ und „Vom Befund zur Entscheidung – Umgang mit Unsicherheit“. Im Fokus stand, wie sich formale Vorgaben in tragfähige Instandhaltungsstrategien übersetzen lassen und wie Fachleute Unsicherheiten bei der Bewertung von Befunden und beim Treffen von Entscheidungen berücksichtigen.
Moderne Prüfverfahren in der Praxis
Auch die Werkstoffprüfung und -technik nahmen breiten Raum ein. In seinem Vortrag „Prüfstrategien und moderne Prüfverfahren“ stellte Eric Poschmann, Vertriebsleiter bei W.S. Werkstoff Service, verschiedene Verfahren und ihre Einsatzmöglichkeiten vor. Dazu gehörten die Phased-Array-Ultraschallprüfung (PAUT) im Vergleich zur klassischen Ultraschallprüfung (UT) sowie die Wirbelstromprüfung (ET), insbesondere mit ET-Arrays. Sein Fazit: „Moderne Verfahren wie PAUT und die Wirbelstromprüfung mit ET-Arrays eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, Eisenbahnkomponenten gezielt zu untersuchen. Welches Verfahren letztendlich aber den größten Nutzen bringt, hängt immer von der konkreten Prüfaufgabe ab.“
Wie sich moderne Prüftechnik in der Praxis einsetzen lässt, zeigte Zaia Georgis von der ZfP-Kompetenzstelle bei einer Demonstration am Radkranz. Zum Einsatz kam das Wheel-Set-Scan-System (WS3), das halbautomatische PAUT-Prüfsystem, das der W.S. Werkstoff Service speziell für die Prüfung von Eisenbahnradsätzen entwickelt hat.
Dr. Ingo Poschmann erläuterte, wie Künstliche Intelligenz moderne Technologien die Werkstoffprüfung unterstützen können. Dazu zählten die Multigruppentechnik mit mehreren gleichzeitig eingesetzten Prüfköpfen und die Total Focusing Method (TFM), mit der sich Fehler in Eisenbahnkomponenten hochauflösend darstellen lassen. Anschließend demonstrierte Meik Buttgereit von der ZfP-Kompetenzstelle eine TFM-Ultraschallprüfung an Eisenbahnkomponenten.
Aus Schäden lernen – Wissen gezielt nutzen
Wie können Schadensfälle dazu beitragen, Instandhaltung und Risikobewertung zu verbessern? Auch diese Frage beschäftigte die Teilnehmenden. Denn Schadensanalysen gehen über die Untersuchung eines defekten Bauteils hinaus: Sie können wichtige Erkenntnisse für Konstruktion, Fertigung, Qualitätssicherung und Betrieb liefern.
Dr. Poschmann stellte das Konzept des von ihm entwickelten KI-Systems „Intelligent Railway Knowledge Assistant“ (IRKA) vor. Das System soll Fachwissen bündeln und ECM-Verantwortlichen als KI-gestützte Wissensbasis zugänglich machen. „IRKA könnte Fachleute dabei unterstützen, Wissen besser verfügbar zu machen und Informationen gezielter auszuwerten. Es ersetzt dabei nicht die menschliche Expertise, kann aber helfen, sie wirksamer einzusetzen“, so der Experte.
Dr.-Ing. Lorenz Gerke, Leiter der Inspektionsstelle von W.S. Werkstoff Service, erläuterte in seinem Vortrag „Schadensanalytik als Steuerungselement“ den Ablauf einer systematischen Schadensanalyse nach der VDI-Richtlinie 3822.
Impulse, die weiterwirken
Der Kundentag machte deutlich: Eine wirksame Eisenbahn-Instandhaltung braucht klare Strategien, belastbare Befunde und den Austausch von Wissen. „Uns ging es nicht um Theorie um ihrer selbst willen, sondern darum, den Teilnehmenden anwendbares Wissen für den Arbeitsalltag mitzugeben – von Normen und Regulierungen über Instandhaltungsstrategie und Prüftechnik bis hin zum Schadensmanagement“, fasst Tagungsleiter Eric Poschmann das Ziel der Veranstaltung zusammen.
Als akkreditiertes Prüflabor (ISO/IEC 17025), akkreditierte Inspektionsstelle (ISO/IEC 17020) und ZfP-Kompetenzstelle für die Eisenbahninstandhaltung (DIN 27201-7) unterstützt der W.S. Werkstoff Service Kunden mit fundierter Prüftechnik, unabhängigen Bewertungen und werkstofftechnischer Expertise. Darüber hinaus sind wir zertifizierter Bildungsträger (ISO 9001, AZAV) und anerkannte Ausbildungsstätte für die zerstörungsfreie Prüfung (ISO 9712).
Mehr zu unseren Leistungen in der Werkstoffprüfung und Werkstofftechnik unter www.werkstoff-service.de.
W.S. Werkstoff Service GmbH
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