Stabile Ausbildung auf hohem Niveau – das regionale Handwerk bleibt starke Ausbildungsadresse
Die Entwicklung in den fünf Landkreisen des Kammerbezirks verlief unterschiedlich, blieb in der Summe jedoch stabil. Im Landkreis Reutlingen wurden im Jahr 2025 606 neue Auszubildende registriert, im Vorjahr waren es 607. Der Landkreis Freudenstadt verzeichnete 255 neue Verträge (2024: 253). Im Landkreis Sigmaringen stieg die Zahl der Neuverträge deutlich auf 280 (2024: 249). Im Zollernalbkreis gingen die Neuverträge auf 351 zurück (2024: 360), im Landkreis Tübingen auf 375 (2024: 390). Insgesamt ergeben sich damit leichte Verschiebungen zwischen den Landkreisen. Hauptgeschäftsführerin Christiane Nowottny hebt hervor, dass dieser kleine, aber erneute Anstieg ein deutliches Signal für die Attraktivität des Handwerks ist: „4.400 junge Menschen werden momentan im Kammerbezirk im Handwerk ausgebildet. Das zeigt, dass unsere Betriebe Verantwortung übernehmen und dass Jugendliche in unseren Berufen echte Zukunftsperspektiven erkennen.“
Beim Gesamtbestand nach Berufsfeldern verzeichneten die ausbildungsstärksten Bereiche, also das Bau- und Ausbaugewerk, das Elektro- und das Metall-Handwerk sowie der Bereich Gesundheit und Körperpflege einen deutlichen Zuwachs. Die Bereiche Holz, Glas, Papier und Keramik sowie die kaufmännischen Berufe verzeichneten einen leichten Rückgang. Bei den 20 ausbildungsstärksten Berufen im Gesamtbestand von 4.400 Lehrstellen konnte gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von rund 2,7 Prozent verzeichnet werden. Der nach wie vor beliebte Ausbildungsberuf des Kfz-Mechatronikers verzeichnete erneut einen deutlichen Anstieg um rund 11 Prozent im Vergleich zu 2024.
Bei der schulischen Vorbildung der neuen Auszubildenden zeigen sich deutliche Veränderungen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Auszubildenden ohne Schulabschluss bei den neu eingetragenen Berufsausbildungsverhältnissen nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist bei den Auszubildenden mit Abitur oder Fachhochschulreife ein weiterer leichter Zuwachs zu verzeichnen. Der Bereich der Hauptschulabschlüsse blieb weitgehend stabil. Auffällig ist hingegen ein deutlicher Rückgang bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen mit mittlerem Bildungsabschluss. Insgesamt gewinnt der direkte Übergang aus allgemeinbildenden Schulen in eine duale Ausbildung im Handwerk weiter an Bedeutung und trägt wesentlich zur Fachkräftesicherung in der Region bei.
Eine wichtige Rolle spielt das Handwerk weiterhin bei der Integration. Der Anteil der Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit unter den neu abgeschlossenen Verträgen ist 2025 deutlich angestiegen, von 20,2 Prozent auf 24,5 Prozent. Besonders stark wuchs die Zahl der Auszubildenden mit Fluchthintergrund oder aus Asylstaaten, unter anderem aus der Ukraine, Afghanistan und dem Irak. Damit wird deutlich, dass das duale Ausbildungssystem im Handwerk für viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte eine zentrale Chance für eine nachhaltige berufliche Perspektive bietet.
Neben diesen positiven Aspekten tritt jedoch eine Entwicklung klar zutage, die die kommenden Jahre prägen wird. Die Zahl der offenen Lehrstellen nimmt weiter zu. Der bereits 2024 erkennbare deutliche Anstieg der gemeldeten unbesetzten Ausbildungsplätze setzte sich 2025 fort. Zum 31. August 2025 erhöhten sich die offenen Lehrstellen im Kammerbezirk um 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Zahl der grundsätzlich zur Ausbildung berechtigten Betriebe ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen und liegt bei 7.938 Unternehmen (2024: 7.359). Parallel dazu wächst auch die Gruppe der aktiven Ausbildungsstätten, die in den vergangenen fünf Jahren ausgebildet haben, auf 2.873 (2024: 2.128). Zugleich zeigt sich jedoch, dass die Ausbildungsleistung zunehmend auf weniger Schultern verteilt ist. Ein kleinerer Teil der Betriebe übernimmt einen immer größeren Anteil der Ausbildung – ein Zeichen für großes Engagement, aber auch für wachsende Anforderungen an diese Unternehmen. Christiane Nowottny macht deutlich, dass diese Entwicklung ernst genommen werden muss. Sie warnt davor, die guten Ausbildungszahlen als Selbstläufer zu betrachten, und verweist auf die Folgen für die Fachkräftesicherung in der Region: „Unbesetzte Ausbildungsplätze heute bedeuten fehlende Fachkräfte in wenigen Jahren. Wenn wir diese Lücken nicht schließen, wird es schwieriger, die Aufträge im regionalen Handwerk zu stemmen und die Erwartungen von Kunden, Kommunen und Wirtschaft zu erfüllen.“ Sie fordert daher, dass berufliche Orientierung und Wertschätzung handwerklicher Berufe noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Aus ihrer Sicht ist es wichtig, dass Schulen frühzeitig über Chancen im Handwerk informieren, Eltern ihre Kinder bei der Berufsentscheidung offen begleiten und die Politik verlässliche Rahmenbedingungen für Ausbildung schafft.
Alle gemeldeten Ausbildungsangebote für die Jahre 2026 und 2027 sind unter
www.hwk-reutlingen.de/lehrstellensuche abrufbar. Dort finden Jugendliche, Eltern, Schulen und Beratungsstellen einen schnellen Überblick über freie Ausbildungsstellen im regionalen Handwerk. Ziel der Kammer bleibt, dass möglichst keine Lehrstelle unbesetzt bleibt und gleichzeitig kein ausbildungs-williger junger Mensch ohne Perspektive im Handwerk bleibt.
Handwerkskammer Reutlingen
Hindenburgstr. 58
72762 Reutlingen
Telefon: +49 (7121) 24120
Telefax: +49 (7121) 2412400
http://www.hwk-reutlingen.de
Stabsstellenleiterin
Telefon: +49 (7121) 2412-123
Fax: +49 (7121) 2412-420
E-Mail: sonja.madeja@hwk-reutlingen.de
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