Mikroplastik in Flüssen: Wie Wasser 3.0 mit dem Mapping von 3.300 Flusskilometern schafft, woran befristete Forschungsprojekte scheitern
Mikroplastik-Mapping an Neiße, Neckar und Donau: der aktuelle Datenstand
Mapping heißt hier nicht Stichprobe an gut erreichbaren Brücken, sondern der komplette Fluss: systematisch, georeferenziert und mit identischer Methodik von der Quelle bis zur Mündung. Genau diese lückenlose Kartierung ganzer Flusssysteme fällt bislang durch das Raster – weil sie in keine Projektlaufzeit passt. Der aktuelle Stand: 112 Proben an der Lausitzer Neiße, 161 Proben am Neckar, dazu der laufende Deutschland-Abschnitt der Donau, bislang eingespielt bis Passau, sowie 11 Proben aus ihren Quellflüssen Brigach und Breg. Ausgewertet sind damit bereits die ersten rund 1.200 Flusskilometer – ein Zwischenstand, kein Endstand, denn mit jedem Kampagnenabschnitt kommen weitere Proben hinzu. Schon dieser Zwischenstand liefert eine Größenordnung mehr Daten als die erste komplette Flusskartierung an der Alb rund um Karlsruhe im Jahr 2023 – und ist bereits wegweisend.
Warum Neiße, Neckar und Donau das Spektrum europäischer Flüsse abbilden
Die Auswahl deckt fast das gesamte Spektrum europäischer Flüsse ab: Die Neiße als Grenzfluss mit schwerer industrieller Textil-Vorgeschichte, der Neckar als Testfall für Dichte – über vier Millionen Menschen, hohe Kläranlagendichte, feinstes Raster – und die Donau als europäische Dimension mit zehn Ländern und rund 2.850 Kilometern. Die aktuell laufende Kampagne DONAU 2850 ist längst nicht am Ende.
Offene Gewässerdaten als Hebel: Warum Datentransparenz Regulierung ermöglicht
Statt Ergebnisse jahrelang hinter einer Paywall zu verwahren, fließen alle Messwerte offen und standardisiert in die Global Map of Microplastics ein. Der Grund: Fehlende Daten sind das wirksamste Argument gegen Regulierung. Solange niemand belastbar sagen kann, wie viel Mikroplastik wo im Wasser steckt, bleibt jede politische Maßnahme angreifbar. Eine öffentliche Karte mit Hunderten Messpunkten verändert, was ein Betreiber einer Kläranlage über seinen Ablauf sagen kann, was eine Kommune berichtet – und worüber in Brüssel verhandelt wird.
Von der Karte zum Hotspot: Kläranlagen als Punktquellen für Mikroplastik
Über alle Kampagnen hinweg zeigt sich ein klares Muster: Je näher eine Messstelle an einer Kläranlage liegt, desto mehr Mikroplastik steckt im Wasser. Nur wenige Kilometer flussabwärts sinken die Werte deutlich. Das ist die typische Handschrift einer Punktquelle – also einer klar benennbaren Stelle, an der das Plastik ins Wasser gelangt. Und das ist eine gute Nachricht: Was man genau lokalisieren kann, kann man auch angehen. Wer weiß, wo die Belastung entsteht, kann Geld für Gewässerschutz genau dort einsetzen, wo es am meisten bewirkt – statt mit der Gießkanne.
Möglich macht dieses Tempo eine eigens entwickelte Mikroplastik-Analytik: Ein Farbstoff lässt Kunststoffteilchen im Wasser aufleuchten – sie werden also sichtbar gemacht statt aufwendig einzeln bestimmt. Das ist schneller, günstiger und funktioniert ohne Großlabor. Erst dadurch wird Gewässermonitoring auf ganzen Flüssen überhaupt machbar. Wer die Methode selbst anwenden möchte, findet das passende Analytik-Kit.
Warum befristete Forschungsprojekte keine flächendeckende Gewässerkartierung leisten
Dass komplette Flüsse bisher niemand auf Mikroplastik kartiert hat, liegt nicht am fehlenden Können – es liegt am System. Wissenschaft arbeitet in Projekten: befristet, thematisch zugeschnitten, auf einzelne Abschnitte begrenzt. Läuft die Laufzeit aus, endet die Messreihe. Was übrig bleibt, sind Momentaufnahmen, die sich weder vergleichen noch fortschreiben lassen. Für ein Problem, das sich über Jahre und über ganze Einzugsgebiete hinweg entwickelt, ist das die falsche Betriebsart.
Hinzu kommt: Wer auf die nächste Bewilligung angewiesen ist, misst selten dort, wo die unbequemen Ergebnisse liegen. Flächendeckende Arbeit über Ländergrenzen und Zuständigkeiten hinweg scheitert an genau dieser Zersplitterung – jedes Institut deckt sein Stück ab, kaum jemand das Ganze.
Genau diese Lücke schließt Wasser 3.0. Das Team um Dr. Katrin Schuhen misst bereits über Jahre mit identischer Methodik, kontrolliert und validiert die eigenen Prozesse laufend, dokumentiert lückenlos und bleibt dabei unabhängig – von Projektlaufzeiten, von Auftraggeberinteressen, von der nächsten Antragsfrist. Erst diese Kontinuität macht aus Einzelwerten eine belastbare Zeitreihe. Und erst eine Zeitreihe zeigt, ob Maßnahmen wirken.
Das Mapping ist eingebettet in die EU-Mission „Restore our Ocean and Waters“ unter Horizon Europe. Die Mission setzt Rahmen und Ziele; was sie braucht, sind belastbare, offene Daten aus den Einzugsgebieten selbst. Jeder Messpunkt ist Beitrag einer europäischen Beweislage, die am Ende in Regulierung münden muss.
Finanzierung über Spenden und Sponsoring als Triebfeder für Wirkungsbeschleunigung
Kartieren allein reinigt kein Gewässer. Deshalb kombiniert Wasser 3.0 vier Säulen zum Gamechanger-Ansatz: messen, veröffentlichen, in wissenschaftlichen Publikationen nachvollziehbar machen, Mikroplastik entfernen, bevor es in den Fluss gelangt, und Ergebnisse in verständliches Wissen übersetzen.
Entscheidend ist: Ein Projekt dieser Dimension passt in keine klassische Förderkulisse – und wird auch nicht aus den EU-Mitteln für den Donau-Raum finanziert. Es trägt sich über Spenden und Partnerschaften. Spenden und Sponsoring sind damit nicht das Sahnehäubchen, sondern die Triebfeder: Sie machen jeden weiteren Flusskilometer überhaupt erst möglich und beschleunigen die Wirkung. Jeder Beitrag bedeutet zusätzliche Proben, zusätzliche Hotspots und damit zusätzliche Hebel für echte Lösungen.
Nächste Schritte: Hotspot-Analyse und Handlungsempfehlungen für die Politik
Die Donau-Kampagne läuft weiter – bis zur Mündung ins Schwarze Meer liegen noch mehrere Hunderte Kilometer und Hunderte Proben voraus. Die laufend aktualisierten Ergebnisse stehen in der Global Map of Microplastics. In den nächsten Wochen folgen die wissenschaftliche Auswertung und die vollständige Hotspot-Analyse – und daraus abgeleitet konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik. Wer tiefer einsteigen will, findet die ganze Ermittlungsgeschichte in „Kriminalfall Mikroplastik“. Es ist ein Anfang – aber zum ersten Mal einer, der auf einer Karte steht. Und er geht nur mit Wirkungsbeschleunigung und maximaler Eigeninitiative.
Fazit: Wer Gewässerschutz will, muss Daten dauerhaft finanzieren
Mikroplastik lässt sich nur dort wirksam bekämpfen, wo bekannt ist, wie viel davon wo im Wasser ankommt. Diese Datengrundlage entsteht nicht in einer Projektlaufzeit, sondern in jahrelanger, methodisch gleichbleibender Arbeit. Wasser 3.0 zeigt auf über 3.300 Flusskilometern, dass das machbar ist – und stellt die Ergebnisse Kommunen, Kläranlagenbetreibern, Forschung und Politik offen zur Verfügung.
Drei konkrete nächste Schritte: Die aktuellen Messwerte je Flussabschnitt zeigt die Global Map of Microplastics. Wer selbst messen möchte, erhält die Methodik als Analytik-Kit zur Mikroplastik-Bestimmung. Und wer die Kartierung weiterer Flusskilometer ermöglichen will, findet die Optionen für Spenden, Sponsoring und Projektpartnerschaften.
Die Wasser 3.0 gGmbH ist ein im Mai 2020 gegründetes non-profit Unternehmen, das durch die Verknüpfung von high-tech Materialien und low-tech Verfahren in Verbindung mit systemischer Perspektive neue Wege für den Umwelt- und Gesundheitsschutz in der (Ab-)Wasserreinigung aufzeigt. Im Fokus stehen flexible, kosten- und energieeffiziente Lösungen für die Entfernung von Mikroplastik und Mikroschadstoffen aus Wässern. Dazu gehören zum ersten Mal auch Detektionsverfahren und Weiterverwendungskonzepte. Entsprechend des Selbstverständnisses als Sustainability Entrepreneur handelt die Wasser 3.0 gGmbH Sektoren-übergreifend mit dem Ziel, messbare Beiträge zu den UN-Nachhaltigkeitszielen in den Bereichen verantwortungsbewusste Forschung, Green Innovation und nachhaltige Bildung zu leisten.
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