Fahrzeugbau / Automotive

Automatisierte Mobilität im Realbetrieb: Ohne Gesamtsystem ist ein autonomes Fahrzeug keine Mobilitätslösung

Ein automatisiertes Fahrzeug kann selbstständig fahren. Doch wer daraus einen zuverlässigen, integrierten und harmonisierten Personen- oder Gütertransport machen will, braucht wesentlich mehr: eine Leitstelle zur Überwachung der Flotte, Kommunikations- und IT-Systeme, Wartung und Service der Einrichtungen, die Integration in bestehende Betriebsabläufe, sichere Rückfallebenen, Cybersecurity und nicht zuletzt die notwendigen Genehmigungs- und Berichtsprozesse.

Genau diese Systemebene wird zur nächsten großen Herausforderung des automatisierten Mobilitätssystems. Denn während immer mehr automatisierte Fahrzeuge und Technologien am Markt verfügbar werden, entscheidet sich ihr praktischer Nutzen daran, ob Fahrzeug, Infrastruktur, Organisation und Betrieb als Gesamtsystem funktionieren. Erst die Integration und die Harmonisierung machen aus technischen Demonstrationen ein funktionierendes Mobilitätssystem.

Wie konkret diese Herausforderung bereits ist, zeigt das österreichische Leitprojekt ROBERTA: Hier wird erstmals in Europa eine automatisierte Busflotte in den Linienbetrieb integriert – mit ALP.Lab als Pilotregionleiter machen wir die Steiermark und Kärnten AD-ready für automatisierten Busverkehr im ÖPNV. Dabei geht es nicht darum, ob ein einzelner Bus automatisiert fahren kann. Es geht darum, die Basis zu schaffen, damit automatisierte Busse (nach SAE Level 4) in bestehende Mobilitätsangebote integriert werden können. Von der Planung auf Basis des Mobilitätsbedarfs, Ausschreibung der Leistungen, Umsetzung durch die Verkehrsbetriebe bis zur Integration in der Region und dem Nutzbarmachen durch die KundInnen. Auf Basis dieser Disruption bestehender Prozesse soll eine ganze Flotte in Betrieb genommen, überwacht, gewartet und sicher in bestehende Betriebsabläufe integriert werden.

Diese Erfahrungen sind auch für Unternehmen relevant, die Betriebsverkehre (Personen-, Güter- oder Materialtransporte) automatisieren möchten, für Betreiber automatisierter Arbeitsmaschinen sowie für Anbieter automatisierter Taxidienste.

Genau bei diesem Übergang von der verfügbaren Technologie zum funktionierenden Gesamtsystem unterstützt ALP.Lab im Bereich Implementation & Deployment automatisierter Mobilität.

Der Fahrer verschwindet – seine Aufgaben nicht

Ein häufig unterschätzter Aspekt: Fahrerinnen und Fahrer steuern nicht nur das Fahrzeug. Sie reagieren auf Störungen, kommunizieren mit Fahrgästen, beurteilen außergewöhnliche Situationen und übernehmen Service- und Kommunikationsaufgaben auf unterschiedlichen Ebenen.

Mit zunehmender Automatisierung müssen auch diese Aufgaben technisch und organisatorisch abgebildet werden. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Flottenüberwachung, Remote-Unterstützung, Rückfallebenen und den Umgang mit System- oder Kommunikationsausfällen.

Automatisierung ersetzt damit nicht einfach den Fahrer. Sie verändert das gesamte Betriebsmodell und dessen Prozesse.

Erst den Bedarf definieren, dann die Technologie auswählen

Wer automatisierte Mobilität einsetzen möchte, sollte deshalb nicht mit der Auswahl eines Fahrzeuges beginnen.

Ein Industrieunternehmen möchte Material zwischen Produktionsbereichen transportieren. Eine Region benötigt eine Verbindung von einem Ortszentrum ohne regelmäßige Mobilitätsanbindung zum nächsten Bahnhof. Ein Verkehrsunternehmen möchte eine Strecke mit automatisierten Fahrzeugen ergänzen. Auf einem großen Areal sollen automatisierte Fahrzeuge oder Arbeitsmaschinen wiederkehrende Aufgaben übernehmen.

Jeder dieser Anwendungsfälle stellt andere Anforderungen an Strecke, Verkehrsraum, Geschwindigkeit, Betriebszeiten, Wetterbedingungen, Kapazität, Infrastruktur, IT-Systeme und Sicherheit.

ALP.Lab erhebt daher zunächst gemeinsam mit dem Auftraggeber den konkreten Bedarf und übersetzt ihn in technische Anforderungen und ein Lastenheft. Auf dieser Grundlage werden geeignete Fahrzeuge und Systeme am internationalen Markt identifiziert und technisch bewertet.

Dabei reicht es nicht, Datenblätter zu vergleichen. Die Operational Design Domain (ODD), Schnittstellen, Sicherheitsarchitektur, Software und Integrationsmöglichkeiten müssen zum tatsächlichen Einsatz passen.

ALP.Lab unterstützt als herstellerunabhängiger technischer Berater bei der Bewertung und Auswahl: Nicht der Use Case wird an ein verfügbares Fahrzeug angepasst – die Technologien werden passend zur Aufgabe ausgewählt.

Aus verfügbaren Technologien ein individuelles Gesamtsystem aufbauen

Mit der Fahrzeugauswahl ist nur ein Teil der Aufgabe gelöst. Abhängig vom Einsatz müssen unterschiedliche am Markt verfügbare Technologien und Dienstleistungen zu einem individuellen Gesamtsystem kombiniert werden. Dazu können gehören:

  • Leitstelle, Flottenmanagement und Remote-Unterstützung,
  • Kommunikationsinfrastruktur und Datenverbindungen,
  • Integration in bestehende IT-, Logistik- oder Mobilitätssysteme,
  • Energie-, Wartungs- und Servicekonzepte,
  • Prozesse und Rückfallebenen für Störungen und Ausfälle,
  • funktionale und betriebliche Sicherheit sowie Cybersecurity,
  • Genehmigungen, Dokumentation und regulatorische Prozesse.

ALP.Lab unterstützt bei der Konzeption dieser Gesamtarchitektur, identifiziert geeignete Technologie- und Umsetzungspartner und begleitet Integration und Inbetriebnahme. Dafür greift das Unternehmen auf ein etabliertes Netzwerk aus Fahrzeugherstellern, Entwicklern automatisierter Fahrsysteme, Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Infrastrukturpartnern zurück.

Safety, Security und Genehmigung entscheiden über die Zulassung des Betriebs

Beim Übergang vom Test zum täglichen Betrieb wird technische Tiefe entscheidend. Automatisierte Systeme müssen nicht nur unter idealen Bedingungen funktionieren, sondern auch mit Störungen, Ausfällen, unerwarteten Situationen und Angriffen sicher umgehen können. Ein sicherer und flüssiger Betrieb ist wesentlich.

Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich ALP.Lab seit fast zehn Jahren. Als offizielle österreichische Testregion für automatisiertes Fahren, Euro-NCAP-Labor für Active Safety und Testpartner für internationale Entwickler automatisierter Fahrtechnologien verfügt ALP.Lab über umfangreiche Erfahrung mit der technischen Funktionsweise, Validierung und Absicherung automatisierter Systeme. Mehr zur Testing- und Validierungskompetenz von ALP.Lab.

Für den Level-4-Betrieb betreibt ALP.Lab zudem bereits eine neue Testinfrastruktur, welche die Leitstellenumgebung für automatisierte Fahrzeuge schon jetzt abbildet. Damit ist ein Asset schon heute verfügbar, das operativ und praktisch für Überwachung, Flottenmanagement und Unterstützung automatisierter Fahrzeugflotten genutzt werden kann.

Auch mit der Inbetriebnahme der Leitstellenumgebung endet die Aufgabe nicht. ALP.Lab unterstützt bei erforderlichen Genehmigungsprozessen sowie bei projektbezogenen Dokumentations- und laufenden Berichtspflichten gegenüber Behörden. Wartung, Service, Störungsmanagement und klar definierte Verantwortlichkeiten müssen den sicheren und flüssigen Betrieb dauerhaft gewährleisten.

TORUS: Integration testen, bevor das Zielfahrzeug verfügbar ist

Mit TORUS, der offenen Level-4-Testplattform von ALP.Lab, können zudem Hardware, Sensorik, Software und Schnittstellen unter realen Bedingungen in die Fahrzeugumgebung integriert und erprobt werden.

Für Deployment-Projekte bietet das einen besonderen Vorteil: Systemintegrationen und Schnittstellen können bereits jetzt entwickelt und getestet werden, als Basis für die spätere Integration in neue Modelle automatisierter Fahrzeuge. Das spart Entwicklungszeit, liefert bereits heute getestete und funktionsfähige Systeme und reduziert Risiken bei der späteren Implementierung.

Welche Mobilitätsaufgabe lässt sich bereits heute automatisieren?

Die nächste Phase automatisierter Mobilität wird nicht allein von besseren Fahrfunktionen bestimmt. Entscheidend wird sein, verfügbare Technologien in funktionierende, sichere und wirtschaftlich sinnvolle Betriebsmodelle zu überführen.

Für Industrieunternehmen betrifft das beispielsweise Personen- und Materialtransporte oder automatisierte Arbeitsmaschinen auf großen Arealen. Kommunen, Regionen und Verkehrsunternehmen können automatisierte Angebote zur Deckung des Mobilitätsbedarfes integrieren. Taxi- und Mobilitätsunternehmen können sich auf die Implementierung von automatisierten Fahrzeugen in ihren Flotten vorbereiten.

Am Anfang muss weder ein bestimmtes Fahrzeug noch ein Hersteller feststehen. Ausgangspunkt ist immer eine konkrete Frage:

Welche unserer Transport- oder Mobilitätsaufgaben können wir bereits heute sinnvoll automatisieren – und was benötigen wir für einen sicheren, flüssigen und zuverlässigen Betrieb?

ALP.Lab unterstützt in allen Projektphasen dabei, Machbarkeit und Anforderungen zu bewerten, die richtigen Systeme zu identifizieren und die notwendigen Schritte für die Umsetzung festzulegen – herstellerunabhängig und mit umfangreicher Erfahrung aus Testing, Integration und realem Level-4-Betrieb.

Mehr über Implementation & Deployment bei ALP.Lab.

Über die ALP.Lab GmbH

ALP.Lab – der Innovation Hub für automatisierte, klimaneutrale Mobilität mit Sitz in Österreich – wurde 2019 mit dem österreichischen Staatspreis für Mobilität und 2021 mit dem TECH.AD Europe ausgezeichnet. ALP.Lab fungiert zentrale Anlaufstelle für die Prüfung automatisierter Fahrfunktionen und ganzer Fahrzeuge im zentraleuropäischen (insbesondere alpinen) Raum. Als Innovationslabor bietet ALP.Lab Test-Infrastruktur und -Services auf privaten und öffentlichen Teststrecken sowie Zugriff auf einen umfassenden Datenpool mit Trainingsdaten für KI im Bereich automatisierte Mobilität. ALP.Lab ist Österreichs einziges offiziell akkreditiertes Euro NCAP Testlabor für Active Safety Testing. Gegründet im Jahr 2017 von den Automotive-Unternehmen AVL List und Magna Steyr sowie den Forschungseinrichtungen TU Graz, JOANNEUM RESEARCH und Virtual Vehicle Research, wird ALP.Lab unterstützt im Rahmen des Programmes "Mobilität der Zukunft" vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

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