Gesundheit & Medizin

Nur zwei Zentimeter

Die Nebenschilddrüse ist eines der kleinsten Organe im menschlichen Körper und doch ist klar – ohne sie geht nichts. Ist sie in ihrer Funktion beeinträchtigt, können schwere Folgeerkrankungen entstehen. Am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall konnte nun mit einer innovativen Kombibehandlung einer Patientin geholfen werden.

Christa Oehlandt ist 80 Jahre alt und mehrfach vorerkrankt. Die Rentnerin leidet an einer Leukämie und ist schwer herzkrank, ihre Pumpfunktion des Herzmuskels ist eingeschränkt. Und dann wurde auch noch eine Nebenschilddrüsenerkrankung diagnostiziert. Oberärztin Dr. Madeleine Rupp von der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall ist Expertin, wenn es darum geht, endokrine, also hormonproduzierende Organe wie die Nebenschilddrüse, operativ zu behandeln. Sie hat viel Erfahrung und weiß daher genau, welch schwerwiegende Auswirkungen auf den menschlichen Körper eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder, wie im Fall von Frau Oehlandt, der Nebenschilddrüsen, haben kann. Vier Nebenschilddrüsen besitzt jeder Mensch insgesamt, jede ist ungefähr so groß wie eine Erbse. Sie liegen im Halsbereich hinter der „eigentlichen“ Schilddrüse. „Frau Oehlandt litt an einem sogenannten Hyperparathyreoidismus – einer Nebenschilddrüsenfunktionsstörung. Bei einer solchen Erkrankung produziert die Nebenschilddrüse zu viel Parathormon“, erklärt Dr. Rupp. Dieses Hormon ist dafür zuständig, Calcium im Körper auszuscheiden bzw. zu verlagern. In diesem Fall sorgte aber der Überschuss dieses Hormons dafür, dass das Calcium aus den Knochen „herausgewaschen“ wurde, so Rupp weiter.  Die Knochen werden nicht mehr ausreichend mit Calcium versorgt, was sie brüchig werden lässt – das kann zu Osteoporose führen.

Der Laborbefund bringt die Diagnose

In der Regel wird eine solche Funktionsstörung der Nebenschilddrüse durch einen Zufallsbefund entdeckt. „Manche Patienten leiden unter Magenproblemen oder entwickeln Nierensteine, bei anderen Patienten äußert sich die Erkrankung durch eine entzündete Bauchspeicheldrüse.“ Im Falle von Christa Oehlandt bemerkten die Kollegen anhand der Laborwerte, dass etwas mit ihrer Schilddrüse nicht stimmt. „Frau Oehlandt ist bei uns unter anderem aufgrund ihrer onkologischen Erkrankung in Behandlung. In diesem Zusammenhang nehmen wir regelmäßig die Blutwerte auf und lassen sie im Labor analysieren. Dabei wurde festgestellt, dass ihre Calciumwerte erhöht waren.“ Ein erstes Anzeichen für Dr. Rupp, dass hier etwas nicht stimmt. „Wir haben die Parahormonwerte als weiteres Indiz für die Erkrankung gemessen und konnten die Diagnose einer Nebenschilddrüsenfunktionsstörung stellen.“ Liegt eine solche vor, ist klar, dass nur ein operativer Eingriff Heilung bringen kann. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wurde die Nebenschilddrüse genau untersucht und die erkrankte Stelle lokalisiert. Ein wichtiger erster Schritt vor dem eigentlichen Eingriff. Denn: weiß die Chirurgin vorab, wo sie die betroffene Stelle findet, verläuft die Operation schneller und schonender. Waren früher noch vergleichsweise lange Schnitte am Hals bei einer solchen Operation Usus, konnte durch die Lokalisation gewährleistet werden, dass nur wenige Zentimeter des Halses der Patientin geöffnet werden mussten, um erfolgreich zu behandeln.

Fast nichts, das zurückbleibt

Hier kommt Dr. Rupps Kollege, Professor Dr. Thorsten Steinfeldt, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, ins Spiel. Steinfeldt ist erfahrener Anästhesist und kennt sich mit der Wirkung, aber auch eventuellen Nebenwirkungen von Narkoseverfahren aus. „In der Regel finden Eingriffe wie der bei Frau Oehlandt unter Vollnarkose statt“, erklärt er. „Das hängt damit zusammen, dass viele Patienten die halsübersteckende Körperhaltung während des Eingriffs an der Schilddrüse bzw. der Nebenschilddrüse nicht tolerieren.“ Im Fall von Frau Oehlandt aber kamen mehrere Faktoren zusammen, die eine Vollnarkose als nicht ratsam erscheinen ließen. „Zum einen ist die Patientin mit 80 Jahren nicht mehr in einem Alter, in dem man eine Vollnarkose gut wegsteckt. Zum anderen waren die Vorerkrankungen, die die Patientin hat, ausschlaggebend dafür, dass wir uns entschieden, sie mit einem regionalanästhetischen Verfahren zu operieren“, so der Professor weiter. Rund 30 Minuten dauerte der Eingriff, bei dem die Rentnerin dauerhaft ansprechbar war und auch Anweisungen der Operateurin befolgen konnte. Der Plexus cervicalis, ein Teil der Rückenmarksnerven des Halses, wurde durch einen kleinen, oberflächlichen Stich weiträumig betäubt. „Damit haben wir ein großes Hautareal blockiert und so ermöglicht, dass Frau Dr. Rupp die Operation auch ohne Vollnarkose durchführen kann.“ Dr. Rupp entfernte der Patientin während des kurzen Eingriffs die erkrankte Nebenschilddrüse. „Ein Gramm schwer und nur 1,8 cm groß war die betroffene Stelle. Die drei noch übriggebliebenen und voll funktionsfähigen Nebenschilddrüsen bleiben erhalten und erfüllen nun auch die Aufgabe der nun fehlenden vierten voll mit“, erklärt die Oberärztin.

Ein schöner Erfolg für die Seniorin, die sichtlich begeistert ist von dem schonenden und schnellen Eingriff, der ihr ermöglicht wurde. „Im Fall von Frau Oehlandt haben wir zwei bereits bewährte Verfahren angewendet und miteinander kombiniert“, sagt Steinfeldt. Zum einen wurde mittels Regionalanästhesie ein schonendes Narkoseverfahren durchgeführt und die Patientin damit vor unerwünschten Nachwehen wie einem möglichen postoperativen Delir bewahrt. Zum andern konnte die Entfernung der Nebenschilddrüse auf operativem Wege durchgeführt werden, so, wie es üblich ist. Und er ergänzt: „Es gibt nur wenige Kliniken in Deutschland, die sowas überhaupt anbieten können. Frau Oehlandt ist die erste Patientin, die wir mit diesem Kombiverfahren behandelt haben.“ Und das hat sich gelohnt. „Eine Weile noch muss Frau Oehlandt Calciumtabletten einnehmen – dann aber ist sie, was ihre Nebenschilddrüse betrifft, wieder vollends auf“, freut sich Dr. Rupp über das Ergebnis.

In wenigen Wochen schon wird die Schwäbisch Hallerin nur noch die zwei Zentimeter große Narbe am Hals daran erinnern, dass sie vor kurzem noch am Diak operiert wurde.

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