Sport

Erfolgreiche Arbeit am Stützpunkt Winterberg: Nachwuchs-Kombinierer sind auf dem Sprung Trainer Gneckow lobt „nötigen Fleiß und Biss“

„Wir sind momentan eine kleine Gruppe, die aber qualitativ gut aufgestellt ist“, sagt Jens Gneckow. „Die Mädels und Jungs sind fleißig, diszipliniert und haben vor allem den nötigen Biss, um den Anforderungen einer der kompliziertesten und gleichzeitig faszinierendsten Sportarten gerecht zu werden.“ Gneckow ist leitender Bundes-Stützpunkttrainer des länderübergreifenden Stützpunktes Ski Nordisch in Winterberg/Willingen und für die Nordische Kombination zuständig, die aufgrund ihrer Komplexität als „Königsdisziplin“ des Nordischen Skisports gilt. Springen und Laufen – unterschiedlicher können die Herausforderungen im Training und Wettkampf kaum sein. Im vom Sportzentrum Winterberg (SZW) betriebenen Schanzenpark, im Kraftraum des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, auf den Lauftrecken und in den Loipen: Die Nachwuchssportlerinnen und -Sportler sind voll dabei und wie die jüngsten Erfolge zeigen: Sie sind buchstäblich auf dem Sprung und in der Spur. „Es macht großen Spaß, mit dem Nachwuchs zu arbeiten. In der Arbeit steckt viel Herzblut“, so Gneckow.

Der 37-jährige Diplomtrainer aus Winterberg-Niedersfeld war früher selbst in der Nordischen Kombination unterwegs, hat sich in seiner Diplom-Arbeit unter anderem mit der Skisprung-Technik beschäftigt und kennt allein schon von daher das Anforderungs-Profil: „Ein Nordisch Kombinierer muss fürs Springen eine gewisse Risikobereitschaft und fürs Laufen den nötigen Biss mitbringen. Wenn man so will, muss man für die beiden konkurrierenden Disziplinen geboren sein.“ Schnellkraft und Explosivität auf der Schanze versus Ausdauer und Tempohärte in der Loipe, das ist so wie Feuer und Wasser für die Muskulatur: „Die Mädels und Jungs erhalten eine umfassende körperliche Ausbildung. Jedes Training ist anders, es muss genau aufeinander abgestimmt sein. Nach dem Blocktraining Laufen freuen sie sich aufs Skispringen und umgekehrt, im Winter auf Schnee, im Sommer auf den Matten und auf Roller-Ski. Sie werden beim Skisprung auch psychisch gefordert. Hier spielt sich viel im Kopf ab.“

Gneckow, der beim Lauftraining voll dabei ist, trainiert und betreut in Winterberg derzeit eine Gruppe im Alter von zwölf bis 22 Jahren, die perspektivisch eine Menge verspricht. Bei den Jungs sind Justin Moczarski und Lenard Kersting (beide Skiklub Winterberg) die bekanntesten Athleten mit internationaler Erfahrung. Der aus Hallenberg-Liesen stammende Moczarski (22) war in der letzten Saison unter anderem mit Rang neun zweitbester deutscher Athlet im Continentalcup und startete auch im Weltcup-Finale in Schonach. Kersting aus Schmallenberg-Oberkichen, 18 Jahre jung, vertrat Deutschland bei den Olympischen Winterspielen der Jugend (YOG) Anfang des Jahres in Lausanne und belegte Rang zehn. Bei den Mädchen bzw. jungen Frauen haben sich besonders Marie Naehring (16/Winterberg) und Emily Schneider (17/SK Rückershausen) international einen Namen gemacht. Naehring, 2018 „Eliteschülerin des Sports“ des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, gewann u.a. im Februar 2020 bei den „OPA-Spielen“ der Alpenländer in Villach/Österreich Bronze im Einzel und Gold mit der deutschen Staffel. Schneider war u. a. beim Alpencup mit zwei zweiten Plätzen (Einzel und Team) erfolgreich. Im August 2019 debütierte sie im Grand Prix in Oberwiesenthal und belegte bei der Premiere des Mixed-Team-Wettbewerbs den fünften Platz. Im Team startete auch Weltklasse-Athlet Fabian Rießle. Naehring und Schneider sind in gewisser Hinsicht Pionierinnen. Die Mädchen und Frauen kämpfen bei den Verbänden um Anerkennung und Reputation. Bei der WM 2021 in Oberstdorf werden erstmals Medaillen im Frauenwettbewerb vergeben, Olympia sträubt sich noch gegen Frauen in der Nordischen Kombination. Jedenfalls sind sie 2022 in Peking noch nicht startberechtigt.

Talentschuppen, Skitage und Schnuppertraining

Wie in vielen anderen Sportarten, haben es auch die Vereine und Verbände der nordischen Ski-Disziplinen nicht leicht, Nachwuchs zu finden. Der Westdeutsche Skiverband und der Nordrhein-Westfälische Bob- und Schlittensportverband (NWBSV) gehen daher gemeinsam u. a. in die Grundschule in Winterberg. In einem „Talentschuppen“ tragen die Kinder spielerisch Wettbewerbe in Sachen Schnelligkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer aus. Während in einem weiteren Schritt der NWBSV Schnupperrodeln in der VELTINS-EisArena anbietet, können sich beim WSV die Kinder bei einem Skitag austoben. Dabei werden eine kleine Schneeschanze und ein Skiparcours aufgebaut. Mit im Boot ist auch die Grundschule Feudingen, die eine Partnerschaft mit dem Ski Club Rückershausen (Stadtteil von Bad Laasphe/Kreis Siegen-Wittgenstein) unterhält. In Rückershausen mit der Lahntalschanze wird der Nachwuchs von Thomas Wunderlich betreut. In weiteren Schritten werden die Kinder zu einem Schnuppertraining eingeladen, ehe sie dann in den Vereinen des WSV mit regelmäßigem Training ihren Weg gehen. Während die Kombinierer am Stützpunkt in Winterberg trainieren, geht es für die Spezialspringer in Willingen weiter. Neben dem normalen Training stehen auch Lehrgänge auf dem Programm. „Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen Spaß haben“, betont Gneckow.

Schneevorbereitung in Norwegen mit einem Hauch von Abenteuer

„Große Freude“ bereitet ihnen immer die „Schneevorbereitung“ in Lillehammer/Norwegen. Ende November ist es wieder soweit. Die gesamte Crew wohnt dann in einer gemieteten Selbstversorger-Hütte. Neben dem Schneetraining auf den herrlichen norwegischen Pisten findet in dieser Zeit auch Schulunterricht statt. Eine Lehrerin ist mit im Team. „Die Zeit in Lillehammer ist auch und besonders eine Teambuilding-Maßnahme mit einem Hauch von Abenteuer“, so Gneckow.

Beim Blick in die Zukunft siedelt Gneckow seinen Kader „in diesem Altersbereich derzeit unter den besten fünf bis sechs in Deutschland an“ – mit dem Ziel, näher an die deutsche Elite, die absolute Weltklasse verkörpert, heranzurücken. Vom 23. Februar bis 7. März 2021 finden in Oberstdorf die Nordischen Ski- Weltmeisterschaften statt. Kann sich eine Athletin oder ein Athlet aus Winterberg für die WM-Teilnahme qualifizieren? Darauf angesprochen, meint Gneckow: „Das ist ein hochgesteckter Wunsch.“

Info-Box

Am 1. Januar 2019 hat die gemeinnützige Leistungssport gGmbH ihre Arbeit aufgenommen. Die Gründung der Gesellschaft geht auf eine Initiative des Deutschen Skiverbandes (DSV), des Westdeutschen Skiverbandes (WSV) und des Hessischen Skiverbandes (HSV) zurück. Es ist ein einmaliges, länderübergreifendes Projekt. Ziel der Gesellschaft mit Sitz am Bundesstützpunkt Winterberg und Willingen ist, den heimischen Nachwuchs in den Nordischen Skidisziplinen – Langlauf, Skisprung, Nordische Kombination, Biathlon – gezielt und professionell zu fördern und entsprechende Strukturen zu entwickeln. In enger Kooperation mit den Verbänden und Vereinen soll der Nachwuchs an den Leistungssport herangeführt werden. Das Ehrenamt soll dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Sportdirektor der Gesellschaft ist der ehemalige Weltklasse-Skilangläufer und Bundestrainer Jochen Behle. Bekannteste Sportler, die vor Jahren am Stützpunkt ausgebildet wurden, sind die Biathletinnen Maren und Janin Hammerschmidt (Skiklub Winterberg), Nadine Horchler (Ski-Club Willingen) sowie der Spezialspringer Stephan Leyhe (Ski-Club Willingen).

 

 

 

 

 

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