Gesundheit & Medizin

Pflege in Berlin aktiv gestalten und verbessern – das ist das erklärte Ziel der Aktion #PflegeJetztBerlin: Pflege muss sichtbarer, attraktiver und politischer werden

Die Corona-Pandemie macht es noch deutlicher: Dringend und stringent müssen Veränderungen für Pflegekräfte umgesetzt werden. Pflegepersonal fehlt, etliche Kliniken und Pflegeeinrichtungen haben offene Stellen. Die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) setzt die Anfang 2020 ins Leben gerufene Kampagne #PflegeJetztBerlin fort und beruft einen Beirat ein.

„Das Problem des Fachkräftemangels und die Kritik an den Arbeitsbedingungen sind nicht neu für die Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Deshalb hat die BKG bereits im Februar 2020 mit #PflegeJetztBerlin eine breit angelegte Kampagne zur Gewinnung und zum Verbleib von Pflegekräften gestartet. Die von der BKG 2019 in Auftrag gegebene Studie „Situation und Entwicklung der Pflege in Berlin bis 2030“ hat ergeben, dass in den kommenden zehn Jahren zusätzliche 10.000 Pflegekräfte gewonnen werden müssen (www.pflegejetztberlin.de). Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind auf ausreichend viele und zufriedene Beschäftigte angewiesen – das zeigt die jetzige Corona-Pandemie noch einmal sehr deutlich. Die Kampagne der Berliner Krankenhausgesellschaft hat zum Ziel, konkret und umfassend zur Verbesserung der Pflege beizutragen“, so Marc Schreiner, Geschäftsführer der BKG.

Die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen wollen Arbeitsbedingungen verbessern und die Attraktivität des Arbeitsplatzes Pflege erhöhen. Die BKG setzt gemeinsam mit allen, die für Pflege Verantwortung tragen, einen Masterplan um und ruft einen Kampagnenbeirat #PflegeJetztBerlin ins Leben, der Vertreterinnen aus der Praxis zusammenbringt. Der Beirat übernimmt die wichtige Aufgabe, die über 150, überwiegend komplexen Einzelmaßnahmen der Kampagne zu gewichten und professionelle Kritik einzubringen. Der Expertinnenbeirat zur konkreten Ausgestaltung der Kampagne #PflegeJetztBerlin tritt am 25. November 2020 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

„Pflegende gehören zu den Berufsgruppen, die das höchste Ansehen genießen. Und der Bedarf an qualifiziertem Personal wächst rasant. Trotzdem entscheiden sich zu wenige für diesen Beruf, zu viele steigen später aus. Das muss sich unbedingt ändern: Wir müssen mehr Menschen gewinnen und wir haben dafür zu sorgen, dass sie bleiben“, so Oberin Doreen Fuhr, Vorstandsvorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin und Mitglied im neu konstituierten Kampagnenbeirat der BKG. „Entscheidend ist, wie wir mit unseren Mitarbeitenden umgehen! Es ist jetzt an der Zeit, die Bedürfnisse der aktiv Pflegenden, der Ausgeschiedenen wie auch die Ansprüche der nachfolgenden Generation zu erkennen und darauf richtig zu reagieren“, betont Oberin Fuhr.

Neben den wirtschaftlichen, gesetzgeberischen und politischen Rahmenbedingungen der Pflege müssen vor allem die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Zentrum stehen. Der Kampagnenbeirat und die Krankenhausgesellschaft sehen sich vor einer herausfordernden Aufgabe:

„Wir wissen um die berechtigte Kritik, die vorgebracht wird. Wir wissen, dass es Veränderungen braucht, nicht nur Applaus. Viele Versäumnisse der letzten Jahrzehnte haben in der Pflege Spuren hinterlassen. In der Pandemie führt das zu weiteren Engpässen, Überforderung, Qualitätseinbußen, Abwerbungen und Kritik. Wir wissen darum, wie strapaziert die Diskussion darum ist und wie überlastet viele Pflegekräfte sich erst recht in der gegenwärtigen Krisensituation fühlen. Doch: Wir haben verstanden. Wir handeln mit #PflegeJetztBerlin. So öffnen sich mit der generalistischen Pflegeausbildung, mehr Ausbildungsplätzen, Ausgliederung der Pflegepersonalkosten und der Aussicht auf ein Instrument zur Bemessung des Pflegepersonalbedarfs die Möglichkeiten der spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und einer besseren Personalausstattung. Und diese Chance werden wir nutzen“, so Marc Schreiner, Geschäftsführer der BKG.

Weitere Themen der Aktion #PflegeJetztBerlin sind Image/ Recruiting, flexible Schichten, Entbürokratisierung, Teilzeitquote, Zurückgewinnung der bereits ausgeschiedenen Pflegekräfte, Fragen der Delegation und Substitution von Aufgaben, Akquise ausländischer Fachkräfte, Eindämmung der Leiharbeit, Infrastrukturfragen und Digitalisierung.

„Das hört sich viel an, ist es auch. Doch wir haben einen Katalog entwickelt, den wir in der Krankenhausgesellschaft gemeinsam mit dem Beirat und den für Pflege verantwortlichen Partnerorganisationen in der Stadt abarbeiten. Für die Bewältigung der Aufgaben benötigen wir alle Partner in der Pflege und alle sind dazu bereit, mitzuwirken“, sagt Schreiner.

Mitglieder des BKG-Kampagnenbeirats #PflegeJetztBerlin:

  • Oberin Doreen Fuhr, Vorstandsvorsitzende, DRK-Schwesternschaft Berlin
  • Heike Fadeni-Biessei, Vorstand, Wannseeschulen für Gesundheitsberufe
  • Manon Falk, Pflegedirektorin, Park-Klinik Weißensee
  • Ilona Hanuschke, Pflegedirektorin, Caritas-Klinik Maria Heimsuchung
  • Judith Heepe, Pflegedirektorin, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Kathrin Leffler, Leiterin des Direktorates Pflegestrategie und Betreuungsmanagement, Vivantes Netzwerk für Gesundheit
  • Andrea Lemke, Pflegedirektorin, Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau 
  • Heike Sporkhorst, Einrichtungsmanagerin, Haus Sommerstraße – Vivantes Hauptstadtpflege
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