Kunst & Kultur

Das Gefühl des Krieges

Ein Zusammenschluss aus deutschen und österreichischen Theatern beteiligt sich mit einer Online-Lesung von ukrainischen Kurzstücken und einer nachfolgenden Podcast- und Videoreihe am weltweiten Lesungs-Projekt. Die Auftaktveranstaltung (Lesung und anschließende Gesprächsrunde) findet am Donnerstag, 05.05.2022 um 19:30 Uhr statt und wird über nachtkritik.plus live übertragen.

Am 12. März 2022 hätte in Kiew ein neues Theater der Autor*innen, geleitet von einem Kollektiv aus 20 ukrainischen Dramatiker*innen eröffnen sollen. Am 23. Februar hat die Russische Föderation ihr Nachbarland mit einem brutalen Angriffskrieg überzogen. Zu der Eröffnung des Theaters ist es nie gekommen. Statt sich mit Literatur zu beschäftigen, verteidigt Maksim Kurotchkin, der designierte künstlerische Leiter, nun mit der Waffe in der Hand seine Heimatstadt. Viele Autor*innen sind in die Nachbarländer oder weiter geflüchtet, andere harren freiwillig oder unfreiwillig in der Ukraine aus.

Für die Eröffnung des Theaters war eine Reihe von Kurzstücken geplant, zu deren Fertigstellung es niemals gekommen ist, statt dessen haben nun einige der Autor*innen Texte verfasst, die sich unmittelbar mit ihren Erfahrungen nach Kriegsausbruch auseinandersetzen: das Aufwachen in einer entsetzlichen neuen Realität, die Sorge um ihre Familien, die Sorge um sich selbst.

«Wir hoffen, dass unsere Texte in verschiedenen Teilen der Welt gehört werden. Es ist wichtig, die Wahrheit zu vermitteln, dass Russland ein Aggressor ist und verbrecherisch handelt, dass Zivilisten und Kinder sterben. Trotz manipulierter Falschinformationen, mit denen Russland die Welt füttert, gibt es Fakten, gibt es Zeug*innen der Verbrechen. Wir sehen und hören, dass Ukrainer*innen trotz ihrer Angst ihre Identität, ihre Unabhängigkeit, ihre Heimat verteidigen. Und das sind keine ‚hehren Worte‘, das sind Tatsachen.»

Bereits im Zuge der Proteste in Belarus 2020 war es dem Netzwerk um den amerikanischen Theaterproduzenten und Kritiker John Freedman gelungen, das Stück Instulted.Belarus(sia) des belarussischen Autors Andrei Kureichik in etwa 150 Lesungen an über 100 Kulturinstitutionen in mehr als 30 Ländern der Welt als Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Belarus zu organisieren. Nun sollen Stimmen aus der Ukraine hörbar werden. Bereits 70 Kulturinstitutionen aus 15 Ländern haben ihre Beteiligung am Projekt zugesagt – und ihre Zahl wächst.

Das weltweite Lesungs-Projekt zugunsten von Theatermacher*innen in der Ukraine will den Autor*innen, denen der Krieg ihre Bühne geraubt hat, eine neue Plattform bieten, um sich gegen die Barbarei der russischen Führung zu erheben. Ein Zusammenschluss aus deutschen und österreichischen Theatern wird sich mit einer gemeinsamen Online-Lesung am 05.05. um 19:30 Uhr (inklusive anschließender Gesprächsrunde mit den Autor*innen) und einer nachfolgenden Serie von Podcasts und Videos an dieser Aktion beteiligen. Die Lesungen sollen konkret zum Anlass genommen werden, Spenden für die Menschen in der Ukraine zu generieren.
Die Internetplattform nachtkritik.plus wird die Veranstaltung am 05.05. exklusiv übertragen.

Der Zusammenschluss besteht aus folgenden Theatern: Staatstheater Augsburg, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Nürnberg, Deutsches Nationaltheater Weimar, Staatstheater Cottbus, Theater Regensburg, Theater Bielefeld, Theater Ingolstadt, ETA Hoffmann Theater Bamberg, Theater Erlangen, ARGEkultur Salzburg, Werk X Wien, Landestheater Tübingen, ITZ im Tübinger Zimmertheater, Landestheater Coburg, Landestheater Schwaben, Landestheater Eisenach,  Schaubühne Lindenfels Leipzig und das Theater an der Ruhr. Eine Beteiligung ist jederzeit noch möglich!

Im Moment liegen uns Texte folgender Autor*innen vor: Yelena Astasyeva, Natasha Blok, Andriy Bondarenko, Vitaly Chensky, Irina Harets, Julia Gonchar, Oksana Gritsenko, Olena Hapeeva, Tetyana Kyzenko, Oksana Savchenko, Lyudmila Tymoshenko, Olga Maciupa und Igor Bilytz. Sie alle werden von der renommierten Slawistin und Theaterübersetzerin Lydia Nagel speziell für das Projekt ins Deutsche übersetzt.

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