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Der Stoff, aus dem Träume sind

Anhand von sechs Meilensteinen selbstorganisierten und selbstverwalteten Wohnbaus in Österreich nähert sich der Dokumentarfilm auf facettenreiche Art an die unterschiedlichen Themen kooperativer Wohnprozesse von 1975 bis heute an. Wir besuchen die Pioniere des PKWs (Projekt Kooperatives Wohnen) in Graz-Raaba, treffen die Architekten und BewohnerInnen der ersten Stunde in der Terrassenhaussiedlung in Graz, erkunden die Ökosiedlung Gärtnerhof und die Siedlung Lebensraum im niederösterreichischen Gänserndorf, sprechen mit BewohnerInnen des Wohnprojekts Wien über den Entstehungs- und Planungsprozess und lassen uns  von den Linzer AktivistInnen des Projekts Willy*Fred erzählen, wie sich Häuser vom Immobilienmarkt frei kaufen lassen.

Dabei beleuchtet der Film über die AkteurInnen und BewohnerInnen der jeweiligen Wohnprojekte nicht nur deren sozialen und sozialökonomischen Anspruch, sowie deren gesellschaftspolitische Aussage sondern gibt darüber hinaus Einblick in die alltäglichen kleinen wie großen Errungenschaften, Diskussionen und Konflikte, die das Leben im Kollektiv mit sich bringt.

Credits

Idee: Michael Rieper
Buch und Regie: Michael Rieper und Lotte Schreiber
Kamera: Johannes Hammel
Montage und Dramaturgie: Elke Groen
Originalton: David Almeida Ribeiro, Gerd Jochum, Andreas Pils
Musik: Luca Pivetz
Assistenz: Shirin Hooshmandi
Sounddesign und Tonmischung: Andreas Pils
Farbkorrektur: Kurt Hennrich – 1z1screenworks
Produktion: MVD Austria
Titel: Der bildende Künstler Marko Luli ´c realisierte 2010 in der Terrassenhaussiedlung die Arbeit „Der Stoff, aus dem Träume sind“ in Form einer einprägsamen Fassadenbeschriftung.

Einblick

Der 75-minütige Dokumentarfilm begibt sich anhand von sechs ausgewählten, gemeinschaftlichen Wohnprojekten, deren Entstehungsgeschichten sich über den Zeitraum von vierzig Jahren erstrecken (1975-2015), auf eine Spurensuche quer durch Österreich.

In Beobachtungen des Alltäglichen und in Interviews mit den jeweiligen AkteurInnen und BewohnerInnen wird unter anderem der Frage nachgegangen, inwieweit die individuellen Wunschvorstellungen nach selbst- und mitbestimmtem Wohnen der Praxis des Zusammenlebens Stand halten. Dabei werden auch die unterschiedlichen Strategien beleuchtet, die den einzelnen Wohnprojekten zugrunde liegen – etwa in der Frage der Eigentumsverhältnisse. Diese reichen vom persönlichen Wohnungseigentum, über das bewährte Genossenschaftsmodell bis hin zum ausgeklügelten Gemeinschaftsmodell des deutschen Mietshäusersyndikats, das von den Linzer AktivistInnen des Projekts Willy*Fred nach Österreich

überführt wurde und dessen radikaler Ansatz es ermöglicht, Wohnhäuser nachhaltig der Spekulation zu entziehen.

So unterschiedlich die Modelle, so verschieden sind auch die Ausgangssituationen und Beweggründe der einzelnen Bau- und Wohngemeinschaften. Während das 1978 fertig gestellte PKW – Projekt Kooperatives Wohnen in Graz-Raaba aus der Privatinitiative mehrerer Familien hervorging, die zusammen mit dem oberösterreichischen Architekten Fritz Matzinger ihre Vorstellungen nach einer alternativen Wohnform verwirklichten, formierte sich die Interessengemeinschaft der Terrassenhaussiedlung in Graz, Österreichs größ- ter eigentümerverwalteten Wohnanlage, zu Beginn der 1970er-Jahre, aus einer Notlage heraus. Als im Zuge der Errichtung der Bauträger pleite ging und das bereits einbezahlte Geld verloren schien, schlossen sich die über tausend zukünftigen BewohnerInnen öffentlichkeitswirksam zusammen und erwirkten so die Fertigstellung der Wohnungen.

Die Vision in Gemeinschaft ökologisch zu bauen und zu leben stand am Beginn der Ökosiedlung Gärtnerhof in Gänserndorf, in den 1980er-Jahren initiiert und geplant von Architekt Helmut Deubner, der auch für das 2005 in unmittelbarer Nachbarschaft errichtete Cohousing-Projekt Lebensraum verantwortlich zeichnet. Das Wohnprojekt Wien, im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof angesiedelt, wurde nach soziokratischem Modell im Kollektiv geplant und gemeinsam mit dem Büro einzueins Architekten entlang von Kriterien wie Nachhaltigkeit und Solidarität umgesetzt. Der Wunsch nach eigenem Wohn- und Gestaltungsspielraum, ohne dafür Eigenkapital aufbringen zu müssen, führte die Akteure rund um das Linzer Projekt Willy*Fred zusammen. Sie erwarben mithilfe eines wohl durchdachten Finanzierungskonzepts ein bestehendes Stadthaus, befreiten dieses mittels eines ausgefeilten Systems langfristig vom Immobilienmarkt und setzten damit ein weithin sichtbares Zeichen. Unter dem von ihnen gegründeten österreichischen Dachverband habiTAT wurden bereits mehrere Nachfolgeprojekte umgesetzt bzw. sind aktuell in Planung.

Die Wurzeln gemeinschaftlicher Wohnprojekte reichen zurück auf die wohnungspolitische Reformbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese erfuhren eine erste Renaissance in den 1960er- und 1970er-Jahren und erfreuen sich seit einigen Jahren wieder einer starken Konjunktur.
Gründe dafür sind meist die Sehnsucht nach engeren nachbarschaftlichen Strukturen, aber durchaus auch finanzielle Aspekte. Das große Potenzial gemeinschaftlicher Wohnprojekte als Strategie sozialer und ökologischer Stadtentwicklung wurde zum Teil auch schon von Seiten der Politik erkannt, was eine bereits 2009 von der Stadt Wien in Auftrag gegeben Studie belegt. Aus dieser geht mitunter hervor, dass die Bau- und Wohngemeinschaften der Gegenwart meist nicht auf einem festen ideologischen Fundament basieren, wie das in der Vergangenheit oft der Fall war, sondern sich einem Pragmatismus verschreiben, der es ermöglicht, die aufwändigen Entscheidungsfindungen in der Gruppe möglichst rationell durchzuführen und die Projekte auf eine ökonomisch vertretbare Weise umzusetzen. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Baugemeinschaftsprojekten, die weit über den in der Vergangenheit meist vorhandenen Charakter des Pilotprojekts hinausgehen. [Quelle: Studie zu Baugemeinschaften in Wien, Endbericht 1, Potenzialabschätzung und Rahmenbedingungen Robert Temel, Maja Lorbek, Aleksandra Ptaszy ‚cska (SORA) Daniela Wittinger (SORA), Juni 2009]

DER STOFF, AUS DEM TRäUME SIND erkundet die verschiedenen Zugänge und Formen gemeinschaftlichen Wohnens aus der Innenperspektive von BewohnerInnen und AkteurInnen, verzichtet dabei bewusst auf ExpertInnenkommentare aus dem Off und eröffnet so das Thema einem breiten Publikum.

 

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