Kunst & Kultur

Dunkle Wolken am Horizont, eine Reise mit kleinem Gepäck und Elefanten als Streitschlichter – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

Schon seit geraumer Zeit und wahrscheinlich auch noch sehr lange müssen wir mit Corona leben. Zugleich konnten und können wir live miterleben, wie schwer es ist, neue medizinische Erkenntnisse zu gewinnen und diese dann auch in der Praxis durchzusetzen. Aber das ist nicht erst heute so, sondern auch früher gab es nicht selten heftigen Streit um die wirklichen Ursachen von Krankheiten und wie eben diese Ursachen zu bekämpfen sind – im Interesse des Lebens der Patienten. Und genau darum geht es im dritten der insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangebote dieses Newsletters, die wie immer eine Woche lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 26.08. 22 – Freitag, 02.09. 22) zu haben sind. Unter dem Titel „Wider die kleinen Mörder“ erzählt Brigitte Birnbaum eine spannende Geschichte über die Suche nach den Bakterien, eingepackt in die persönlichen Erlebnisse eines mecklenburgischen Landarztes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Für einen jungen Mediziner hat die Antwort auf die Frage nach der Existenz oder Nicht-Existenz dieser kleinen Mörder ziemlich praktische Konsequenzen: Wird sein erster kleiner Patient einen Unfall überleben?

Große Geschichte in kleinen Geschichten präsentiert Detlev Dietze in „Ernstes und Heiteres aus der Residenzstadt Schwerin“.

Mit Allegorien aus dem Reich der Tiere knüpft Uwe Berger in „Das Gespräch der Delfine“ an eine alte literarische Tradition an.

Anneliese Berger lädt in „Kennst du den Tomatenfrosch?“ zu einem Besuch im Tierpark oder im Zoo ein.

Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat – also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Das vielleicht wichtigste Thema war und bleibt das Thema Frieden. Wie kann er bewahrt oder wiederhergestellt werden? Nicht selten in der Weltgeschichte haben daran Begegnungen zwischen großen Männern oder auch zwischen großen Männern und großen Frauen ihren Anteil – wenn auch nicht immer mit dem gewünschten und erhofften Resultat.

Erstmals 1994 war ein Teil der jetzt bei EDITION digital vorliegenden Essays „Begegnungen der Weltgeschichte“ von Volker Ebersbach bei Edition Leipzig erschienen: Die welthistorischen Begegnungen, von denen hier erzählt wird, sind unterschiedlich belegt. Ihre Überlieferung reicht vom Legendenhaften, über die Geschichtsschreibung bis zu Tagebuchnotizen, Briefen, Protokollen und Erinnerungen. Aber ganz gleich, wie genau Einzelheiten wiederhergestellt werden können, die Pläne, Erwartungen, Ränke oder Illusionen der Gestalten, die da einander wirklich begegnet sind – immer machen sie Beispielhaftes spürbar, immer lässt sich ihre Gegenwart heraufbeschwören, immer gibt es Indizien, die sie uns vergegenwärtigen, und seien sie so schwach wie der Atem einer lautlos eingetretenen Person.

Diese Auswahl versucht, die Zeitepochen zu berühren, die mit wesentlichen Ereignissen die Welt von heute mitgeprägt haben, und über die Umrisse Europas, das nur Europäern als Mittelpunkt der Weltgeschichte erscheint, auf andere Kontinente hinauszugreifen. Der Welt von heute hat nun einmal Europa seinen Stempel aufgedrückt. Zur Einstimmung in die Lektüre hier einige aufschlussreiche Vorbemerkungen des Autos:

Vorbemerkungen

WELTGESCHICHTE – welch ein großes, regalefüllendes Wort! Und hier soll ein einziger Band davon handeln? Dies ist nur in Ausschnitten möglich, die einzelne Persönlichkeiten herausgreifen. Aber lässt es sich rechtfertigen, dass Einzelne so weit in den Vordergrund treten?

Was in der Weltgeschichte geschieht, mag wohl das Zusammenspiel Vieler sein. Aber NICHTS geschieht, wenn nicht wenigstens EINER es tut, und NICHTS unterbleibt, wenn nicht wenigstens EINER es unterlässt.

Zu den aufregendsten Momenten der Weltgeschichte gehören die, in denen zwei bedeutende Männer einander begegnen. Begegnungen brachten oft einiges zustande, nicht immer Gutes. Sie waren einmalig, oder sie wiederholten sich. Man ging voller Hochachtung auseinander oder im Zorn. Aus mancher Begegnung erwuchs ein schweres Zerwürfnis. Oft enthielt die Begegnung ein großes Versprechen; selten wurde es eingelöst. Oft bahnte sie eine besondere Chance an; meist wurde sie vertan. Die Beteiligten repräsentierten verschiedene Religionen oder unterschiedliche Staatsformen, einander entgegengesetzte Machtansprüche oder Kulturkreise, die lange voneinander nichts gewusst hatten, scheinbar verwandte Auffassungen von Kunst und gegensätzliche Ziele des Forschens. Am faszinierendsten wirken auf uns Heutige solche Begegnungen und Zerwürfnisse, in denen Geist und Macht aufeinandertrafen, Kontrahenten, wie Heinrich Mann sie in seinen Essays herausstellte. Selbst wenn sich die Wege zweier Geistiger kreuzten, versuchte sich oft genug einer des anderen zu bemächtigen. Auch ihre Sympathien, Missverständnisse und Zerwürfnisse sind Abbilder der Kräfte, die in der Weltgeschichte wirken.

Die welthistorischen Begegnungen, von denen hier erzählt wird, sind unterschiedlich belegt. Ihre Überlieferung reicht vom Legendenhaften über die Geschichtsschreibung bis zu Tagebuchnotizen, Briefen, Protokollen und Erinnerungen. Aber ganz gleich, wie genau Einzelheiten wiederhergestellt werden können, die Pläne, Erwartungen, Ränke oder Illusionen der Gestalten, die da einander wirklich begegnet sind – immer machen sie Beispielhaftes spürbar, immer lässt sich ihre Gegenwart heraufbeschwören, immer gibt es Indizien, die sie uns vergegenwärtigen, und seien sie so schwach wie der Atem einer lautlos eingetretenen Person.

Diese Auswahl versucht, die Zeitepochen zu berühren, die mit wesentlichen Ereignissen die Welt von heute mitgeprägt haben, und über die Umrisse Europas, das nur Europäern als Mittelpunkt der Weltgeschichte erscheint, auf andere Kontinente hinauszugreifen. Der Welt von heute hat nun einmal Europa seinen Stempel aufgedrückt. Wie mit den außereuropäischen Regionen verhält es sich auch mit den Frauen. Die Auswahl der Gestalten, von denen die Rede ist, erweckt den Anschein, als habe die Weltgeschichte weitaus mehr bedeutende Männer aufzuweisen als Frauen. Die Männer selbst haben dafür gesorgt, wie Europa für die Europäisierung der Welt, und es wäre eine Verzerrung des Bildes, das uns die Weltgeschichte nun einmal liefert, wollte man daran durch einen hergeholten Ausgleich etwas ändern.

Wenn gleich zu Beginn ein Mann, kaum dass er einer schönen, verführerischen Frau begegnet, vor ihr geradezu zurückprallt, scheint die berüchtigte Gretchenfrage über den beiden zu schweben, wie sie es denn mit der Religion hielten. Es ist eine Zeit, in der sich der Gegensatz zweier Epochen und ihrer jeweiligen Gesellschaft in religiösen Bildern besonders ausdrückt, und diese Bilder haben bis auf den heutigen Tag wie lebhafte Träume das Handeln vieler Menschen bestimmt. Zu beweisen, dass es Gott nicht gibt, ist zu jeder Zeit ebenso schwierig gewesen, wie zu beweisen, dass es ihn gibt.“ Und damit zu den ausführlicheren Vorstellungen der anderen vier Sonderangebote dieses Newsletters:

Erstmals 2019 erschien als Eigenproduktion der EDITION digital „Ernstes und Heiteres aus der Residenzstadt Schwerin“ von Detlev Dietze – und zwar sowohl als gedruckte Ausgabe wie auch als E-Book: Die Zeit zwischen den Revolutionen 1848 und 1918 war einer der turbulentesten und aufregendsten Abschnitte in der deutschen Geschichte. Sie war geprägt von großen gesellschaftlichen Umbrüchen, der fortschreitenden Industrialisierung und dem Beginn und Ende der Wilhelminischen Epoche. Verfassungen wurden gegeben und wieder genommen. Kriege wurden gewonnen und verloren – und ein Kaiserreich wurde gegründet, das am Ende des Ersten Weltkrieges wieder zerbracht.

Große Geschichte, die nicht vergessen wird. Aber Geschichte wird auch durch Geschichten geschrieben. Doch diese sind meist vergessen, obwohl sie den Alltag dieser Zeit prägten. Eine kleine Unachtsamkeit, welche mit einer Katastrophe enden kann, Zufälle, die große Pläne zerstören, … Der Autor hat etliche Ereignisse die sich im täglichen Leben der mecklenburgischen Residenzstadt Schwerin abspielten, recherchiert und in diesem Band gesammelt.

Gehen Sie mit ihm auf Leopardenjagd in Schwerin, werden Sie Zeuge eines Postraubes oder nehmen Sie an Rettungsaktionen auf den Schweriner Seen teil.

82 historische Ansichtskarten erleichtern dem Leser das Abtauchen in die Residenzstadt vor mehr als 100 Jahren. Und schon geht es los:

Ein Großherzogtum entsteht

Schwerin ist nicht die größte, aber die älteste Stadt in Mecklenburg. Erstmals genannt wird sie in der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar im Jahr 1018. Im Land herrscht seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts der slawische Volksstamm der Obotriten, der 1160 von dem Sachsenherzog Heinrich der Löwe unterworfen und christianisiert werden wird. Die obotritischen Fürsten schaffen es, ihre Macht bis 1918 aufrechtzuerhalten. Und das fast ununterbrochen, ausgenommen eine kurze Periode im 30-jährigen Krieg, als der kaiserliche Feldherr Wallenstein mit dem Land belehnt wird und den Herzog aus dem Land jagt. Doch die mecklenburgischen Herzöge werden durch den schwedischen König Gustav Adolf wieder im Land installiert und dürfen sich ab 1815 sogar Großherzog nennen. Der erste, der sich so tituliert, ist Friedrich Franz. Da er seine Soldaten in den Kampf gegen Napoleon schickt, wird ihm vom Wiener Kongress diese Standeserhöhung zugestanden. Friedrich Franz I., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, stirbt am 1. Februar 1837 in Ludwigslust, wird nach Doberan überführt und im Münster beigesetzt. Zur Regierung gelangt sein fast 37 Jahre alter Enkel Paul Friedrich, seit 1822 mit Alexandrine, Tochter des Königs von Preußen und seiner schönen Frau Luise, verheiratet. Die beiden verlegen ihren Wohnsitz von Ludwigslust nach Schwerin.

Die alte Obotritenburg auf der Schlossinsel passt nicht mehr zu den Anforderungen der Zeit. Ein neues Palais wird geplant und mit dem Bau begonnen, an der Stelle, wo heute das Museum steht. Vorerst nimmt das großherzogliche Paar Wohnung im Alten Palais am Alten Garten. Als Sommerwohnung wird im Schlossgarten das Greenhouse errichtet. 1839 baut Demmler das gegenüberliegende Kavaliershaus. Beide Häuser werden zwei Jahre später durch eine gusseiserne Brücke verbunden. 1840 schenkt Paul Friedrich seiner Frau Alexandrine das Anwesen. 1842 stirbt der Großherzog und Alexandrine tritt in den Witwenstand. Jahre gehen ins Land, friedliche Jahre, abgesehen von den 1848er Unruhen und dem preußisch-dänischen Krieg, mit dem Mecklenburg nichts zu tun hat. Doch dann ziehen dunkle Wolken am Horizont auf.

Auf der Siegerseite

Im Sommer 1866 scheint ein Krieg zwischen Österreich und Preußen unvermeidbar. Hektische Aktivität herrscht in den diplomatischen Kabinetten. Die größeren deutschen Bundesstaaten scheinen sich auf die Seite Österreichs stellen zu wollen. Mecklenburg, geografisch bedingt und durch Alexandrine eng verwandt mit dem preußischen Königshaus, bleibt diesem treu. Nach den Kriegserklärungen kommt es noch im Juni zu größeren Gefechten. Am 3. Juli gelingt den Preußen der entscheidende Schlag bei Königgrätz. Zahllose Verwundete gilt es jetzt zu versorgen. Alexandrine entschließt sich, ihr im Schlossgarten gelegenes Greenhouse zur Aufnahme verwundeter Krieger bereitzustellen. Die ärztliche Oberaufsicht wird Medizinalrat Dr. Mettenheimer übertragen. Mettenheimer, ein geborener Hesse, ist seit 1861 Leibarzt des Großherzogs. Als er mit ihm Anfang August in den Krieg zieht, übergibt er sein Amt an Dr. Driever, einen geborenen Schweriner, der seit 1834 in der Stadt praktiziert.

Mit der Oberleitung des Lazaretts wird Ida Masius beauftragt. Sie, die Tochter eines Regimentsarztes, ist Vorsteherin des Krankenvereins in Schwerin, seit 1862 leitet sie das Augustenstift, Jahre später wird sie das Anna-Hospital gründen. Am 28. Juli 1866 treffen 15 verwundete Preußen in Schwerin ein und werden vom Bahnhof in zwei fürstlichen Wagen nach dem Greenhouse gefahren. Es scheint, dass mit Rücksicht auf die Großherzogin Mutter, Alexandrine, nur leicht Verwundete ausgewählt worden sind. Das Grauen des Krieges passte nicht zu den idealistischen Vorstellungen von Heldentum und Vaterlandsliebe, wie sie an allen deutschen Fürstenhöfen gepflegt wurden. Alle Verwundeten hatten Schussverletzungen in den Gefechten bei Gitschin und Trautenau erhalten. In Pflege genommen waren nur Mannschaftsgrade, Dragoner, Musketiere und Füsiliere. Sie hatten Verletzungen an Armen und Beinen. Verwundungen an Organen, Verkrüppelungen oder Verunstaltungen kamen fast gar nicht vor. In der Bevölkerung herrscht große Anteilnahme am Schicksal der Verwundeten. Am 8. und 9. August stattet Alexandrine Besuche ab. Sie bestellt Fotos von den preußischen Kriegern. Fotograf Strauß, der sein Atelier in der Bischofstraße hat, nimmt sie einzeln und auch in Gruppen auf. Die Aufnahmen werden in den Kunsthandlungen der Stadt ausgestellt. Um für Zerstreuung zu sorgen, lädt Julius Brede, Direktor der Bredeschen Schauspielgesellschaft, die Rekonvaleszenten zu einer Festvorstellung in das neuerbaute Tivoli-Theater nach Zippendorf ein. Zur Aufführung gelangen die Salingrische Posse „Die Afrikanerin in Kalau“ und andere kleinere Lustspiele. Die gute Pflege und Fürsorge zeigt bald Wirkung. Am 17. August kann die Hälfte der Verwundeten als vollständig gesund in die Heimat entlassen werden.

Mit Eingreifen der Mecklenburger Truppen in die Kampfhandlungen kommt es auch bei diesen zu Verwundungen. Am 20. Juli beginnt der Vormarsch nach Bayern. Bei der Einnahme von Bayreuth und im Gefecht von Seybothenreut treten Verluste auf. Schwerverwundete werden im städtischen Krankenhaus versorgt, leichter Verwundete, wie die Dragoner Prohl aus Silz bei Malchow und Gaedke aus Hagenow, finden Aufnahme im Bayreuther Siechenhaus. Ihr Rücktransport in die Heimat sollte sich noch verzögern. Als sie am 23. August in Schwerin anlangen, werden sie in das Greenhouse verlegt. Am 11. September werden die Dragoner Sievert und Freitag eingeliefert. Sie waren schwer verwundet worden, und daher lange Zeit nicht transportfähig. Sievert war der Fuß abgenommen worden und Freitag hatte einen Schuss in den Mund bekommen. Beiden wurde von Ihrem Kommandeur von Boddin besonders mutiges und umsichtiges Verhalten im Gefecht bei Seybothenreut bescheinigt. Das mecklenburgische Verdienstkreuz wurde ihnen noch im Krankenhaus überreicht.

Ende Oktober sind auch die letzten Mecklenburger wieder entlassen und das Lazarett wird geschlossen. Das Pflegepersonal geht wieder seiner Friedensarbeit nach, Dr. Driever kümmert sich um seine Privatpatienten und Ida Masius richtet ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Augustenstift und den Schweriner Krankenverein. Für einige der behandelten Soldaten hat sich das Leben verändert. Prohl wird beim Oberpostamt in Schwerin angestellt, andere kommen als Paketboten unter. Sievert kehrt Anfang Februar 1867 aus Berlin mit einer Fußprothese zurück, lernt damit laufen und hofft, dass sich auch die Haut, welche sich über dem Stumpf des abgenommenen Fußes gebildet hat, an den Ersatz gewöhnt. Für Alexandrine hat sich nichts verändert durch diesen Krieg.“

Erstmals 1994 veröffentlichte Brigitte Birnbaum im KIRO Verlag Schwedt/Oder „Wider die kleinen Mörder“: In der Zeit, als das Fieberthermometer und der Gipsverband eben erfunden waren, kommt der junge Dr. med. Jacob Wullwäwer nach beendetem Studium heim, um gegen seinen Willen die väterliche Arztpraxis zu übernehmen. Er möchte lieber wissenschaftlich arbeiten, im Labor forschen, um den kleinen Mördern, den Bazillen und Bakterien, die bisher noch kein Mensch gesehen hat, auf die Spur zu kommen. Einige Professoren glauben, dass es Bakterien gibt, andere – sehr berühmte – nennen sie reine Hirngespinste.

Jacob Wullwäwer ist überzeugt, dass sie existieren, genauso wie er davon überzeugt ist, dass die kleinen Mörder seine beiden Schwestern umgebracht haben, wenn es auch hieß, sie wären an Halsbräune gestorben. Aber ehe Wullwäwer sein Elternhaus betritt, hat er seinen ersten Patienten, den zehnjährigen Ole, und kann nicht, wie heimlich geplant, an die Universität zurück und auch nicht zu Professor Lister nach London reisen. Sondern …

1. Kapitel

Der März bekommt nun doch noch seinen weißen Bart, dachte der junge Mann und stieg eilig in die Postkutsche zu, denn es schneite. Von seiner Tante hatte er sich bereits gestern Abend verabschiedet, damit sie nicht in aller Frühe raus musste. Bei ihr, der Kapitänswitwe und Mutters Halbschwester, hatte er in der Baderstraße im Schatten des Doms Sankt Nikolai während seines Studiums gewohnt. Dass er Greifswald nun verlassen musste, missfiel ihm sehr. Aber die Mutter gab keine Ruh, und der Bürgermeister seines Heimatstädtchens drängte von Woche zu Woche energischer.

Dennoch ertrotzte sich Jacob Robert Andreas Wullwäwer noch das chirurgische Examen. Obwohl Mutter schrieb, sein Vater hätte auch ohne Examen die Kranken behandelt. Überhaupt sei die Chirurgie ein unfeines Geschäft.

Aber Jacob, ihr Sohn, tat, was er für notwendig hielt. Nahm sogar noch an einem Operations-Kursus teil. Das eigentlich, um sich nicht vom Labor und von der Universitätsbibliothek trennen zu müssen. Nur im Labor würde er den kleinen Mördern auf die Schliche kommen, glaubte er.

Für den als letzten eingestiegenen Wullwäwer war der zugige Platz neben der Tür geblieben. Er machte es sich bequem, so gut es ging, behielt seine bauchige Tasche auf den Knien. Er reiste mit kleinem Gepäck. Den größten Teil seiner Habe hatte er in der Baderstraße gelassen, fest überzeugt, bald wieder hier zu sein. Obwohl er wusste, dass ihn in dem norddeutschen Landstädtchen eine Arztpraxis erwartete, aus der sein Vater vor knapp drei Monaten herausgestorben war.

Arme Mutter, dachte der junge Dr. Wullwäwer. Von einem Tag auf den anderen hat sie ohne Vater fertig werden müssen. Ohne meinen Beistand. Und Vater… er überlegte, Vater war achtundvierzig gewesen. Das Jahr 1869 hatte nicht gut begonnen.

Die Kutsche rumpelte und schlingerte. Keine Schnellpost, die vier Meilen in drei Stunden schaffte. Die Schnellpost verkehrte nur montags, mittwochs und sonnabends. Heute war Donnerstag.

Im Morgendunkel wurde geschimpft. Jacob hörte erst hin, als eine tiefe Stimme seufzend bedauerte: „O, Manning! Wer kümmt in Doktors Händ’n, der kümmt ok bald to End’n.“

Ein wahres Wort, gestand sich Wullwäwer ein. Leider. Deshalb wollt ich ja bleiben. Wir Ärzte wissen noch zu wenig. Nicht mal sich hatte Vater helfen können.

Eigentlich vermochte sich Jacob nicht vorzustellen, dass sein Vater tot war. Immer zu Sparsamkeit gezwungen, hatte es ihm am zusätzlichen Reisegeld zum Begräbnis gemangelt. Er nahm sich vor, gleich nach seiner Ankunft mit der Mutter auf den Friedhof zu gehen. Außerdem steckte er damals in den mündlichen Prüfungen. So behielt er seinen Vater vor Augen, wie er ihn beim letzten Ferienbesuch sah, munter lachend und ermahnend: "Merk dir, Jung! Wer sich nicht zu helfen weiß, ist gar nicht wert, dass er in Verlegenheit kommt. Wenn Arzt und Kranker sich verstehen, dann haben beide im Voraus schon halb gewonnenes Spiel."

Wenn…

„Wenn es weiter so schneit, werden wir auf der nächsten Poststation in Schlitten umsteigen müssen“, nörgelte jemand.

„O ja!“, jubelte eine Kinderstimme.

„Das könnte dir so passen.“

Sie stiegen nicht um, aber einige aus und andere zu. Bloß Dr.Wullwäwer blieb auf seinem schlechten Platz. Zwar wärmte ihn kein Pelz wie sein Gegenüber, doch machte ihm die Kälte wenig aus. Er blinzelte in die sich weiß einhüllende Landschaft und träumte mit offenen Augen. Er träumte davon, gleich weiterzureisen, über seinen mecklenburgischen Heimatort hinaus bis Hamburg, dort an Bord eines Schiffes zu gehen, nach London zu segeln und dann hinauf ins schottische Glasgow zu fahren. Wullwäwer war so mit seinen Gedanken beschäftigt, dass sich sein Gegenüber vergeblich bemühte, ihn ins Gespräch zu ziehen.

„Gott, was sind die jungen Leute heutzutage man bloß maulfaul!“

Besonders beredt war der zweiundzwanzigjährige Doktor wirklich nicht. Diese Eigenschaft hatte ihm wohl der Vater vererbt, wie auch seine hohe, schlanke Statur.

In Glasgow würde er sich zu Professor Lister durchfragen. Das schien ihm kein Problem. Sein Problem waren die fehlenden Reisemittel. Weniger seine Mutter, die versuchen wird, ihm das Vorhaben auszureden. Für die Mutter lag schon Greifswald im Ausland. Greifswald in Pommern, vor wenigen Jahren noch Schwedisch-Pommern.

Hinter Demmin, auf Teterow zu, wurde die Straße wieder schlechter. Der Kutscher musste die Pferde langsamer gehen lassen. Viel Zeit blieb noch bis zum Ende der Reise. Ein Ende, das sich Dr. Wullwäwer allerdings so nicht vorgestellt hatte.

Nur noch vereinzelte Schneeflocken wirbelten durch die Luft, als sich am späten Sonnabendnachmittag die Postkutsche von Schwerin her Jacobs Heimatstädtchen näherte. Rechts auf der Anhöhe das unbewohnte Schloss, und vor dem Ankömmling hob sich, stolz auf sein Alter, aus der Senke der gedrungene Spitzturm der Kirche. Ob wieder ein Wetterhahn drauf hockte, konnte Jacob aus der Ferne nicht erkennen. Ein Blitz hatte den wendigen Gockel im Juni vor fünf Jahren heruntergeholt.

Durch das Fenster erblickte Jacob die vertrauten Scheunen, die sich vor der Stadt längs der Landstraße reihten. Und er sah die Kinder. Ihn wunderte, dass sie nicht der Postkutsche entgegengerannt kamen. Im Vorbeifahren erkannte er, dass sie einen am Boden Liegenden umstanden, wie erstarrt und mit erschrockenen Gesichtern. Nur einer löste sich aus der Gruppe und lief, mit erhobenen Armen fuchtelnd und etwas schreiend, hinter der Kutsche her. Bei jedem Schritt über seine zu großen Schuhe stolpernd.

„Bettelpack!“, sagte die Dame neben dem jungen Arzt, „soll’n sich man bloß nicht vom Gendarm erwischen lassen.“

„Anzeigen müsste man so was!“, wurde sie von gegenüber unterstützt. „Ist ja Belästigung für unsereins.“

Dr. Wullwäwer ließ anhalten, sehr zum Unmut des Kutschers und der Mitreisenden.

Kaum war er samt seiner Tasche abgesprungen, rollte das Gefährt weiter.

Nach einigen hastigen, langen Schritten erreichte er die Kinder am Straßenrand, die vor ihm zurückwichen. Im zerwühlten, mit Blut bespritzten Schnee krümmte sich ein etwa Zehnjähriger. Seine blaugefrorenen Finger verkrampften sich oberhalb des rechten Knies im Stoff der Hose.

Der mit den großen Schuhen sagte: „Das Bein ist hin.“

„Nein! Ich brauch’s noch.“

Die Antwort gefiel Wullwäwer. Er zog seine Handschuhe aus und kniete sich zu dem Verunglückten. Durch die Wollfetzen des Strumpfes spießten die Knochenenden des gebrochenen Schienbeines. Drumherum klaffte eine grässliche Wunde, die stark blutete.

„Was ist denn passiert?“, wollte Wullwäwer wissen.

In diesem E-Book „Das Gespräch der Delfine und anderer Tiere. Sinngedichte“ von Uwe Berger stecken zwei Bücher: Erstmals 2006 war im Kinderbuchverlag Berlin „Das Gespräch der Delphine“ mit Illustrationen von Hans-Joachim Behrendt erschienen, erstmals 2006 im Zwiebelzwerg-Verlag Willebadessen „Kater – Vater“ mit Illustrationen von Heike Laufenburg: Diese Sinngedichte reiben sich an menschlichen Schwächen, an überlebter und lebendiger Realität. Mit der Weitsicht demokratischer Veränderung blicken sie zurück und nach vorn. Aufs Korn genommen werden kleine und große Tyrannen, Rechthaber, Hochnäsige und Verbockte. Warmherzig verteidigt sehen sich scheinbar und wirklich Schwache, Wahrheitsliebende und ehrlich sich Mühende. Mit Allegorien aus dem Reich der Tiere erneuert Uwe Berger eine alte Tradition.

Fuchs und Bär

Der Fuchs empfiehlt dem Bären: »Sei

so schlau wie ich, mach kein Geschrei!« —

»Sehr klug bist du, mein Freund, doch hör

sagt der, »ich lieb das Recht zu sehr.«

Überheblichkeit

Stets loben Zander sich und Barsch:

»Wir sind die Besten und noch mehr.

Wie hilflos ist der Falk im Meer,

hat nicht wie wir das Maul, den A …«

Wes Geistes Kind

Ein Maultier naht sich ziemlich bescheiden

den Pferden und fragt: »Mögt ihr mich leiden?« —

»Von Interesse«, sagen die, »ist es nicht,

welcher Gattung und Herkunft du bist,

sondern was für ein Geist aus dir spricht

und mit wessen Maßen du misst.«

Wölfisches Benehmen

Der Wolf ist sehr empört.

Er findet’s unerhört,

wenn man ihm die Meinung geigt

und ihm gar die Zähne zeigt.

Verteidigung

Die Schlange kommt zum Igel, droht:

»Du bist in jedem Falle tot.

Wehrst du dich oder nicht, mein Gift

wird dich ereilen.« — »Dich aber trifft

mein Stachel«, sagt der Igel und

macht für den Kampf den Rücken rund:

»Wenn du nur weißt, es bringt dir dein

Gezerr den Tod, lässt du es sein.«

Falsche Schlange

»Lass dich umarmen«, sagt die Schlange

zum Vogel, »komm und sei nicht bange!«

Der Vogel schreit: »Dass ich nicht lache!«

Die Schlange zischt und sinnt auf Rache.

Einsiedlerkrebs

Der scheue Krebs beklagt sich sehr:

»Ich finde nirgends Ruhe mehr.

Die Stille hat ein jeder gern.

So sucht man Stille nah und fern;

Und wo es still ist, wird gebaut,

und wo es still war, ist es laut. «

Im Schneckenhaus

Die Schnecke zieht sich in ihr Haus zurück:

»Hier drinnen bin ich froh, hier find ich Glück.«

So ist sie blind. Und nicht bekommt sie mit

den Schuh, der sie mitsamt dem Haus zertritt.

Der Uhu

»Hört mal, wenn ich erscheine,

dann macht ihr bitte juhu;

ihr Vögel seid doch meine

Freunde«, ruft der Uhu.

Die freilich denken sich:

Er liebt nur eins, sein Ich.

Vertrauen

Der tapfere Bär

will es dem Löwen sagen:

Es macht dir Angst,

die anderen zu fragen.

Wie aber soll

dich ihr Vertrauen tragen?“

Erstmals 2020 veröffentlichte Anneliese Berger als Eigenproduktion der EDITION digital „Kennst du den Tomatenfrosch? Oder Joschi und Miffi“ – und zwar sowohl als geduckte Ausgabe wie auch als E-Book. Dazu schrieb die Autorin: „Vielleicht kennt ihr schon das Buch „Was kriecht und fliegt und hüpft denn da?“ Da geht es um Tiere, die in unserer Heimat leben.

In diesem Buch will ich euch neben Tieren unserer Heimat auch Tiere zeigen, die ihr nicht immer sehen könnt. Ihr müsst sie im Zoo suchen, weil sie in fernen Ländern leben und manchmal dort auch sehr versteckt. Ihr könnt ein bisschen über ihr Aussehen, ihr Leben und Verhalten erfahren. Das Buch soll euch anregen, in einen Tierpark oder Zoo zu gehen, um mehr über diese Tiere zu lernen. Beim Lesen der Verse und beim Beobachten der Tiere wünsche ich euch viel Spaß.“ Und damit als erstes zu den Elefanten:

Elefanten

Der Elefant aus Afrika,

er steht mit großen Ohren da.

Sie ähneln sehr dem Kontinent,

dem Bild, das man vom Globus kennt.

Den Stoßzahn haben Mann und Frau.

Wir wissen ja auch ganz genau,

in Asien hat ihn nur der Mann

und Ohren klein am Kopfe dran.

Der Rüssel, Rücken und die Haut

sind unterschiedlich auch gebaut.

Und übrigens: Bei Elefanten

sind auch die vielen lieben Tanten

bereit für Neffen und für Nichten,

den Streit der Kinder mal zu schlichten

Brillenbär und Brillenschlange

Brillenbär und Brillenschlange

machen uns gewiss nicht bange,

denn wir sehen sie im Zoo

und da sind sie sowieso

hinter Glas und hinter Gittern,

deshalb müssen wir nicht zittern.

Der Brillen- oder Andenbär

der sagt uns gleich, wo kommt er her.

Die Brillenschlange heißt Sibylle,

sie trägt am Rücken ihre Brille.

In Asien ist sie daheim,

man sollt ihr nicht im Wege sein.

Wilhelminas Handarbeit

Die Spinne spinnt sehr feste Fäden,

wird sie zu einem Netz verweben.

Insekten achtlos um sie schweben,

bezahlen es mit ihrem Leben.

So wäre es im Spinnensinn,

wenn kämen noch viel mehr hierhin.

Die Asseln, Fliegen –  kurz, Insekten,

die nun das Netz zu spät entdeckten.

Die Reinlichkeit in ihrem Wesen

führt bei der Hausfrau schnell zum Besen,

zerstört das Netz, die Spinne lebt,

sie schnell ein neues Kunstwerk webt.

Und das ist in dann in kurzer Zeit

erneut für einen Fang bereit.“

Na, wenn das keine Einladung zu einem Besuch im Tierpark oder im Zoo ist? Bleibt nur doch darauf hinzuweisen, dass viele der in den lustigen Gedichten von Anneliese Berger erwähnten Tiere – so auch der im Titel genannte Tomatenfrosch – nur in einigen Zoologischen Gärten in Europa zu sehen sind.

Viel Vergnügen beim Lesen und bei den Tierbeobachtungen in der freien Natur oder in den Reservaten, weiter einen schönen Sommer, wobei uns auch ein wenig Abkühlung sicher allen gut gefallen würde, bleiben auch Sie weiter vor allem schön gesund und munter und bis demnächst.

Apropos Sommer: Wenn er zu Ende geht, dann beginnt natürlich der Herbst – und das gleich zweimal, der kalendarische Herbstanfang fällt in diesem Jahr auf den 23. September 2022, meteorologisch gesehen beginnt der Herbst dagegen bereits am 1. September 2022 – also genau einen Tag vor dem Erscheinen des nächsten Newsletters mit fünf neuen Sonderangeboten. Aber so oder so wünscht EDITION digital einen schönen Leseherbst!

Über die EDITION digital Pekrul & Sohn GbR

EDITION digital war vor 27 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Inzwischen gibt der Verlag Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher gedruckt und als E-Book heraus. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher ehemaliger DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.200 Titel. E-Books sind barrierefrei und Bücher werden klimaneutral gedruckt.

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