Familie & Kind

„Orte der Hilfe und der Begegnung“

„Es sind Orte, an denen ganz viel Gutes passiert“, sagt Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Patrick Krug. Er sagt das über die drei Tafeln im Vogelsbergkreis, die mit großem Engagement Monat für Monat viele Menschen unterstützen. Denn in Alsfeld, Lauterbach und Schotten engagieren sich viele Ehrenamtliche für ihre Mitmenschen. Sie sammeln für ihre Kunden in großen Teil des Kreises Lebensmittel ein, sortieren sie und kümmern sich um die Ausgabe.

Sozialdezernent Krug ist nun bei den Tafeln in Alsfeld und Lauterbach zu Gast, und wird in wenigen Tagen auch in Schotten vor Ort sein. Er nutzt die Gelegenheit, sich mit Walter Bernbeck, 1. Vorsitzender des Alsfelder Vereins, sowie Ursula Dietrich, 2. Vorsitzende der Lauterbacher Tafel, und Beisitzer Gerhard Schad über aktuelle Themen auszutauschen. Dabei wird deutlich: Mit rund 100 Ehrenamtlichen in Alsfeld und etwa 60 in Lauterbach haben die beiden Tafeln schlagkräftige Teams, die auf vielfache Spenden aus der Region zurückgreifen können.

Rund 700 Kunden im Monat: Die Tafel in Alsfeld

Regale werden eingeräumt, ein Kleintransporter liefert eine Ladung Lebensmittel an, das Lager wird sortiert, die Einhaltung von Kühlketten wird dokumentiert, Touren werden geplant, Lieferscheine werden geschrieben, geprüft und weiterverarbeitet. „Das alles ist ein großer organisatorischer Aufwand“, berichtet der Vorsitzende Bernbeck. An vier Tagen in der Woche öffnet die Alsfelder Tafel, und versorgt so monatlich rund 700 Abholer mit Lebensmitteln von Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien oder Selbstvermarktern in der Region. „Die Kunden kommen aus dem gesamten Altkreis Alsfeld hierher, um sich und ihre Familien zu versorgen“, berichtet Walter Bernbeck. Dazu müssen sie berechtigt sein und etwa Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II oder eine geringe Rente beziehen. „Vieles von dem, was wir ausgeben, könnten sich unsere Kunden nicht leisten. Zum Beispiel ist das Päckchen Süßigkeiten sehr begehrt“, sagt Bernbeck.

Eine Warteliste gibt es aktuell nicht, da die Nachfrage und das Spendenaufkommen sich die Waage halten, berichtet der 1. Vorsitzende. Allerdings ändern sich das Spendenaufkommen und die Lieferungen permanent. „Wir nehmen, was wir kriegen können. Und das reicht aktuell. Generell gibt es keine Gründe, jetzt zu klagen, aber trotzdem spüren wir, dass vielerorts schärfer kalkuliert wird.“, merkt der Vorsitzende an.

Ehrenamt für 100 Familien: die Tafel in Lauterbach

Ortswechsel: Ursula Dietrich, 2. Vorsitzende des Vereins Lauterbacher Tafel, empfängt Patrick Krug am Standort am Alten Steinweg. Kurz vor dem Start der Ausgabe herrscht rege Betriebsamkeit – auf deutlich weniger Quadratmetern als in Alsfeld. „Wir sind eine verhältnismäßig kleine Tafel und versorgen rund 300 Kunden beziehungsweise 100 Familien“, sagt Dietrich. In Lauterbach sortieren die Ehrenamtlichen die gespendeten Lebensmittel und packen sie dann in personalisierte Wannen. Das erleichtert die Ausgabe und ist besser für die Logistik. „Kühlprodukte wählen die Kunden dann aus dem Kühlregal. Das klappt seit der Corona-Pandemie gut“, berichtet Dietrich.

In Lauterbach gibt es bei den Tafel-Kunden eine konstante Fluktuation, wie die 2. Vorsitzende berichtet. „Menschen finden Arbeit oder ziehen um. Dann rutscht jemand von der Warteliste nach“, berichtet Dietrich. Gerne würde man auf diese Warteliste verzichten, doch der Platz am Standort ist begrenzt, führen die Vorstandsmitglieder aus. Eigentlich ist die Lage inmitten der Innenstadt sehr gut, aber größere Räumlichkeiten würden die Situation etwas entspannen, merken sie an.

Was die Menge der Lebensmittel anbelangt, kann man sich auch in Lauterbach nicht beschweren. „Die Spendenbereitschaft im Altkreis Lauterbach ist hoch“, berichtet Beisitzer Schad. Das Spender-Netz sei stabil. Und – ein Aspekt, der auch beim Besuch in Alsfeld anklingt – man ist mit den umliegenden Tafeln in Kontakt, um Lebensmittel untereinander auszutauschen, berichtet Schad.

Am schönsten wäre es, wenn wir sie nicht bräuchten. „Und doch sind wir unglaublich froh, dass es sie gibt. Denn die Tafeln in unserer Region sind Orte der Hilfe und der Begegnung. Zum einen für die Kunden, zum anderen für die vielen Ehrenamtlichen, die sich Woche für Woche auf ganz besondere Weise für ihre Mitmenschen einsetzen“, kommentiert Sozialdezernent Krug die Besuche bei den Tafeln. Lebensmittel werden sinnvoll weitergegeben, „und es entsteht echter Zusammenhalt, dort, wo Menschen zusammenkommen, sich engagieren, miteinander in Kontakt sind und gemeinsam Gutes tun“, unterstreicht Patrick Krug, und ist gespannt auf den Besuch der Tafel in Schotten.

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