Energie- / Umwelttechnik

Seltener Gast in der Ostsee: ein Finnwal in der Flensburger Förde

Das neue Jahr beginnt in der Ostsee mit einer Riesen-Überraschung. Für Aufsehen sorgt ein seltener und ziemlich großer Gast. Am Sonntag, den 4. Januar, traf ein Zollboot in der Flensburger Innenförde im Bereich Mürwik am späten Vormittag auf einen ca. 17 m großen Finnwal!

„Wahrscheinlich handelt es sich um den Finnwal, den man kurz vor Weihnachten im Kleinen Belt vor der dänischen Küste entdeckt hatte“, erklärt der Diplom-Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz. Der dänische Walforscher Carl Kinze hatte das Tier anhand der Position der Rückenfinne und der Form des Blases (Atemfontäne) als Finnwal identifiziert.

Auch wenn zu dieser Zeit kaum Sportbootfahrer auf der Förde unterwegs sein dürften, bittet die Deutsche Stiftung Meeresschutz um Vorsicht und Rücksicht bei einer Begegnung zum Schutz von Mensch und Tier:

  • Abstand halten, mindestens 100 m
  • Geschwindigkeit drosseln
  • den Wal nicht verfolgen

Großwale in der Ostsee?
Die Ostsee ist keine Heimat für Großwale. „Vermutlich ist der Finnwal bei der Verfolgung von Nahrungsströmungen hierher gelangt“, meint Karlowski. „Es bleibt zu hoffen, dass er unversehrt zurück in die Nordsee beziehungsweise den Atlantik zurückfindet.“

Die am häufigsten in das mit seiner mittleren Wassertiefe von nur 52 m flache Binnenmeer Ostsee als Irrgast anzutreffende Art ist der Buckelwal. Finnwale (Balaenoptera physalus), die zweitgrößten Lebewesen der Erde, kommen hier nur selten vor.

Auf der Nordhalbkugel werden Finnwale bis zu 24 m groß, auf der Südhalbkugel sogar bis zu 27 m. Lediglich der Blauwal ist mit bis zu 33 m noch größer.

Reise ohne Wiederkehr?
Zuletzt wurde im September 2016 ein Finnwal, ebenfalls in der Flensburger Förde, gesichtet. „Leider bleibt das Schicksal dieser Irrgäste in den meisten Fällen ungewiss. Was man weiß, ist, dass etliche von ihnen es leider nicht zurück in die Nordsee und den Atlantik schaffen und sterben. In der Ostsee lauern viele Gefahren: Tödliche Verstrickung in Fischernetzen, Schiffskollisionen und Plastikmüll oder sie finden nicht genug Nahrung und verhungern“, sagt Karlowski.

Finnwale: die Windhunde der Meere
Finnwale sind schnell. Man nennt sie auch „Windhunde der Meere“. Sie können Spitzengeschwindigkeiten von 30 km/h – manche Experten sprechen sogar von 41 km/h – erreichen. Die normale Reisegeschwindigkeit beträgt 10–15 km/h.

Auf ihrem Speiseplan stehen Plankton und kleine Meerestiere wie Krebse oder Jungfische. Beim Fressen nehmen sie einen „Mundvoll“ Wasser auf, aus dem sie sich ihre Beute herausseihen. Ein Mundvoll heißt bei einem Finnwal rund 70.000 Liter Meerwasser! Anschließend pressen sie das Wasser durch ihre Barten, an denen die Beute hängen bleibt und mit der Zunge abgeschleckt wird, wieder hinaus.

Finnwale gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet und sind geschützt. Trotzdem werden sie von den Walfängern in Japan noch kommerziell bejagt. Isländische Walfänger wollen in diesem Jahr wieder auf Finnwalfang gehen.

Über Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)

Die Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM) ist eine Treuhandstiftung, die 2007 gegründet wurde. Ziel unserer Arbeit ist es, der Ausbeutung der Weltmeere und der Vernichtung ihrer Bewohner etwas entgegenzusetzen. In Kooperation mit engagierten Forschern und Organisationen rund um den Globus fördern und verwirklichen wir Projekte und Aktionen zum Erhalt des Lebens in den Meeren. Ermöglicht wird dies durch Spenden.

Wir sind Mitglied im europäischen Meeresschutzbündnis Seas At Risk (SAR / seas-at-risk.org), in der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC / deep-sea-conservation.org) und sind Netzwerkpartner der UN-Dekade der Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung (2021 – 2030) in Deutschland (Ozeandekade / ozeandekade.de).

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