Erfolgreiche Fachtagung zur Osteoporose
Die Fachtagung richtete sich an niedergelassene Ärzte, Krankenhausärzte, Reha-Träger, interressierte Kolleginnen und Kollegen und zielte darauf ab, die existierenden Unsicherheiten beim Thema zu diskutieren und Lösungsansätze vorzustellen. Es will weiterhin dazu beitragen, verschiedene Fachgebiete zu einem relevanten chronischen Krankheitsbild zusammenzuführen und die Versorgung zu verbessern. Viele Studien haben aufgezeigt, welchen Einfluss solche chronischen Erkrankungen auf die Rehabilitation und damit auf das Erreichen des Rehabilitationsziels haben kann. Insbesondere erfordern diese Erkrankungen interdisziplinäre Ansätze über alle Versorgungsstrukturen hinweg. Man bot ein umfassendes Programm aus spannenden Vorträgen mit einem Workshopteil. Wissenschaftlicher Berater am Klinikzentrum Prof. Dr. Seidel übernahm gemeinsam mit Orthopädie-Chefarzt Prof. Dr. Hof die Leitung der Fachtagung.
Themen:
- Neue Leitlinie Osteoporose und sekündär präventive Therapieoptionen bei Osteoporose
Chefarzt Prof. Dr. Ewald Hof, Klinikzentrum Bad Sulza
- Osteoporose – mehr als nur eine zu geringe Knochendichte
Prof. Dr. Egbert Seidel, Klinikzentrum Bad Sulza
- Anpassung operativer Interventionsstrategien in der Orthopädie/Traumatologie bei Osteoporose-Patienten (Gelenkersatz/Frakturen)
Chefarzt Dr. Wolfram Kluge, Sophien- und Hufelandklinikum Weimar
- Besonderheiten der Manuellen, Osteopathischen und Faszientherapie bei Osteoporose-Patienten
Dr. Frank-Detlef Stanek, Ärztevereinigung für MM/Deutsche Gesellschaft für MM Jena
- Besonderheiten der Nachsorgestrategien (Rehabilitation/Tertiär-Prävention) aus Sicht der Rehabilitationsmedizin
Chefarzt Dr. Axel Gassen, m&i-Fachklinik Bad Liebenstein
- Diskussion, ggf. Fallvorstellung, Fragen an den neuen Chefarzt
Chefarzt Prof. Dr. Ewald Hof, Klinikzentrum Bad Sulza
- Workshop „Osteopathie und Faszientherapie-Techniken“
Dr. Frank-Detlef Stanek, Ärztevereinigung für MM/Deutsche Gesellschaft für MM Jena
Osteoporose stellt eine weit verbreitete Knochenerkrankung im Alter dar, in Deutschland sind mind. sechs Millionen Menschen betroffen (Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.). Es wurden fünf ärztliche Fortbildungspunkte von der Landesärztekammer Thüringen vergeben. Über 60 Teilnehmende aus der vertragsärztlichen Versorgung, Akutkliniken und Rehabilitationseinrichtungen erörterten fachübergreifende Fragestellungen zu diesem chronischen Krankheitsbild, das aufgrund seiner Prävalenz eine zentrale Rolle im klinischen Alltag einnimmt. Aus dem Tagungsbericht von Prof. Dr. Seidel:
„Die Einführungsvorträge übernahmen die zwei Moderatoren der Tagung. Prof. Dr. Ewald Hof stellte zuerst die Leitlinie von 2023 zu Fragen der Therapie vor und unternahm dabei auch einen Ausflug in die europaweiten Versorgungsstrukturen. Dabei wurde eine Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung in Deutschland deutlich: Während Deutschland in Kategorien wie dem Treatment Access Score, dem Guideline Score sowie der Frakturrisikobewertung Spitzenpositionen einnimmt, bewegt sich die reale Versorgungsqualität lediglich im europäischen Mittelfeld (Quality Score, FLS Score). Es konstatiert sich ein strukturelles Defizit in der sektorenübergreifenden Implementierung der Leitlinienempfehlungen.
Der Vortrag machte deutlich, dass unserer Gesundheitssystem auf dem Papier (Leitlinie) einen Spitzenplatz belegt, jedoch in der sektorenübergreifenden Versorgung erhebliche Probleme in der Umsetzung hat.
Prof. Dr. Egbert Seidel zeigte am Beispiel der Osteoporose auf, dass diese nicht nur ein Problem der Personengruppe über 50 Jahre ist (siehe Leitlinie), sondern bestimmte Kontextfaktoren bereits in früheren Lebensjahren (Bewegungsmangel, schlechte Ernährung / Anorexia, bestimmte Medikation, Life-Style Faktoren wie Rauchen, Alkohol) bereits vor der Grenz des Leitlinienalters die Akteure herausfordert und bisher völlig vernachlässigt wird. Auch wurde durch den Vortrag deutlich, dass nur ein interdisziplinäres Herangehen vieler Fachbereiche der Multimodalität des Behandlungskonzeptes gerecht wird. „Nur“ eine osteologische Versorgung der Patienten greift zu kurz und realisiert nicht das multidimensionale Bedingungsgefüge der Osteoporose. Die Leitlinie liefert weiterhin den Beweis für fehlende Transparenz und Unabhängigkeit von Einflüssen der Pharmaindustrie. Die vielen Interessenkonflikte werden zwar aufgeführt, führen aber nicht zum Ausschluss an der Erstellung der Leitlinie. Teilweise gleich acht Autoren haben mit einer Firma (Amgen/prolia®) Interessenkonflikte angezeigt[1]. Die Diskussionen im Ärzteblatt Thüringen zu anderen chronischen Krankheitsbildern und der Einflussnahme der Pharmaindustrie auf die Gestaltung von Leitlinien müssen dringend intensiviert werden und zu klaren Handlungsempfehlungen führen.
Der Bereich Prävention, Sekundär- und Tertiär-Prophylaxe inkl. Rehabilitation und der nicht-medikamentösen Therapie ist nicht ausreichend in der Leitlinie berücksichtigt und bietet auch keine Verbesserung der strukturellen Versorgungsprobleme an. Es ist dringend eine Überarbeitung dieser Leitlinie ohne Interessenkonflikte notwendig, welche zu einer Verbesserung der Versorgungssituation der betroffenen Patientinnen und Patienten führt.
PD Dr. Wolfram Kluge referierte danach über „Anpassung operativer Interventionsstrategien in der Orthopädie/Traumatologie bei Osteoporose (Gelenkersatz/Frakturen)“. Er berichtete über die Kriterien für den Operateur, welcher seine Interventionsstrategie nach dem Lokalbefund zur Knochengesundheit und den prä-operativen anamnestischen und klinischen Parametern ausrichten muss. Dabei zeigte er kritisch mögliche Fehler auf und zeigte Möglichkeiten des Vermeidens von Implantatversagen (Stress shielding) auf. Die frühzeitige Belastung des Patienten nach einem operativen Eingriff ist heute unbestritten, muss aber auch durch eine hohen Therapeutenqualität und -quantität umgesetzt werden bzw. umsetzbar sein.
Im 2. Teil stellte Dr. Frank-Detlef Stanek Besonderheiten der Manuellen, osteopathischen und Faszientherapie bei Osteoporosepatienten vor. Hierbei machte er deutlich, dass bereits lange vor der dem radiologischen Nachweis einer verminderten Knochendichte oder dem Auftreten von Frakturen klinische Zeichen einer Osteoporose bestehen und die Aufmerksamkeit von Hausarzt und Orthopäden nicht entgehen sollten. Dies fängt bei einer gestörten Haltung (Statik) an und führt über spezifische fasziale Schmerzpunkte zu Beschwerden und Funktionsstörungen.
Das frühzeitige Erkennen dieser Veränderungen auch durch Gynäkologen (veränderter intraabdominaler Druck, Beckenbodeninsuffizienz durch Inklination des Beckens), Orthopäden (BWS-Kyphose, fehlende Endstreckung Kniegelenk im Stand, Lotveränderungen, Tannenbaumphänomen, Bauchdeckeninsuffizienzen) und Hausärzte (Einschränkungen der Mobilität, Defizite bei Aktivitäten des täglichen Lebens – Gehgeschwindigkeit – Dynapenie, Sarkopenie) ermöglicht einen rechtzeitigen Beginn der Therapie und damit einer Sturzprophylaxe, welche nach wie vor die beste Frakturprophylaxe ist.
Dabei zeigte er die Möglichkeiten der Manuelle Medizin und Osteopathie auf, welche im Workshop vertieft, werden konnten.
Zum Abschluss der Tagung sprach Dr. Axel Gassen zu „Besonderheiten der Nachsorgestrategien (Rehabilitation/Tertiär-Prävention) aus Sicht der Rehabilitationsmedizin“. Dabei wurde deutlich, dass jeder an Osteoporose Erkrankte die Möglichkeit bekommen sollte, sich über sein Krankheitsbild und die multimodalen Möglichkeiten der Tertiärprävention zu informieren und Strategien zu erlernen. Dies ist bisher weitestgehend nur für Patienten vorgesehen, welche eine Fraktur erleiden und infolge einer drohenden Erwerbsunfähigkeit oder einer drohenden Pflegebedürftigkeit einer Rehamaßnahme zugeführt werden. Die Krankheitsbilder Diabetes mellitus und das Metabolische Syndrom zeigen jedoch die enormen Potentiale der gut organisierten sekundär und tertiär Prävention auf. Dies sollte auch Patienten mit Osteoporose ermöglicht werden. Sowohl die stationären, als auch die teilstationären wie ambulanten Rehabilitationseinrichtungen bieten hierfür alle Möglichkeiten. Die Fortsetzung der Versorgungskette im Wohnbereich des Patienten ist jedoch derzeit nicht nur im europäischen Vergleich mittelmäßig und führt langfristig zu enormen volkswirtschaftlichen Kosten, insbesondere für die Kranken- und Pflegekassen. Von den individuellen Folgen für den Patienten (erhöhte Morbidität und Mortalität) ganz zu schweigen. Es wird noch einiger gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen bedürfen, diese Versorgungslage wesentlich zu verbessern. Die hausärztliche Praxis wird dabei eine zentrale Case-Management-Rolle für die Umsetzung der multimodalen Versorgungskonzepte von A-Z (A=Augenarzt=Sehkraft=Sturzrisiko Reduzierung bis Z= Zytologe=individualisierte Therapie) spielen.
Im abschließenden Workshop „Osteopathie und Faszientherapie-Techniken“ zeigte Kollege Stanek anhand einer freiwilligen Probandin die Möglichkeiten der Diagnostik als auch der Therapie auf, welche viele der vorgestellten Aspekte der Vorträge berücksichtigten. Eine Großzahl der Teilnehmenden nahm an diesem vor allem mit praktischen Handlungsempfehlungen gespickten Workshop teil und es wurden zahlreiche Beispiele aufgezeigt und therapeutische Interventionen diskutiert.“
Derartige Fachtagungen etablieren sich in der multidisziplinären Rehabilitationsklinik mit Schwerpunkten in den Bereichen Orthopädie und Pneumologie als stetiges Fort- und Weiterbildungsangebot. Die nächste ist wieder für das Frühjahr 2027 angekündigt. „Das fundierte Praxiswissen regionaler und überregionaler Experten legt eine ideale Diskussionsgrundlage und ermöglicht den Erfahrungsaustausch aller Beteiligten, um dem Patienten bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen“, erläutert Klinik-Geschäftsführer Mark Förste.
[1] Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50.Lebensjahr – Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V. 2023 – Langfassung V 2.1 – AWMF-Register-Nr.: 183/001
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