Countdown am Kupfermarkt: Was Trumps Zoll-Entscheidung im Juni für Investoren bedeutet
Arbitrage-Boom: Comex-Prämie lockt das Kupfer in die USA
Die anhaltende Zolldebatte dominiert den Kupfermarkt bereits seit Monaten und hat phasenweise zu einem enormen Preisaufschlag der New Yorker Comex gegenüber der London Metal Exchange (LME) geführt. Vor wenigen Wochen kletterte dieser Spread erneut auf über 500 US-Dollar pro Tonne. Solche enormen Preisdifferenzen eröffnen Händlern hochlukrative Arbitragegeschäfte und haben bereits zu historischen Lagerverschiebungen in die Vereinigten Staaten geführt.
Diskutiert wird derzeit ein gestaffeltes Modell: Ein Zoll von 15 Prozent auf raffiniertes Kupfer ab Januar 2027, der ab 2028 auf bis zu 30 Prozent ansteigen könnte. Die Analysten von Morgan Stanley beziffern die Wahrscheinlichkeit für die Einführung dieses 15-Prozent-Satzes auf 43 Prozent. Sollte Trump grünes Licht geben, erwarten Marktbeobachter, dass die Importe aus Europa, Asien und Afrika in amerikanische Lagerhäuser auf bis zu 200.000 Tonnen pro Monat explodieren könnten. Dieser massive Abzug würde das Angebot an der LME dramatisch verknappen und die globalen Kupferpreise, die im Frühjahr bereits Rekordhochs von über 14.500 US-Dollar testeten, weiter anheizen. Von diesem Szenario würden insbesondere Produzenten mit starken US-Aktivitäten profitieren. Das Analysehaus Jefferies sieht hier Unternehmen wie Freeport-McMoRan, Rio Tinto, Hudbay Minerals und Ivanhoe Electric klar im Vorteil.
Das Dilemma der US-Verarbeiter und die Option auf Aufschub
Ein derart massiver Eingriff stößt jedoch auf erbitterten Widerstand der heimischen Industrie. Gegner der Maßnahme, darunter die American Copper Fabricators Coalition, warnen eindringlich vor den Folgen. Da die USA derzeit rund die Hälfte ihres raffinierten Kupfers importieren müssen, würden Zölle auf den Rohstoff die Produktionskosten für US-Hersteller drastisch erhöhen. Kritiker befürchten, dass dies im Zusammenspiel mit den bereits etablierten 50-Prozent-Zöllen auf halbfertige Kupferprodukte mehr heimische Nachfrage zerstören könnte, als neue Minenproduktion gefördert wird.
Angesichts dieses wirtschaftspolitischen Drahtseilaktes – der Förderung strategischer Rohstoffsouveränität einerseits und dem Schutz der heimischen Industrie vor ausufernden Kosten andererseits – halten Experten wie die BNP Paribas auch eine Verzögerungstaktik für denkbar. Ein Aufschub würde den Status quo vorerst erhalten: Das bereits in die USA verschiffte Kupfer bliebe dort, Händler könnten sich weiterhin gegen Risiken absichern und die hohe Volatilität bliebe bestehen. Sollte Trump die Zölle auf Rohkupfer hingegen komplett ausschließen, droht ein rascher Richtungswechsel. Die Prämie an der Comex würde kollabieren, und das eingelagerte Metall könnte schnell in Richtung Asien abfließen.
Unabhängig vom Ausgang des Zolldramas aber bleiben die langfristigen Aussichten für Kupfer als unverzichtbarer Baustein für KI-Rechenzentren und Stromnetze jedoch exzellent.
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