Elektrotechnik

Hausnotruf ohne Knopfdruck

Der Hausnotruf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert. Ein kleines Gerät am Handgelenk oder um den Hals, ein Knopf, eine Zentrale. Das Prinzip ist einfach und hat sich bewährt, solange das Gerät auch getragen wird. Genau daran scheitert es in der Praxis häufig. Viele ältere Menschen legen den Sender zum Duschen ab, vergessen ihn nachts auf dem Tisch oder tragen ihn aus anderen Gründen nicht regelmäßig. Andere können nach einem Sturz den Knopf schlicht nicht mehr drücken, weil sie ohnmächtig oder desorientiert sind. Für Angehörige bedeutet das eine dauerhafte Unsicherheit, auch wenn ein System vorhanden ist.

Schnelle Hilfe ist entscheidend, weil die Folgen eines Sturzes erheblich schlimmer werden, wenn Betroffene lange auf sich allein gestellt sind. Wer nach einem Sturz stundenlang liegen bleibt, verliert Kraft, Vertrauen in die eigene Mobilität und bewegt sich in der Folge weniger. Das erhöht wiederum das Sturzrisiko und setzt einen Kreislauf in Gang, der schwer zu durchbrechen ist.

Neue Systeme setzen genau an diesem Problem an, indem sie nicht auf aktives Auslösen eines Alarms angewiesen sind, sondern Notsituationen selbstständig erkennen.

Das Darmstädter Unternehmen Chrood hat mit dem „Hüter“ ein solches System entwickelt. Das Gerät wird in eine Steckdose gesteckt und übernimmt von dort zwei Aufgaben.

Als Nachtlicht sorgt es für Orientierung im Dunkeln. Als Hausnotruf analysiert es den Klang im Raum mit einer speziell entwickelten Audiotechnologie. Das System erkennt Sturzgeräusche und Hilferufe und löst bei einem erkannten Notfall einen Alarm aus, ohne dass die betroffene Person aktiv werden muss. Ein Gerät deckt eine Fläche von bis zu 25 Quadratmetern ab.

Die Auswertung erfolgt vollständig im Gerät. Audiodaten werden zur Wahrung der Privatsphäre nicht ins Internet übertragen, was zusätzlich die Abhängigkeit von einer stabilen Internetverbindung verringert. Für die Alarmierung nutzt der Hüter das Mobilfunknetz, sodass er auch dann erreichbar bleibt, wenn das heimische WLAN nicht funktioniert. Eine eingebaute Batterie überbrückt Stromausfälle von bis zu 14 Stunden.

Erkennt das System ein auffälliges Geräuschmuster, stellt es zunächst eine Kontrollfrage an die betroffene Person. Antwortet diese verneinend, wird das Ereignis als Fehlalarm eingestuft und das Gerät kehrt in den Normalbetrieb zurück. Bleibt eine Antwort aus oder fällt sie bestätigend aus, öffnet das Gerät eine direkte Sprechverbindung zur Leitstelle von Chrood.

Ein Disponent spricht dann mit der betroffenen Person und bewertet die Situation. Je nach Lage entscheidet er über eine von drei Maßnahmen: Er verständigt Rettungsdienst oder Notarzt bei einem akuten medizinischen Notfall, schickt einen Mitarbeiter des Hintergrunddienstes vor Ort, wenn persönliche Unterstützung benötigt wird, aber kein Notarzt erforderlich ist, oder informiert den Pflegedienst, wenn keine unmittelbar dringende Reaktion notwendig ist. Angehörige werden über jeden Vorfall informiert. Die Entscheidung liegt in jedem Fall beim menschlichen
Disponenten, nicht beim Gerät.

Ein vollständiges System umfasst bis zu acht Geräte und ist damit auch für größere Wohnungen geeignet. Die Installation wird von eigenen Servicemonteuren in der Wohnung durchgeführt. Zum Lieferumfang gehört auch eine ABUS-Schlüsselbox, die in Türnähe angebracht wird und Rettungskräften im Notfall einen Zugang zur Wohnung ermöglicht, ohne dass ein Schlüsseldienst benötigt wird.

Ein Zahlenschloss mit zehntausend möglichen Kombinationen sichert den Schlüssel gegen unbefugten Zugriff. Die Geräte sind in den Farben Hellgrau, Dunkelgrau, Braun und Beige erhältlich und fügen sich somit unauffällig in die Wohnung ein.

Das System wird über ein monatliches Abonnement für 65,50 Euro pro Monat
angeboten; die Mindestlaufzeit beträgt zwölf Monate. Es fallen keine Einmalzahlungen oder zusätzliche Gebühren an. Chrood bietet einen 14-tägigen, unverbindlichen Test in der eigenen Wohnung an.

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