Gesundheit & Medizin

Der Tierarzt kommt nicht erst, wenn die Kuh krank ist

 

Was macht eigentlich ein Tierarzt auf einem modernen Milchviehbetrieb?

Er untersucht kranke Kühe, behandelt Kälber, hilft bei schwierigen Geburten und operiert, wenn es notwendig ist. Natürlich. Aber wer glaubt, damit sei die Arbeit eines modernen Rindertierarztes beschrieben, kennt nur einen Teil dieses Berufes.

Denn die vielleicht wichtigste Frage moderner Nutztiermedizin lautet heute nicht mehr nur:

„Wie können wir dieses Tier heilen?“

Sondern immer häufiger:

„Was müssen wir tun, damit es gar nicht erst krank wird?“

Genau mit diesem Wandel beschäftigt sich die 1. Herriedener AVA-Tierärzte-Fachtagung Rind, zu der die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA), mit Sitz im münsterländischen Steinfurt, am 6. und 7. Oktober 2026 nach Herrieden in Mittelfranken einlädt. Ein praktischer Workshop am 8. Oktober ergänzt die Tagung.

Was dort unter Tierärztinnen und Tierärzten diskutiert wird, betrifft keineswegs nur die Fachwelt. Es betrifft auch Landwirte und Verbraucher – und letztlich jeden, der Milch, Käse, Joghurt oder Fleisch konsumiert.

Gesund erhalten statt erst heilen

Der klassische Tierarzt wurde gerufen, wenn ein Nutztier erkrankte. Er untersuchte, stellte eine Diagnose und behandelte – das klassische Bild tierärztlicher Tätigkeit, das viele Menschen bis heute vor Augen haben. Wird ein Haustier krank, geht man zum Tierarzt in Kleintierpraxis, der dieses Einzeltier entsprechend individuell behandelt.

Individuelle Tierbehandlungen gehören selbstverständlich weiterhin zum Beruf. Ein krankes Tier muss fachgerecht behandelt werden. Moderne Rindermedizin beginnt jedoch möglichst früher.

Der moderne Landwirt erwartet von seinem Tierarzt nicht nur, dass er kranke Tiere heilt. Er erwartet, dass er mit dafür sorgt, dass seine Tiere gesund bleiben. Denn wenn wir erst behandeln müssen, sind wir medizinisch eigentlich schon einen Schritt zu spät.

Damit verändert sich auch die Fragestellung des Tierarztes. Er fragt nicht nur:

„Was hat diese Kuh?“

Sondern ebenso:

„Warum ist sie krank geworden – und was müssen wir verändern, damit die nächste Kuh gar nicht erst erkrankt?“

Das ist der Kern moderner tierärztlicher Bestandsbetreuung.

Wenn beispielsweise in einem Milchviehbetrieb bestimmte Erkrankungen häufiger auftreten, genügt es nicht, immer wieder einzelne Tiere zu behandeln. Dann beginnt die medizinische Ursachenforschung.

Warum treten Euterentzündungen auf? Weshalb erkranken Kälber an Durchfall oder Lungenentzündung? Warum gibt es Stoffwechselprobleme? Wie entwickelt sich die Fruchtbarkeit? Stimmen Fütterung, Wasserversorgung, Hygiene und Stallklima?

Plötzlich beschäftigt sich der Tierarzt mit Dingen, die viele Verbraucher vermutlich nicht spontan seinem Beruf zuordnen würden.

Er beurteilt Fütterung, Haltung, Kälberaufzucht, Fruchtbarkeit, Stoffwechsel und Eutergesundheit, analysiert Gesundheits- und Leistungsdaten und sucht gemeinsam mit dem Landwirt nach Schwachstellen.

Der moderne Rindertierarzt arbeitet damit nicht nur am kranken Tier, sondern für die Gesundheit der gesamten Herde.

Wenn die Kuh selbst Daten liefert

Hinzu kommt moderne Technik.

Eine Kuh kann ihrem Tierarzt nicht sagen: „Heute geht es mir nicht gut.“ Veränderungen müssen erkannt werden – möglichst, bevor eine schwere Erkrankung daraus entsteht.

Dabei kann heute Sensortechnik helfen. Aktivität, Fress- und Wiederkauverhalten, Milchleistung oder Fruchtbarkeitsdaten können Hinweise liefern, wenn sich bei einem Tier etwas verändert.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Computer den Tierarzt ersetzt.

Ein Warnsignal ist noch keine Diagnose. Daten müssen fachlich interpretiert, das Tier gegebenenfalls klinisch untersucht und die Befunde in einen medizinischen Zusammenhang gebracht werden.

Moderne Nutztiermedizin verbindet deshalb klinische Erfahrung, genaue Tierbeobachtung, Daten und Sensortechnik.

Und manchmal kann gerade diese Kombination dazu führen, dass ein gesundheitliches Problem erkannt wird, bevor aus ihm eine behandlungsbedürftige Erkrankung entsteht.

„Gesunde Tiere brauchen keine Antibiotika“

Dieser Satz gehört seit vielen Jahren zu den Leitgedanken der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA).

Dahinter steckt ein wichtiger Grundsatz:

Wer den Einsatz von Antibiotika nachhaltig reduzieren will, darf nicht erst bei der Medikamentenflasche anfangen. Er muss bei der Tiergesundheit beginnen.

Ein Tier, das nicht an einer bakteriellen Infektion erkrankt, benötigt dagegen auch kein Antibiotikum.

Deshalb können gute Kälberaufzucht, Hygiene, optimale Fütterung, gutes Stallklima, geeignete Haltungsbedingungen, Impfkonzepte und frühzeitiges Erkennen gesundheitlicher Veränderungen letztlich auch Maßnahmen zur Antibiotikareduktion sein.

Das ist ein entscheidender Punkt: Antibiotikareduktion bedeutet nicht, einem erkrankten Tier eine medizinisch notwendige Behandlung vorzuenthalten.

Ein krankes Tier hat Anspruch auf eine fachgerechte Therapie. Wenn ein Antibiotikum medizinisch erforderlich ist, muss es eingesetzt werden.

Verantwortungsvolle Tiermedizin bedeutet vielmehr:

so wenig Antibiotika wie möglich – aber so viel wie medizinisch notwendig.

Noch besser ist es, wenn durch Prävention bestimmte Erkrankungen gar nicht erst entstehen.

Das ist gut für das Tier und den Landwirt – und es ist auch im Interesse des Menschen. Denn ein verantwortungsvoller Antibiotikaeinsatz trägt dazu bei, der Entwicklung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken.

Tier- und Humanmedizin (One-Health-Prinzip) tragen hier gemeinsam Verantwortung.

Was hat das mit unseren Lebensmitteln zu tun?

Sehr viel.

Am Ende einer verantwortungsvollen Nutztierhaltung stehen Lebensmittel wie Milch und Fleisch. Tiergesundheit, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit sind deshalb keine voneinander unabhängigen Welten.

Auch Nutztiere können erkranken und müssen dann behandelt werden dürfen. Für Tierarzneimittel gelten klare gesetzliche Vorgaben und in der Regel, insbesondere bei Antibiotika, Wartezeiten, bevor Lebensmittel wieder für den menschlichen Verzehr gewonnen werden dürfen.

Die moderne Bestandsmedizin setzt aber möglichst einen Schritt früher an:

Je gesünder die Tiere sind, desto weniger therapeutische Eingriffe sind erforderlich.

Prävention kann deshalb gleichzeitig Tierwohl verbessern, Arzneimitteleinsatz reduzieren und eine verantwortungsvolle Lebensmittelerzeugung unterstützen.

Oder noch einfacher:

Die beste Voraussetzung für ein gesundes Lebensmittel ist zunächst einmal ein gesundes Tier.

Auch Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit sind dabei keine Gegensätze. Sie bauen vielmehr aufeinander auf.

Eine Kuh mit einer schweren Euterentzündung leidet. Gleichzeitig entstehen dem landwirtschaftlichen Betrieb nicht nur finanzielle Verluste. Ein Kalb mit einer schweren Lungenentzündung leidet ebenfalls und entwickelt sich möglicherweise schlechter, ja kann sogar sterben, wenn es nicht tiermedizinisch versorgt wird.

Gesunde Tiere liegen deshalb im Interesse des Tieres und des Landwirtes.

Das Kalb von heute ist die Milchkuh von morgen

Wie früh moderne Prävention beginnen kann, zeigt die Kälberaufzucht.

Bereits die ersten Stunden und Wochen eines Rinderlebens können für die spätere Entwicklung von großer Bedeutung sein. Geburt, rechtzeitige Versorgung des neugeborenen Kalbes mit hochwertigem Kolostrum, Hygiene, Fütterung, Haltung und Infektionsschutz gehören deshalb zu den Themen tierärztlicher Bestandsbetreuung.

Die AVA bringt diesen Gedanken mit einem einfachen Satz auf den Punkt:

„Das Kalb von heute ist die Milchkuh von morgen.“

Wer später eine gesunde und langlebige Milchkuh haben möchte, sollte deshalb nicht erst über Tiergesundheit nachdenken, wenn das Tier bereits Milch gibt.

Hightech – und trotzdem braucht es die Hände des Tierarztes

Bei aller Prävention darf eines nicht vergessen werden: Der moderne Nutztierarzt muss weiterhin ein sehr guter Kliniker sein.

Wie anspruchsvoll diese klassische Seite des Berufes ist, zeigt der praktische Workshop, der sich am 8. Oktober 2026 an die Herriedener AVA-Fachtagung anschließt.

Unter Leitung von Dr. Günter Rademacher, der auf mehr als 35 Jahre klinische Erfahrung an der Rinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München zurückblickt, beschäftigen sich Tierärzte intensiv mit dem „Situs Rind“ – also mit der Lage und Beurteilung der inneren Organe bei der Eröffnung der Bauchhöhle von links und von rechts.

Was für einen Laien vielleicht ungewöhnlich klingt, kann für den Tierarzt entscheidend sein, wenn er bei einer erkrankten Kuh diagnostische oder chirurgische Entscheidungen treffen muss.

Das zeigt die enorme Spannweite des Berufes:

Am Vormittag werden vielleicht Gesundheitsdaten einer ganzen Herde analysiert. Wenig später steht der Tierarzt neben einer einzelnen schwer erkrankten Kuh und muss aufgrund seiner klinischen Erfahrung entscheiden, was zu tun ist.

Sensortechnik, Daten und Prävention auf der einen Seite – Anatomiekenntnisse, klinischer Blick und handwerkliches Können auf der anderen.

Beides gehört zur modernen Nutztiermedizin.

Was hat eine Tierärztetagung mit meinem Frühstück zu tun?

Vielleicht mehr, als man zunächst denkt.

Milch im Kaffee, Käse auf dem Brot oder Joghurt zum Frühstück entstehen am Ende einer langen Kette von Verantwortung. Dazu gehören Landwirte, die ihre Tiere täglich versorgen. Dazu gehören Fütterung, Haltung, Hygiene und gesetzliche Kontrollen.

Und dazu gehören Tierärztinnen und Tierärzte.

Ihre Aufgabe beginnt heute möglichst nicht erst mit Spritze, Medikament oder Operation. Sie beginnt früher – mit der Frage, wie Tiergesundheit erhalten und Erkrankungen verhindert werden können.

Darüber diskutieren Rindertierärztinnen und Rindertierärzte bei der 1. Herriedener AVA-Tierärzte-Fachtagung Rind vom 6. bis 7. Oktober 2026 und beim anschließenden praktischen Workshop am 8. Oktober.

Kurative Kompetenz bleibt die unverzichtbare Basis des tierärztlichen Berufes. Gleichzeitig gewinnen Prävention, Beratung und strategische Begleitung landwirtschaftlicher Betriebe an Bedeutung.

Das bedeutet nicht weniger Tiermedizin.

Es bedeutet bessere Tiermedizin – und sie beginnt früher.

Vielleicht lässt sich die Entwicklung des Berufes für den Verbraucher deshalb mit zwei Sätzen am besten beschreiben:

Der Tierarzt kommt heute nicht nur, weil eine Kuh krank ist.

Im besten Fall kommt er, damit sie gesund bleibt.

Veranstaltungsinformation

1. Herriedener AVA-Tierärzte-Fachtagung Rind
Praxisnahe Entscheidungshilfen für Beratung & Betreuung von Rinderbetrieben
6 – 7. Oktober 2026, 91567 Herrieden, Mittelfranken/Bayern
8. Oktober 2026: Praktischer Workshop „Situs Rind“

Veranstalter: Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA), info@ava1.de

Informationen und Anmeldung: AVA – Agrar- und Veterinär-Akademie www.ava1.de

Und falls Sie einen Rindertierarzt kennen: Fragen Sie ihn doch einmal, ob er sich schon zur 1. Herriedener AVA-Tierärztetagung im Oktober angemeldet hat.“

Über Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)

[url=https://www.ava1.de/de/ueber-uns/die-ava/]Die AVA[/url] ist eine Fortbildungsgesellschaft mit dem Ziel der Aus- und Weiterbildung und der Verteilung von Informationen für den landwirtschaftlichen und tiermedizinischen Bereich. Gleichzeitig ist die AVA ein Forum für Landwirte und Tierärzte, die die Herausforderungen der Produktion gesun-der Nahrungsmittel in den nächsten Jahrzehnten in den Blick nimmt.

Ziel der [url=https://www.ava1.de/de/seminare/aktuelle-ava-seminarangebote/]Agrar- und Veterinär-Akademie[/url] ist es, die Probleme der modernen, nachhaltigen Landwirtschaft und Tierhaltung zu erörtern. Wir wollen gemeinsam Wege finden, um tiergerecht, praxisbezogen und verbraucherorientiert zu arbeiten. AVA-Fortbildungen helfen Arzneimittel einsparen!

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)
Birkenweg 7
48565 Steinfurt
Telefon: +49 (2551) 78-78
Telefax: +49 (2551) 8343-00
http://www.ava1.de

Ansprechpartner:
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Telefon: +49 (2551) 7878
Fax: +49 (2551) 8343-00
E-Mail: info@ava1.de
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