Zum richtigen Golf-Schwung mit KI
Schon früh interessierte sich der gebürtige Heilbronner für Basteln, Bauen und dafür, Dinge zu erschaffen, daher entschied er sich nach dem Abitur, Interaktionsgestaltung in Schwäbisch Gmünd zu studieren. „Um tiefer in die Theorie einzutauchen, ging ich für meinen Master anschließend an die TUM und studierte Ergonomie und Human Factors Engineering in München“, sagt Jonas. Ergonomie umfasst für den jungen Gründer mehr als die Entwicklung des passenden Bürostuhls: „Ein wichtiger Bestandteil ist Arbeitssicherheit, aber auch die Frage, wie Nutzer ein Produkt benutzen können, ohne dass es ermüdend ist.“
Was Qigong mit Golf gemeinsam hat
Mit Golf hatte Jonas zunächst wenig Berührpunkte: „Bevor ich mit dem Projekt angefangen habe, hatte ich keine Golferfahrung und damit auch kein Handicap“, blickt Jonas zurück. Den Weg zur App ebnete eine völlig andere, tiefenentspannte Disziplin: Qigong. „In einem interdisziplinären Projekt, führten wir eine Bewegungsanalyse und Klassifizierung dieser asiatischen Meditationsform durch.“ Ein verbindendes Element stellte der Algorithmus dar. Gemeinsam mit dem Betreuer seiner Masterarbeit kristallisierte sich der Golfsport als nächster logischer Anwendungsfall heraus.
Das eigene Unternehmen lag damals noch in weiter Ferne: „Ursprünglich war es nicht als Start-up gedacht, es ging mir hauptsächlich um die Theorie und die technische Umsetzung.“ Erst nach positiven Rückmeldungen von Golfspielern zu meiner Masterarbeit, kam der Gedanke, mehr daraus zu entwickeln und „dann begann ich zu golfen und mich in die Trainingstheorien und den biomechanischen Ablauf von Golf einzuarbeiten.“ KI-Skills erlernte Jonas bereits in seinem Studium an der TUM: „Im Studiengang Human Factors Engineering hatte ich viele Freiheiten und habe sehr gute Kurse belegt, in denen ich lernte, was KI-Modelle sind und wie sie mathematisch funktionieren.“
Die Smartwatch als Datenlieferant
Funktionieren kann so ein Modell nur mit den richtigen Trainingsdaten und die sammelt der Mensch heutzutage permanent: „Die Daten stammen von der Smartwatch – jedes Smartphone besitzt inzwischen integrierte Sensoren, die die Bewegungen eines Menschen wahrnehmen oder aufzeichnen können.“ Darum benötigt Deep Golf kein großes Setup oder Kameras, und das Training des Abschlags gelingt auch abseits des Golfplatzes in den eigenen vier Wänden. „Am Anfang gab es Probleme mit den Sensoren und ihrer Funktionsweise. Das konnten wir aber lösen, indem wir einen KI-Algorithmus eingesetzt haben. Dieser bereinigt die Daten und findet in ihnen Informationen, die zeigen, wie man besser trainiert oder seine Bewegungen verbessert“, erklärt Jonas.
Nach der Rückkehr in die Heimat entdeckte Jonas Heilbronn neu und mit ihr das Netzwerk am Bildungscampus: „Erst nach zwei Gesprächen mit den TUM Venture Labs habe ich gemerkt, welches Potenzial das Heilbronner Ökosystem bietet und dass es Programme gibt, die einen unterstützen.“ Mit den Start-up Inkubatoren arbeitete er an den Soft Skills, Unterstützung in der Entwicklung bekam er von Amr Alanwar, Professor für Cyber-Physikalische Systeme am TUM Campus Heilbronn. „Ich durfte sein Sensorsystem benutzen, um einen Datensatz aufzubauen, mit dem wir unser KI-Modell trainiert haben.“
Planungssicherheit durch Exist
Eine Zusammenarbeit, die sich jetzt um so mehr auszahlt und das ist wörtlich zu verstehen: Mit dem Förderprogramm „Exist“ werden Studierende oder Hochschulabsolventen unterstützt, die eine Unternehmensgründung aus der Wissenschaft oder Wirtschaft heraus anstreben. Mit diesem Stipendium erhält Jonas 2.500 € pro Monat und zusätzlich noch 30.000 € für Sachausgaben des Start-ups. Voraussetzung ist ein Mentor. „Da wir bereits zusammengearbeitet hatten und ich seine Sensoren bereits nutzen durfte, bot es sich an, Professor Alanwar zu fragen und er hat zugesagt.“
Das bringt dem jungen Gründer für ein Jahr Planungssicherheit, denn es stehen große Aufgaben an: „Ich musste lernen, wie ich mein Produkt so vorstelle, dass es für jeden verständlich ist. Bei Pitch-Events wie Slush’D habe ich nur zwei Minuten Zeit, in denen ich meine komplette Idee und das Business-Modell vorstellen muss.“ Eine lohnende Herausforderung, denn „die Kernaussage ist für den oder die Investoren entscheidend“. Schnell musste Jonas feststellen, dass er das Ganze nicht mehr allein stemmen konnte: „Da kommt mein Co-Founder Marc Mehrer ins Spiel, der eher die Business-Seite und das Marketing übernimmt, während ich meiner Passion folge und Produkte samt technischer Umsetzung entwickle.“
Eine Frage der Finanzierung
2026 ist ein entscheidendes Jahr für Deep Golf: „Zunächst wollen wir feststellen, ob sich das Produkt verkaufen lässt, ob die Nutzer Geld dafür bezahlen.“ Denn zukünftig will Jonas wirtschaftlich arbeiten und ein gesundes Start-up führen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die laufenden Kosten finanziert werden können: „Benötigen wir Investoren oder können wir das mit Bootstrapping, also aus eigenen Mitteln, finanzieren?“ Nach dem gelungenen Abschlag zeigt sich also, ob Jonas mit Deep Golf die Platzreife erreichen wird und „aus dem Studentenspaßprojekt ein nachhaltiges Unternehmen entstehen kann“.
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