Gesundheit & Medizin

„Netzwerk der Möglichkeiten“ – Digitale Teilhabe stärkt Selbstwirksamkeit in der Suchthilfe

Digitale Teilhabe ist ein Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration und Selbstbestimmung, besonders für Menschen mit Suchterkrankungen. Das Blaue Kreuz Deutschland (BKD) setzt mit dem Pilotprojekt „Netzwerk der Möglichkeiten – Digitale Welten schaffen“ in Nordrhein-Westfalen ein Zeichen für mehr Chancengerechtigkeit. Ziel ist es, Klient:innen und Mitarbeitende gleichermaßen im kompetenten Umgang mit digitalen Technologien zu stärken und so die Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu fördern.

Digitale Kompetenzen als Brücke in ein selbstbestimmtes Leben

In der Suchthilfe stehen Betroffene oft vor mehrfachen Herausforderungen, eine davon ist es sich in einer zunehmend digitalisierten Welt zurechtzufinden. Ob bei der Nutzung digitaler Behördengänge, der Suche nach Unterstützungsangeboten oder der Teilhabe am sozialen Leben, wer hier abgehängt wird, hat es schwerer Fuß zu fassen. Das Projekt „Netzwerk der Möglichkeiten“ setzt genau hier an: Es vermittelt grundlegende digitale Kompetenzen, fördert den sicheren Umgang mit KI und digitalen Werkzeugen und schafft niedrigschwellige Zugänge zu Technologien, die den Alltag erleichtern.

„Digitale Teilhabe ist heute ein entscheidender Faktor für Selbstständigkeit und gesellschaftliche Integration. Gerade in der Suchthilfe zeigt sich, so die Projektleitung Alisa Melamed, dass Klient:innen sehr unterschiedliche Vorerfahrungen im Umgang mit digitalen Medien mitbringen. Deshalb wollen wir gemeinsam mit unseren Klient:innen passgenaue, niederschwellige Schulungsangebote entwickeln, die sich am individuellen Bedarf orientieren, Kompetenzen stärken und neue Wege der Unterstützung eröffnen.“

Pilotstandorte in NRW: Praxisnahe Erprobung mit Modellcharakter

An fünf Standorten in Nordrhein-Westfalen – Wuppertal, Solingen, Hagen, Märkischer Kreis und Kreis Lippe – wird das Projekt aktuell umgesetzt. Die Maßnahmen umfassen:

  • Workshops und Schulungen für Klient:innen und Mitarbeitende, die von Grundlagenwissen bis hin zur Nutzung von KI-Assistenzsystemen reichen. 
  • Technische Infrastruktur: Sichere WLAN-Zugänge und mobile Technikpools ermöglichen flexibles Lernen – auch mit gebrauchten Geräten, um Ressourcen nachhaltig zu nutzen.
  • Digitale Führerscheine: Ein zertifiziertes Angebot, das Grundlagenwissen vermittelt und die selbstbestimmte Nutzung digitaler Anwendungen bescheinigt.
  • Begegnungsformate, in denen Klient:innen ihre Wünsche, Ängste und Ideen einbringen können.

Co-Creation: Klient:innen gestalten das Projekt mit

Wie gelingt digitale Teilhabe in der Praxis? Diese Frage stand im Mittelpunkt der kürzlich stattgefundenen Infoveranstaltung. Klient:innen aus verschiedenen Einrichtungen nutzten die Gelegenheit, sich über das Projekt zu informieren und eigene Ideen einzubringen. In lockerer Atmosphäre wurden nicht nur die Projektziele vorgestellt, sondern auch konkrete Wünsche gesammelt:

„Ein wichtiger Aspekt dieser Veranstaltung und zukünftiger Schulungen ist der Austausch, auch untereinander,“ sagt der Sozialarbeiter Thorsten Budde. „Denn in dem Moment, wo die Klienten und Klientinnen anfangen, sich darüber auszutauschen, lernen sie, ihr eigenes Onlineverhalten zu erforschen. Das führt zu Wissensanreicherung und schützt sie auch.“

Die Impulse der Veranstaltung fließen direkt in die Gestaltung der Schulungsangebote ein.

Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit: Ein Projekt mit Vorbildfunktion

Das „Netzwerk der Möglichkeiten“ ist als Pilotprojekt konzipiert, doch die Vision geht weiter: Bei erfolgreicher Umsetzung sollen die entwickelten Konzepte, Schulungsmaterialien und Erfahrungsberichte auch anderen Trägern der Suchthilfe und sozialen Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Alle Inhalte – von Best-Practice-Beispielen bis hin zu Erklärvideos – werden auf der Webseite des BKD zugänglich gemacht.

„Unser Ziel ist es, digitale Teilhabe langfristig in der Suchthilfe zu verankern“, sagt die Projektleitung. „Die gemeinsam mit den Klient:innen entwickelten Angebote sollen nachhaltig wirken und perspektivisch auch in anderen Einrichtungen einsetzbar sein.“

Mehr erfahren: www.blaues-kreuz.de/…

Über Blaues Kreuz Deutschland

Das Blaue Kreuz Deutschland unterstützt suchtgefährdete und suchtkranke Menschen sowie Angehörige. Mit seinen 132 fachlichen Angeboten bietet das Blaue Kreuz Begleitung und Hilfe, damit Menschen ihr Ziel erreichen: befreit leben lernen. An 360 Standorten mit 970 Gruppen- und Vereinsangeboten engagieren sich ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende für abhängige Menschen und Angehörige. Mit blu:prevent, der innovativen und erfolgreichen Suchtpräventionsarbeit, setzt sich das Blaue Kreuz dafür ein, die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen so zu stärken, dass ein Leben ohne Abhängigkeit gelingen kann.

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Julia Althoff
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