„Demenz und queer“: erste bundesweite Broschüre mit Hörversion veröffentlicht
Ausgangspunkt war ein Projekt in Schleswig-Holstein: Bereits 2024 erschien eine erste, regional ausgerichtete Ausgabe. Die starke Nachfrage aus Praxis, Beratung und Pflege machte deutlich, dass bundesweit ein erheblicher Bedarf an Orientierung und Sensibilisierung besteht. Die nun vorliegende, erweiterte Ausgabe greift diese Rückmeldungen auf und entwickelt die Inhalte konsequent weiter.
Menschen mit Demenz verlieren nach und nach Teile ihrer Erinnerung. Darunter auch zentrale Aspekte ihrer Identität und Lebensgeschichte. Für queere Menschen kann dies besondere Herausforderungen mit sich bringen: frühere Diskriminierungserfahrungen, Unsicherheiten im Umgang mit Offenheit oder das Wiederauftauchen vergangener Lebensrealitäten können zu belastenden Situationen führen. Die Broschüre macht diese Perspektiven sichtbar und bietet konkrete Unterstützung im Umgang damit.
Ziel ist es, An- und Zugehörige, Fachkräfte, Beratungsstellen und Einrichtungen für die Vielfalt von Lebensgeschichten im Kontext Demenz zu sensibilisieren. Gleichzeitig werden praxisnahe Impulse gegeben, um Diskriminierung vorzubeugen, Unsicherheiten abzubauen und Zugänge zu Pflege und Beratung zu erleichtern.
Die überarbeitete Ausgabe enthält unter anderem ein zusätzliches Kapitel zum sensiblen Umgang mit Begrifflichkeiten („Miteinander sprechen“) sowie eine vollständig eingesprochene Hörversion der Podcasterin Christine Schön („Demenz Podcast“). Damit wird ein weiterer Beitrag zur Barrierearmut geleistet.
Swen Staack, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz, betont: „Queere Menschen mit Demenz dürfen nicht erneut in Unsichtbarkeit geraten. Sie haben das gleiche Recht auf Würde, Verständnis und eine Versorgung, die ihre Lebensgeschichte respektiert – genau dafür setzen wir mit dieser Broschüre ein klares Zeichen.“
Anneke Wilken-Bober vom Kompetenzzentrum Demenz Schleswig-Holstein, die das Projekt initiiert hat, sagt: „Menschen mit Demenz sind nicht nur hetero und weiß. Vielfalt lebt vom Mitmachen und es braucht viele Menschen, die sich positionieren. Jahrzehnte lang haben beispielsweise Lesben, Schwule und auch Transpersonen um Sichtbarkeit gekämpft. Sie brauchen sogenannte „Allies“, Verbündete: Menschen, die sich in unserer immer noch stark heteronorm geprägten Gesellschaft für sie einsetzen, im Kleinen und im Großen.“ Wilken-Bober ist gemeinsam mit Kollegin Adelina Berisha Mitglied des Runden Tisches Vielfalt in Schleswig-Holstein. Dieser vernetzt Haupt- und Ehrenamtliche aus dem gesamten Land und organisiert Veranstaltungen, wie z. B. die CSDs. Der Runde Tisch wird von Daniel Lembke-Peters (Geschäftsstelle Echte Vielfalt Schleswig-Holstein) geleitet.
Die Broschüre verbindet fachliche Grundlagen mit kompakten, praxisnahen Empfehlungen und schließt damit eine bislang bestehende Lücke in der bundesweiten Demenzarbeit. Ergänzend steht ein begleitendes Plakat zur Verfügung.
Die Veröffentlichung wurde durch eine Förderung der Deutschen Postcode Lotterie ermöglicht.
Die Broschüre im Überblick:
Deutsche Alzheimer Gesellschaft (Hrsg.): „Demenz und queer – Vielfalt denken, sehen, ermöglichen!“
erste bundesweite Auflage 2026, 40 Seiten
Kostenfrei erhältlich als Print, PDF und Hörversion
Weitere Informationen und Download: https://www.deutsche-alzheimer.de/…
Das Kompetenzzentrum Demenz ist ein Projekt der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. / Selbsthilfe Demenz. Es berät, betreibt Öffentlichkeits- sowie Netzwerkarbeit und bietet Fortbildungen an. Seit 2011 und bis 2027 fördern das Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein und der Spitzenverband der Pflegekassen das Kompetenzzentrum. In Schleswig-Holstein leben über 70.000 Menschen mit Demenz.
Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein
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