Kunst & Kultur

Neue Steinzeit-Töpfe für die Pfahlbauten

Seit über 30 Jahren fertigt Bettina Kocak aus Frankfurt vorgeschichtliche Keramik von der Stein- bis zur Eisenzeit mit ihrem Spezialgebiet keltische Keramik – einer Zeit vor der Erfindung der Töpferscheibe. Sie arbeitete für Museen in Nürnberg, Frankfurt, Marburg und auch viele kleinere Museen im Saarland, in Hessen oder auch das renommierte Keltenmuseum in Hochdorf bei Stuttgart in Baden-Württemberg. Ihre handgemachten Gefäße zieren auch seit mehr als 10 Jahren einige der vollständig eingerichteten Häuser im Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee und veranschaulichen dort die Stein- und Bronzezeit vor 6000 und 3000 Jahren.

Die Pfahlbauten – das älteste Freilichtmuseum Deutschlands – arbeitet zur Veranschaulichung vorgeschichtlicher Lebensweisen mit mehr als 2000 Repliken. Die Originale aus dem See und dem Weltkulturerbe sind zu zerbrechlich als dass sie in den nachgebildeten Pfahlhäusern ausgestellt werden könnten. Sie erfordern eine besondere Schutzatmosphäre, die nur in klimatisierten und speziell dafür eingerichteten Vitrinen im Neuen Museum präsentiert werden können – so Museumsdirektor Prof. Dr. Gunter Schöbel.

Frühe Kleidung aus Baumbasten, Fischernetze aus Lein- oder Brennesselfasern, aber auch die Gegenstände aus goldglänzender Bronze sind nicht im heutigen Handel zu erwerben, sondern müssen nach alter Technik Stück für Stück nach den historischen Vorbildern gefertigt werden. Dazu unterhält das Bodenseemuseum ein großes internationales Netzwerk an Spezialistinnen und Spezialisten. Leinenstoffe kommen aus Lettland, Bronzen aus Österreich oder Indien, Glasperlen aus Italien, Feuersteine aus Norwegen, Felle und Leder aus dem Schwarzwald.

Die gerade am Bodensee angekommenen Gegenstände aus Ton werden in den Schaubestand des Töpferhauses und des Hirtenhauses im Dorf der Bronzezeit integriert und zeigen dort ab nächster Woche nicht nur das hochstehende Handwerk mit fein polierter Rot-Schwarzkeramik, sondern auch die damals verwendeten Trinkfläschchen für Kinder oder Lochsiebe zur Käseherstellung. In den pädagogischen Programmen des Freilichtmuseums dürfen diese dann auch befühlt und genutzt werden. Besonders bei Menschen mit Behinderung können durch Repliken, die auch angefasst werden dürfen, besondere Zugänge zu frühen Alltagsgegenständen geschaffen werden, die mit den Originalen in den Vitrinen nicht möglich wären – so die Museumspädagogen.

Mehr Informationen zu Frau Kocak: www.goldgrubenkeramik.de

Mehr Informationen zum Pfahlbaumuseum Unteruhldingen: www.pfahlbauten.de

Prof. Dr. Gunter Schöbel
Pfahlbaumuseum Unteruhldingen
24.6.2026

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