Jobs in Berlin: Echt inklusiv?!
Das System steht im Weg – nicht der fehlende Wille
Andreas Sperlich ist Geschäftsführer der USE gGmbH, einer Tochtergesellschaft im Unionhilfswerk. Er machte in seiner Keynote gleich zu Beginn deutlich, dass die Herausforderungen für eine wirklich inklusive Arbeitswelt gewaltig sind. Er appellierte daran, nicht in gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Politik, Arbeitgebern und Menschen mit Behinderungen zu verharren, da alle unter den gleichen Rahmenbedingungen agieren müssen. Dabei hat Berlin Vorbildcharakter, was die Vielfalt an Angeboten zur Teilhabe am Arbeitsleben angeht. So begleitet die USE mehr als 1500 Klient*innen in mehr als 35 Werkstattbereichen.
Werkstätten: Gelebte Inklusion statt „Wohlfühloase“
Ein wichtiges Anliegen war es Andreas Sperlich, mit Vorurteilen gegenüber Werkstätten für Menschen mit Behinderungen aufzuräumen. Er wies die häufig geäußerte Kritik entschieden zurück, Werkstätten seien bloße „Wohlfühloasen“, aus denen sich die Menschen nicht herausbewegen wollen. Er verdeutlichte dies an klaren Fakten. Diese können Sie dem Volltext der Keynote entnehmen.
Forderungen aus Wirtschaft und Menschenrecht
Im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Alexander Dieck, wurden von Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, die bürokratischen Hürden aufgegriffen, die Unternehmen zu überwinden haben, wenn sie inklusive Arbeitsplätze schaffen wollen. Sie forderte, die vielen zu durchlaufenden Verwaltungsschritte drastisch zusammenzufassen. Anstatt alle Verfahrensebenen mühsam nacheinander absolvieren zu müssen, sollten alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden. Zudem sei es dringend notwendig, den Fördermitteldschungel für Unternehmer endlich transparenter zu gestalten.
Dr. Leander Palleit, seit 2020 Leiter der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention beim Deutschen Institut für Menschenrechte, brachte eine weitere zentrale Perspektive ein. Er erklärte, dass er seit nunmehr 17 Jahren, in denen er sich mit dem Thema beschäftigt, immer wieder das gleiche Argument höre: Das Einführen umfassender Inklusionskonzepte für die Wirtschaft brauche Zeit und gehe nicht von heute auf morgen. Seine klare Forderung an die Politik: Der Staat solle die Spielräume, die ihm im Bereich der Inklusion schon jetzt offenstehen, besser und aktiver nutzen und beispielsweise Inklusionsbetriebe gezielt hochfahren.
Gemeinsam ins Gespräch kommen
Die Veranstaltung bot auch sehr praxisnahe und mutmachende Einblicke: Ein Filmeinspieler stellte einen ehemaligen Beschäftigten der USE gGmbH vor, der durch die Unterstützung erfolgreich den Übergang in einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gemeistert hat.
Im Anschluss an das Podium waren alle Gäste zu einer Führung durch die inklusive Manufaktur geladen. Bei Getränken und Snacks im sommerlichen Innenhof fand der informative Abend in einem lockeren Get-together einen wunderbaren und stimmungsvollen Abschluss.
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