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Computerspielesammlung ohne Anschlussförderung: Berlin weist für 2026 und 2027 null Euro aus, der Bund hält das vorgelegte Konzept für ungeeignet

Das bundesweit angelegte Archivvorhaben für digitale Spiele steht ohne Anschlussfinanzierung da. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin hat am 4. Juni 2026 einen Bericht an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses übermittelt, der den Stand der Internationalen Computerspielesammlung und des Computerspielemuseums darlegt. Anlass war ein Beschluss des Hauptausschusses vom 29. April 2026. Für Sammlerinnen und Sammler klassischer Automaten ist das mehr als eine Haushaltsfrage, denn mit den Archiven verschwindet auch das Wissen darüber, wie alte Titel überhaupt liefen. Eine Darstellung zeigt, wie sich klassische Automatenspiele nachbilden lassen.

Die Sammlung wurde von mehreren Einrichtungen gemeinsam aufgebaut. Nach Angaben der Stiftung Digitale Spielekultur gehören das Computerspielemuseum, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle und das Computerspielforschungszentrum der Universität Potsdam zu den Trägern. Die erste Projektphase endete demnach im April 2019 mit einer Online-Datenbank von rund 40.000 Datensätzen.

Der Berliner Haushalt führt für die Sammlung keine Mittel mehr

Die Zahlen aus dem Bericht sind eindeutig. Im Kapitel der Senatskanzlei war für die Internationale Computerspielesammlung im Haushaltsjahr 2025 ein Ansatz von 550.000 Euro ausgewiesen; abgeflossen sind davon 250.250,00 Euro. Für die Haushaltsjahre 2026 und 2027 steht dort kein Betrag mehr.

Die Berliner Angaben aus dem Bericht vom 4. Juni 2026 im Überblick:

  • Ansatz für die Sammlung im Haushaltsjahr 2025: 550.000 Euro
  • Tatsächlicher Mittelabfluss 2025: 250.250,00 Euro
  • Ansatz für 2026 und für 2027: jeweils null Euro
  • Ist-Stand am 6. März 2026: 0,00 Euro
  • Frist für den Gesamtverwendungsnachweis: 31. Oktober 2026

Die zweite Projektphase wurde maßgeblich von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert und ist abgeschlossen. Der Zwischenbericht war laut dem Bericht bis zum 30. April 2026 beim Bundesverwaltungsamt einzureichen. Der letzte Austausch zwischen Senatskanzlei, Kulturbeauftragter und Bundesverwaltungsamt fand Ende November 2025 statt und betraf eine kostenneutrale Verlängerung.

Warum eine dauerhafte Bundesförderung nicht zustande kam

Ein zweiter Anlauf lief über die Forschungsförderung des Bundes. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat dem Bericht zufolge ein Konzept geprüft, das der game – Verband der deutschen Games-Branche für eine institutionelle Förderung vorgelegt hatte. Das Ministerium hielt es mit Blick auf Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und den beschriebenen Aufgabenumfang für ungeeignet und gab es an den Verband zurück.

Der Senat verweist im Bericht zudem darauf, dass er zusätzlichen institutionellen Förderungen grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Eine Zuständigkeit der Wirtschaftsverwaltung sieht er nicht: Die Sammlung soll das digital-interaktive Kulturerbe für Wissenschaft, Forschung, Bildung und Fachmedien zugänglich machen. Wer klassische Titel selbst bewahren will, landet damit schnell bei der eigenen Hardware und bei der Frage, wie ein leeres Automatengehäuse bespielt wird.

Was aus dem Museum in der Karl-Marx-Allee wird

Für das Computerspielemuseum sieht die Lage anders aus als für das Archiv. Seit dem Doppelhaushalt 2022/2023 flossen laut dem Bericht jährlich 40.000 Euro Projektmittel an das private Haus, in den Haushaltsjahren 2024 und 2025 wurden sie auf 100.000 Euro jährlich aufgestockt. Für den Doppelhaushalt 2026/2027 sind wegen notwendiger Einsparungen 97.000 Euro pro Jahr vorgesehen, eine Fortführung in den Jahren 2028 und 2029 ist beabsichtigt.

„Ein Museum kann man mit 97.000 Euro im Jahr am Leben halten. Ein Archiv nicht: Dort kostet nicht die Ausstellung Geld, sondern das Lesbarhalten von Datenträgern, die niemand mehr herstellt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Am Bestandsstandort in der Karl-Marx-Allee ist nach Angaben der Senatsverwaltung die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag für Modernisierung und Sanierung der angemieteten Räume zuständig. Eine Erneuerung der Ausstellung könnte über Drittmittel finanziert werden. Pläne für einen Umzug in das geplante House of Games verfolgt das Museum dem Bericht zufolge derzeit nicht.

Welche Rolle die Emulation für alte Automatentitel übernimmt

Die Bewahrung verlagert sich in die Hände von Privatleuten und Vereinen. Emulation, also das Nachbilden alter Rechnerarchitekturen auf heutiger Hardware, ist dabei die gängige Methode: Ein Einplatinenrechner in einem nachgebauten Gehäuse ersetzt die Originalplatine, deren Bauteile nach Jahrzehnten ausfallen. Was dabei fehlt, sind gesicherte Nachweise über Fassungen, Regionalversionen und Ladezeiten – genau das, was ein Archiv dokumentiert.

Der nächste überprüfbare Schritt liegt beim Bundesverwaltungsamt: Bis zum 31. Oktober 2026 ist der Gesamtverwendungsnachweis für die abgeschlossene Projektphase vorzulegen. Ob danach ein neuer Träger auftritt, ist im September 2026 offen. Für den Bestand an Automaten in Wohnzimmern und Vereinsräumen ändert das kurzfristig nichts – langfristig entscheidet es darüber, woran sich ein Nachbau in zwanzig Jahren noch messen lässt.

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