„Wir können selbst etwas verändern“: Junge Menschen entwickeln Ideen für Regenwald, Artenvielfalt und Klima
Die 3. Regenwald-Konferenz fand parallel zum Extremwetterkongress in Hamburg statt. Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dort über Extremwetter und die Klimakrise diskutierten, richtete sich „Dein Tag für den Planeten“ an die nächste Generation und brachte junge Menschen direkt mit aktueller Forschung und konkreten Möglichkeiten zum Handeln zusammen.
Einen Vormittag lang ging es um die faszinierenden Zusammenhänge in tropischen Regenwäldern – und um die Frage, warum ihr Schutz für Artenvielfalt und Klima so wichtig ist. Am Nachmittag wurden die Jugendlichen selbst zu Ideengeberinnen und Ideengebern: In Workshops entwickelten sie konkrete Vorschläge, was sie selbst zu deren Schutz beitragen können.
„Der Amazonas-Regenwald gibt über seine Blätter große Mengen Wasser an die Luft ab. Zusammen mit winzigen Partikeln in der Atmosphäre trägt dieses Wasser zur Bildung von Wolken und Regen bei. Regenwald, Wolken und Klima sind deshalb eng miteinander verbunden“, erklärte Prof. Mira Pöhlker, Wolkenforscherin am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) und an der Universität Leipzig. Die Wissenschaftlerin zeigte den Jugendlichen, wie die sogenannten „fliegenden Flüsse“ entstehen – und welche Folgen es haben kann, wenn der Regenwald durch Brände und Abholzung geschädigt wird. „Wird der Wald durch Brände zerstört, verändert sich auch dieser Kreislauf: Es kann weniger regnen, wodurch weitere Bäume unter Trockenheit leiden. Meine Forschung zeigt, wie wichtig es ist, diese Zusammenhänge zu verstehen – denn was im Amazonas passiert, kann Auswirkungen weit über den Regenwald hinaus haben.“
Überraschende Allianzen im Regenwald
Dass im Regenwald selbst vermeintliche Pflanzenschädlinge eine wichtige Rolle spielen können, erfuhren die Teilnehmenden von Dr. Florian Etl, Regenwaldforscher und Bestäubungsökologe. Anhand seiner Forschung im Tieflandregenwald Costa Ricas zeigte er, wie komplex die Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren sind.
„Der Tieflandregenwald Costa Ricas ist ein hochdiverses Ökosystem voller Überraschungen. Bei meiner Forschung an den dortigen Bestäubungssystemen konnte ich entdecken, dass die Evolution oft unerwartete Wege geht: So können sich eigentliche Pflanzenschädlinge, wie Wanzen, in unverzichtbare Bestäuber verwandeln“, berichtete Etl.
Für den Forscher liegt gerade in den noch unbekannten Zusammenhängen ein wichtiger Grund für den Schutz der Regenwälder: „Solche völlig neuen Entdeckungen verdanken wir oft ausdauernden Beobachtungen vor Ort, aber auch dem Zufall. Für mich zeigt das eindrucksvoll, warum diese Wälder geschützt werden müssen. So vieles in diesem komplexen Lebensraum ist noch unentdeckt – und genau hier, in diesen verborgenen Symbiosen, liegen die Antworten auf die großen Fragen der Evolution.“
Auch die einzigartige Artenvielfalt Madagaskars stand im Mittelpunkt. Dr. Julian Glos, Tropenbiologe an der Universität Hamburg, nahm die Jugendlichen mit in die Welt der Frösche und Chamäleons. „Regenwälder sind riesige, lebendige Schatztruhen voller Pflanzen und Tiere – und im Regenwald von Madagaskar spielen die vielen verschiedenen Froscharten eine besonders wichtige Rolle, weil sie innerhalb des Regenwaldes eigentlich überall in großer Zahl vorkommen und weil sie anzeigen, ob es dem Wald gut geht", sagte Glos. „Die Isolation Madagaskars über viele Millionen Jahre hat dazu geführt, dass diese Froscharten einzigartig sind; sie kommen nur auf dieser Insel vor." Die Regenwälder Madagaskars und damit auch die Froschdiversität seien durch Brandrodung jedoch stark bedroht. „Trotz dieser Bedrohungen gibt es auch Anlass zur Hoffnung. So zeigen Forschungsergebnisse, dass die Frösche Madagaskars offenbar robuster gegenüber Störungen sind als erwartet.“
Von der Forschung zum eigenen Handeln
Nach den wissenschaftlichen Impulsen wurde es praktisch. In zehn Workshops mit Umweltorganisationen und -initiativen wie dem Jane Goodall Institut Deutschland und Rettet den Regenwald e.V. beschäftigten sich die Jugendlichen unter anderem mit den Folgen von Fast Fashion und Papierverbrauch, mit nachhaltiger Stadtplanung, Artenvielfalt und Klimaschutz. Sie entwickelten konkrete Ideen für Aktivitäten an ihren Schulen und in ihrem persönlichen Umfeld und überlegten, wie sie eigene Aktionen auf die Beine stellen können.
An zwölf Mitmachstationen konnten die jungen Menschen die Themen der Konferenz selbst entdecken und ausprobieren.
„Wir wollten den Kindern und Jugendlichen heute nicht nur Wissen über den Regenwald vermitteln. Sie sollten erleben, dass ihre Fragen und Ideen zählen und dass sie selbst etwas anstoßen können“, sagt Kathrin Grau, Gründerin und Geschäftsführerin von Abenteuer Regenwald e.V. „Besonders beeindruckend war, mit wie viel Neugier und Kreativität die jungen Menschen an die Themen herangegangen sind. Sie haben gezeigt, dass Klimaschutz und der Erhalt der Regenwälder und ihrer Artenvielfalt für sie keine abstrakten Zukunftsthemen sind, sondern Bereiche, in denen sie selbst handeln wollen.“
„Unser Planet. Unsere Zukunft”: Abschlussdokument mit Handlungsideen
Zum Abschluss stellten die Teilnehmenden in Hamburg auf der Bühne und über Liveschaltungen von den bundesweiten Satellitenorten ihre Ideen vor. Die Ideen waren vielfältig: Sie reichten vom Kauf einer Metall-Trinkflasche, um künftig auf Plastikflaschen zu verzichten, über das Ausformulieren von Argumenten, mit denen die Schulleitung überzeugt werden soll, auf Recyclingpapier umzustellen, bis hin zu Spendenaktionen an Schulen, bei denen selbstgebackene Kuchen aus Palmöl- und Gentechnik-freien Zutaten verkauft und die Erlöse gespendet werden. Diese und viele weitere Ergebnisse der Workshops in Hamburg, Bremerhaven, München, Nürnberg, Görlitz und Rostock werden von Abenteuer Regenwald in einem Abschlussdokument mit dem Titel „Unser Planet. Unsere Zukunft“ zusammengefasst, das in Kürze auf der Website www-abenteuer-regenwald.de abrufbar ist.
Die Regenwald-Konferenz „Dein Tag für den Planeten“ wurde vom gemeinnützigen Hamburger Verein Abenteuer Regenwald e.V. veranstaltet und vom Perlenfonds der Joachim Herz Stiftung sowie der NUE aus Erträgen der Lotterie BINGO! Die Umweltlotterie gefördert.
Abenteuer Regenwald e.V. macht Kinder und Jugendliche zu informierten Mitgestalterinnen und Mitgestaltern einer nachhaltigen Zukunft – durch altersgerechte Umweltbildung, Unterrichtsmaterialien und Projekttage an Schulen vermittelt der Verein Wissen über Regenwälder, Klima und Artenvielfalt und befähigt junge Menschen, eigene Entscheidungen zu treffen und sich aktiv in gesellschaftliche Zukunftsfragen einzubringen. 2024 initiierte der Verein die erste bundesweite Regenwaldkonferenz für Kinder und Jugendliche – ein Meilenstein in der Umweltbildung junger Menschen.
Abenteuer Regenwald e.V.
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