Ganzjahresreifen legen im zweiten Quartal 2026 um 15 Prozent zu, während Winterreifen im ersten Halbjahr 5 Prozent verlieren
Wann ein Reifen im Sinne der Zulassungsvorschriften als winterfest gilt
Die deutsche Regel hängt an der Wetterlage und nicht am Kalender. Nach § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung darf der Führer eines Kraftfahrzeuges dieses bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wenn alle Räder mit geeigneten Reifen ausgerüstet sind. Für Busse und schwere Nutzfahrzeuge der Klassen M2, M3, N2 und N3 genügen nach Satz 3 die Räder der permanent angetriebenen Achsen und der vorderen Lenkachsen. Geeignet sind nur Reifen, die neben den allgemeinen Anforderungen an die Bereifung auch die Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung erfüllen. Die Pflicht aus Satz 1 gilt auch im Oktober 2026, sobald eine der fünf Witterungslagen eintritt; auf den Kalendertag kommt es nicht an.
Die Vorschrift nimmt sechs Fahrzeuggruppen aus. Dazu zählen Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft, einspurige Kraftfahrzeuge, Stapler und motorisierte Krankenfahrstühle. Hinzu kommen Einsatzfahrzeuge der in § 35 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung genannten Organisationen, soweit für sie bauartbedingt keine Reifen nach § 36 Absatz 4 verfügbar sind. Für Spezialfahrzeuge gilt die Ausnahme nur, wenn bauartbedingt überhaupt keine Reifen der Kategorien C1, C2 oder C3 verfügbar sind.
Was als Reifen für winterliche Wetterverhältnisse zählt, beschreibt § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung für Luftreifen im Sinne des Absatzes 2. Verlangt werden zwei Merkmale zugleich: Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Bauart müssen vor allem die Fahreigenschaften bei Schnee gegenüber normalen Reifen verbessern, und der Reifen muss das Alpine-Symbol tragen. Dieses Bergpiktogramm mit Schneeflocke stammt aus der Regelung Nummer 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa.
Wie sich die Segmente im ersten Halbjahr 2026 verschoben haben
Laut dem Herstellerverband Tyres Europe erholt sich der europäische Ersatzmarkt auf breiter Front, mit einer klaren Verschiebung im Inneren.
Drei Segmentwerte und drei Randwerte beschreiben das erste Halbjahr 2026:
- Reifen für Pkw, Geländewagen und leichte Nutzfahrzeuge legten im zweiten Quartal um 3 Prozent zu.
- Über das erste Halbjahr blieb davon ein Plus von 2 Prozent.
- Ganzjahresreifen wuchsen im Quartal um 15 Prozent und im Halbjahr um 9 Prozent.
- Sommerreifen verloren im Quartal 2 Prozent und geben weiter Anteile ab.
- Reifen für Lastwagen und Busse legten im Quartal um 13 Prozent zu, im Halbjahr um 7 Prozent.
- Reifen für Landmaschinen gaben im Quartal um 7 Prozent nach, langsamer als im ersten Quartal.
Nach Angaben des Generalsekretärs Adam McCarthy hat sich die europäische Nachfrage im zweiten Quartal 2026 gefestigt, besonders bei Reifen für Lastwagen und Busse. Die Fahrleistung ging im selben Quartal zurück, was der Verband mit deutlich höheren Kraftstoffpreisen und einer schwächeren Verbraucherstimmung begründet.
Warum der Wechseltermin nicht am Kalender hängt
Eine Faustformel ersetzt in Deutschland keine Vorschrift. Die verbreitete Merkregel von Oktober bis Ostern beschreibt einen Erfahrungswert für die Werkstattplanung, während der Verordnungstext an die tatsächliche Witterung anknüpft. Der Unterschied fällt in schneearmen Jahren nicht auf und in einem frühen Wintereinbruch sofort.
Unabhängig von der Jahreszeit gilt eine zweite Anforderung. Nach § 36 Absatz 3 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung muss das Hauptprofil der Luftreifen an Kraftfahrzeugen und Anhängern am ganzen Umfang eine Profiltiefe von mindestens 1,6 mm aufweisen. Als Hauptprofil gelten dabei die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa drei Viertel der Laufflächenbreite einnimmt. Für Kleinkrafträder, Leichtkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor genügt 1 mm.
„Ein Ganzjahresreifen ist ein Kompromiss, und ein Kompromiss ist keine Ausrede. Wer regelmäßig über Pässe fährt, kauft mit dem Alleskönner Bequemlichkeit und keine Reserve“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Woran sich die Nachfrage im Herbst 2026 ablesen lässt
Das vierte Quartal entscheidet über die Jahresbilanz des Reifenhandels. Oktober und November sind die Monate mit der stärksten Nachfrage nach Winter- und Ganzjahresreifen, und erst diese Zahlen zeigen, ob der Rückgang von 5 Prozent im ersten Halbjahr eine Verschiebung oder ein Verlust war. Der Herstellerverband legt die Zahlen für das dritte Quartal 2026 im weiteren Jahresverlauf vor.
Wer ein Fahrzeug führt, hat nach § 23 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung dafür zu sorgen, dass es vorschriftsmäßig ist. Der Halter darf die Inbetriebnahme nach § 31 Absatz 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung nicht anordnen oder zulassen, wenn ihm bekannt ist oder bekannt sein muss, dass es nicht vorschriftsmäßig ist. Für beide bleibt die Prüfung am Fahrzeug entscheidend. Profiltiefe, Alter und Fülldruck bestimmen die Haftung stärker als die Segmentbezeichnung auf der Flanke, und ein schleichender Druckverlust fällt oft erst spät auf. Wie sich ein solcher Fall eingrenzen lässt, beschreibt eine Anleitung bei Druckverlust am Autoreifen.
Die vorstehenden Angaben geben eine allgemeine Information nach dem am 14. September 2026 abgerufenen Verordnungswortlaut und sind keine Rechtsberatung. Ob und wie die Vorgaben ein einzelnes Fahrzeug betreffen, klärt im Einzelfall eine rechtliche Beratung.
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