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KI-Sichtbarkeit von Marken: ChatGPT nennt im Schnitt 15 Quellen je Antwort, Gemini drei – Semrush wertete 126 Millionen Prompts auf vier Systemen aus

KI-Sichtbarkeit lässt sich seit dem Sommer 2026 an einem deutlich größeren Datensatz ablesen als zuvor. Der Softwareanbieter Semrush hat am 26. Juni 2026 die erweiterte Ausgabe seines AI Visibility Index vorgelegt. Laut dieser Studie wurden 126 Millionen Eingaben (Prompts) aus den Vereinigten Staaten ausgewertet, die zwischen Januar und April 2026 an ChatGPT, Gemini, Google AI Mode und Google AI Overviews gestellt wurden. Die erste Ausgabe vom September 2025 beruhte noch auf 2.500 Prompts. Wo Werkzeuge zur Messung der eigenen Präsenz in solchen Antworten ansetzen, zeigt eine Plattform mit KI-Werkzeugen für Suchmaschinen und Antwortsysteme.

Was der Index über die Zahl der zitierten Quellen je Antwort aussagt

Die vier untersuchten Systeme belegen ihre Antworten sehr unterschiedlich. Nach Angaben von Semrush zitiert ChatGPT im Durchschnitt 15 Quellen je Antwort und greift dabei häufig auf Community- und Nachschlageplattformen wie Reddit und Wikipedia zurück. Gemini nennt im Mittel drei Quellen je Antwort und schöpft aus einem kleineren Vorrat, zu dem ebenfalls Wikipedia, Reddit und YouTube gehören.

Der Unterschied erklärt, warum eine Marke in einem System gut vertreten sein kann und im anderen kaum auftaucht. Semrush zieht daraus den Schluss, dass Sichtbarkeit in Antwortsystemen Plattform für Plattform gemessen werden muss. Ein Mittelwert über alle Systeme verdeckt, dass die Auswahlmechanismen verschieden sind.

„Fünfzehn Quellen je Antwort bei ChatGPT und drei bei Gemini sind zwei verschiedene Spiele. Wer auf der einen Plattform mitspielt, hat auf der anderen noch keinen Platz. Gemessen werden muss deshalb je System, sonst entsteht ein Durchschnitt, den es nirgends gibt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie stark sich die Sichtbarkeit in einzelnen Branchen konzentriert

Die Konzentration auf wenige Anbieter fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Der Index weist für jede der 22 Kategorien aus, welchen Anteil der gemessenen Sichtbarkeit die drei stärksten Marken auf sich vereinen.

Vier Branchenwerte nennt Semrush in der Mitteilung vom 26. Juni 2026 ausdrücklich, jeweils als Anteil der drei sichtbarsten Marken an der Kategorie:

  • Nachrichten und Medien: 82,9 Prozent.
  • Unterhaltungselektronik: 76,9 Prozent.
  • Industrie: 42,2 Prozent.
  • Finanzen: 41,4 Prozent.

In den weniger konzentrierten Kategorien sieht die Studie größere Chancen für Marken, die noch nicht zu den Erstgenannten gehören. In Kategorien wie Nachrichten oder Unterhaltungselektronik ist der Platz hinter den drei Erstgenannten dagegen klein.

Warum eine Nennung nicht dasselbe ist wie eine Zitierung

Der Index trennt zwei Formen von Präsenz. Eine Nennung bedeutet, dass eine Marke in einer KI-Antwort vorkommt. Eine Zitierung bedeutet, dass das System eine Domain oder Seite als Beleg anführt. Beides fällt oft auseinander: Laut Semrush kann auf Gemini die Überschneidung zwischen genannten Marken und zitierten Domains bis auf 30 Prozent sinken.

Eine Marke muss demnach an zwei Fronten arbeiten. Genannt wird sie, wenn sie im Thema als Anbieter bekannt genug ist. Zitiert wird sie nur, wenn ihre eigenen Seiten so aufgebaut sind, dass ein Antwortsystem sie als Beleg heranzieht. Welche Merkmale eine Seite dafür braucht, behandeln Fachbeiträge zur Optimierung für Suchmaschinen und Antwortmaschinen.

Welche 36 Marken auf allen vier Plattformen durchgehend sichtbar blieben

Nur wenige Marken hielten sich in jedem Monat des Untersuchungszeitraums auf allen vier Systemen unter den 100 sichtbarsten. Nach Angaben von Semrush waren es 36 Marken weltweit, darunter YouTube, Google, Reddit, Amazon, Facebook, Apple, Walmart, Disney und Nintendo. Diese Marken teilen breite Bekanntheit und eine klare Rolle bei Recherche, Vergleich oder Kauf.

Die Erzählung über eine Marke entsteht dabei nicht mehr allein auf der eigenen Website. Laut dem Index stützen sich die Systeme auf Kundenbewertungen, Diskussionsforen, unabhängige Publikationen, Händler und Branchenquellen. Als Beispiel nennt die Studie den Bekleidungshersteller Patagonia, der über den gesamten Zeitraum einen Sichtbarkeitswert von rund 79 bis 80 hielt, gestützt auf gleichlautende Beschreibungen bei Testportalen, Händlern und in Foren.

Woran es Marketingabteilungen im Herbst 2026 bei der Messung fehlt

Die begleitende Befragung zeigt eine Lücke zwischen Bedeutung und Werkzeug. Nach Angaben von Semrush können 45 Prozent der Marketingleiter ihre Präsenz in KI-generierten Antworten nicht verlässlich messen; nur 9 Prozent verfügen über Werkzeuge, die alle relevanten Kennzahlen über die Plattformen hinweg erfassen.

Wer Suchmaschinenoptimierung und KI-Präsenz in einem gemeinsamen Ablauf steuert, berichtet häufiger von Erfolgen. Laut der Befragung meldeten 81 Prozent der Organisationen mit einem verbundenen Vorgehen mehr Besucher oder Anfragen aus KI-Plattformen; bei getrennter Bearbeitung waren es 36 Prozent.

Die Zahlen beschreiben den Markt in den Vereinigten Staaten, nicht den deutschsprachigen Raum. Für Unternehmen in Deutschland liefert der Index damit Größenordnungen und Mechanismen, keine Werte für die eigene Branche im Inland. Ob Semrush den Index ein drittes Mal erweitert, ist offen; die erste Ausgabe erschien im September 2025, die zweite im Juni 2026.

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