Heizenergieverbrauch bleibt in der Saison 2025/2026 stabil – die Heizkosten sinken bundesweit um 2,7 Prozent, in Berlin steigen sie um 7,5 Prozent
Wo die Heizkosten im Winter 2025/2026 gestiegen und wo sie gesunken sind
Die Richtung der Abrechnung hängt vom Bundesland ab. Nach Angaben von Techem gingen die Heizkosten auf Bundesebene in der Saison 2025/2026 zurück, während Techem für drei Länder im Nordosten einen Anstieg ausweist.
Techem weist für sechs Bundesländer die Veränderung der Heizkosten gegenüber der Vorsaison aus:
- Nordrhein-Westfalen: minus 4,4 Prozent, der stärkste Rückgang.
- Hessen: minus 4,2 Prozent.
- Baden-Württemberg: minus 2,4 Prozent.
- Berlin: plus 7,5 Prozent, der stärkste Anstieg.
- Brandenburg: plus 6,5 Prozent.
- Mecklenburg-Vorpommern: plus 5,2 Prozent.
Die Unterschiede entstehen nach dieser Auswertung weniger am Thermostat als beim Preis. Laut Techem bewegten sich die Verbrauchsänderungen bei Erdgas, Fernwärme und Heizöl jeweils innerhalb einer Spanne von rund 1,5 Prozent nach oben oder unten; das Nutzungsverhalten beim Heizen war über alle Versorgungsarten hinweg gleichbleibend.
„Wer im Winter 2025/2026 in Berlin mehr bezahlt hat als im Jahr davor, hat vermutlich nicht wärmer gewohnt, sondern einen anderen Preis bezahlt. Das eigene Heizverhalten entscheidet über die Kilowattstunden, nicht über den Preis je Kilowattstunde. Beides gehört getrennt auf die Abrechnung geschaut“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Wie sich Erdgas, Heizöl und Fernwärme im Preis auseinanderentwickelt haben
Drei Energieträger, drei Verläufe. Nach Angaben von Techem ergab sich für Erdgas im Vergleich zur Vorsaison ein durchschnittlicher Kostenrückgang von 2,7 Prozent. Beim Heizöl sanken die Kosten zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 mit 6,6 Prozent am stärksten. Ein Kostenanstieg von 20 Prozent im März 2026 machte laut Techem einen Teil davon zunichte, sodass über den gesamten Zeitraum ein Minus von 2,7 Prozent blieb. Fernwärme verteuerte sich um 0,8 Prozent und blieb damit nahezu konstant.
Der Winter selbst verlief ungleich. Laut Techem wurde ein kälterer Januar 2026 mit entsprechend höherem Heizbedarf durch einen außergewöhnlich milden März 2026 ausgeglichen, sodass die Heizperiode in der Gesamtbetrachtung ein stabiles Bild ergab. Eine strukturelle Verschiebung zwischen den Energieträgern ist nach Angaben des Unternehmens nicht erkennbar.
Die Datenbasis ist breit. Grundlage der Auswertung sind laut Techem anonymisierte unterjährige Verbrauchsinformationen aus rund 639.972 Nutzeinheiten in Deutschland: 283.633 Wohnungen mit Erdgas, 291.078 Wohnungen mit Fernwärme und 65.261 Wohnungen mit Heizöl.
Warum die Energiekrise erst die Abrechnung der Heizsaison 2026/2027 trifft
Der Preissprung vom März 2026 steht noch nicht in der Abrechnung. Nach Angaben von Techem nimmt die aktuelle Energiekrise auf die Heizkostenabrechnung der Saison 2025/2026 noch keinen nachweislichen Einfluss; für die Abrechnung der laufenden Heizsaison 2026/2027 ist dieser Einfluss jedoch zu erwarten. Wer seit Oktober 2026 heizt, zahlt nach dieser Einschätzung für Wärme zu Preisen, die sich seit dem Frühjahr verändert haben.
Die Sorge vor hohen Energiekosten ist in den Beratungsgesprächen angekommen. Laut einer Befragung von 726 Energieberatenden, die der Energieberatendenverband GIH (Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker) am 13. Mai 2026 veröffentlicht hat, berichten die Fachleute, dass 72 Prozent ihrer Kundinnen und Kunden Angst vor hohen Energiekosten haben. Nach derselben Befragung, die im März 2026 zum vierten Mal seit 2023 durchgeführt wurde, verschieben 51 Prozent der Kunden Investitionen derzeit aus Unsicherheit.
Für die laufende Saison bleibt damit der Verbrauch der einzige Hebel, der sofort wirkt. Ein Thermostat, das beim Lüften die Heizung abregelt, setzt genau dort an – eine Kopplung von Fensterkontakt und Heizungssteuerung erklärt, wie beide Geräte zusammenarbeiten.
Was Bewohner in der laufenden Heizsaison selbst beeinflussen können
Der Verbrauch je Quadratmeter ist die Größe, die Bewohnende selbst bestimmen. Techem führt die Stabilität des Verbrauchs in der Saison 2025/2026 auf das Heizverhalten der Bewohnenden zurück und nennt als Ergänzung effiziente Gebäude und moderne Anlagentechnik. Transparente Verbrauchsdaten wie die unterjährige Verbrauchsinformation, also die monatliche Mitteilung des Verbrauchs an die Bewohner, machen Unterschiede nach Angaben des Unternehmens sichtbar und schaffen die Grundlage für gezieltes Gegensteuern.
Die Auswertung endet mit einem Vorbehalt. Laut Techem ist eine abschließende Aussage zu individuellen Heizkostenabrechnungen erst nach deren Erstellung möglich; die Werte vom April 2026 beschreiben Durchschnitte über Hunderttausende Wohnungen, nicht die einzelne Rechnung.
Wann die Bilanz der Heizsaison 2026/2027 vorliegt
Techem bietet nach eigenen Angaben mit den Formaten Atlas Fokus, Atlas Prognose und Atlas Update regelmäßig Analysen zu Energiethemen an. Die Bilanz der Saison 2025/2026 erschien am 21. April 2026; nach diesem Rhythmus ist die erste Bilanz der Saison 2026/2027 im Frühjahr 2027 zu erwarten.
Bis dahin gilt der Stand vom April 2026: stabiler Verbrauch, sinkende Kosten für Erdgas und Heizöl auf Bundesebene und steigende Abrechnungen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Der Preissprung vom März 2026 kommt laut Techem erst in der Abrechnung der laufenden Heizsaison an.
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