Pisa-Studie 2025: Jeder zweite 15-Jährige in Deutschland lernt wöchentlich mit KI-Chatbots, während die Kompetenzwerte auf Tiefstände fallen
Die Erhebung fand von März bis Mai 2025 statt; in Deutschland beantworteten laut OECD 6.659 Schüler an 246 Schulen den Test und einen Fragebogen zu ihren Lerngewohnheiten.
Wie 15-Jährige in Deutschland KI-Chatbots für Schulaufgaben einsetzen
Vier Nutzungsarten weist der Länderbericht der OECD für Deutschland gesondert aus, jeweils mit dem Anteil der Jugendlichen, die sie mindestens gelegentlich verwenden:
- 36 Prozent lassen sich Texte zusammenfassen, die sie lesen sollten (OECD-Durchschnitt: 30 Prozent)
- 36 Prozent lassen Entwürfe für schriftliche Aufgaben schreiben (OECD-Durchschnitt: 29 Prozent)
- 31 Prozent recherchieren mit dem Chatbot ein neues Thema (OECD-Durchschnitt: 31 Prozent)
- 9 Prozent nutzen KI-Chatbots nie oder fast nie für Schulaufgaben (OECD-Durchschnitt: 14 Prozent)
Beim eigenständigen Lernen bleibt Luft nach oben. Laut OECD planen nur 33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland ihr Vorgehen beim Lernen häufig im Voraus (OECD-Durchschnitt: 37 Prozent). Mit eigenen Fragen prüfen 51 Prozent, ob sie den Stoff verstanden haben.
Warum der nationale Berichtsband vor dem Auslagern des Denkens warnt
Der nationale Berichtsband zur Pisa-Studie 2025, den das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der Technischen Universität München am selben Tag vorgelegt hat, verknüpft die KI-Nutzung mit den Kompetenzwerten. Nach Angaben der Autoren erreichen Schüler, die KI häufiger für schulische Aufgaben nutzen, im Durchschnitt rund 13 Punkte weniger in den Naturwissenschaften. Als kritisch gilt den Autoren die Inversion, bei der Jugendliche ihre Denkleistung an das Werkzeug abgeben; reflektiert eingesetzt könne KI Denkprozesse aber auch vertiefen. Auf diese zweite Nutzungsart zielt eine Abfrage durch die KI aus den eigenen Lernunterlagen. Der Lernende lädt Lernzettel oder Skript hoch, beantwortet Rückfragen wie in einer mündlichen Prüfung und wiederholt sichtbar gewordene Lücken.
Was aus den Zahlen für den Schulalltag ab Herbst 2026 folgt
„Die Zahlen zeigen nicht, dass KI das Lernen verhindert, sondern wofür sie gerade benutzt wird: zum Zusammenfassen und Vorschreiben. Ein Werkzeug, das Fragen stellt statt Antworten zu liefern, kehrt diese Richtung um. Ob das die Kurve dreht, zeigt erst die nächste Erhebung“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Die Ergebnisse zum Englischtest und zur Analyse des selbstgesteuerten Lernens in der digitalen Welt will die OECD laut Länderbericht im Jahr 2027 nachreichen. Der reguläre Abstand zwischen den Erhebungen beträgt nach Angaben des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien künftig vier Jahre; die nächste Runde fällt damit in das Jahr 2029.
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