Gesundheit & Medizin

Mit Hauterkrankungen besser zum Hautarzt

Eine aktuelle Datenanalyse der Techniker Krankenkasse hat ergeben, dass viele Patienten wegen ihrer Neurodermitis nicht zum Hautarzt gehen, sondern etwa zum Allgemeinmediziner. Das Problem dabei: Sie werden häufig nicht nach den aktuell geltenden Empfehlungen behandelt und erhalten deutlich seltener innovative Medikamente als Patienten, die vom Dermatologen betreut werden. 

Die Ergebnisse der Datenanalyse sind im „Neurodermitisreport“1 nachzulesen. Dabei fällt auf: Rund zwei Drittel (63 Prozent) der Patienten, die neu an Neurodermitis erkranken, gehen zur Abklärung der Symptome nicht zum Hautarzt. Und wenn doch, wechseln viele im Laufe der Zeit – meist zum Allgemeinmediziner. Nur ein Viertel der Neurodermitispatienten wird den Daten zufolge zwei Jahre nach Beginn der Erkrankung noch von einem Dermatologen betreut. 

Innovative Therapien eher vom Hautarzt
Das ist kritisch zu sehen, denn die Daten weisen darauf hin, dass Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Internisten hinsichtlich Medikamentenauswahl und Behandlungsdauer weniger gut mit den offiziellen Leitlinien zur Neurodermitistherapie vertraut sind als Hautärzte. Zudem sind sie viel zurückhaltender bei der Verschreibung innovativer Arzneimittel wie zum Beispiel Biologika, die seit 2017 auf dem Markt sind. Diese Wirkstoffe greifen sehr gezielt in das Entzündungsgeschehen ein und belasten das Immunsystem insgesamt viel weniger als ältere entzündungshemmende Medikamente. Solche neuen, aber auch bewährte ergänzende Behandlungsmöglichkeiten wie etwa die Phototherapie werden vornehmlich von Dermatologen verordnet.  

Ersteinschätzung und dann Überweisung
„Eine Ersteinschätzung durch den Hausarzt ist bei Hautsymptomen unklarer Ursache durchaus sinnvoll“, erklärt Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe in Bonn. „Schließlich kann auch eine organische Erkrankung dahinterstecken.“ Beim Verdacht auf eine Hautkrankheit sollte aber umgehend eine Überweisung zum Dermatologen erfolgen. „Allgemeinmediziner müssen fachlich breit aufgestellt sein. Da ist es kaum möglich, jederzeit in allen Fachgebieten auf dem neuesten Stand der Forschung zu sein“, gibt Hackler zu bedenken. „Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis ist es wichtig, bestehende Therapien immer wieder kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf andere Möglichkeiten auszuloten. Das ist Sache der Hautärzte.“ 

Patientenratgeber
Die Broschüre „Behandlung der Neurodermitis“ beschreibt Krankheitsbild, Ursachen und Formen der Neurodermitis und stellt Therapieoptionen vor. In die aktuelle Ausgabe sind neue Erkenntnisse insbesondere in der Behandlung mittelschwerer und schwerer Formen der Erkrankung bei Kindern und Erwachsenen eingeflossen. Die Broschüre wurde mit finanzieller Unterstützung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH realisiert und kann bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. kostenfrei angefordert oder im Internet heruntergeladen werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha‑neurodermitis-behandeln.de.

Quelle: (1) Mathias Augustin, Gerd Glaeske, Kristina Hagenström „Neurodermitisreport: Prävention, Versorgung und Innovation“, Ergebnisse von Routinedaten-Analysen der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2016 bis 2019, erstellt mit freundlicher Unterstützung der Techniker Krankenkasse. Dort sind u.a. Daten zu Arztbesuchen, Klinikaufenthalten und Verordnungen von Versicherten, die an Neurodermitis erkrankt sind, im Zeitraum 2016 bis 2019 statistisch analysiert worden.  

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