Energie- / Umwelttechnik

Staatssekretär Krischer: „Alle Erneuerbaren Energien zur Unabhängigkeit nötig“

Die kriegsbedingten Auswirkungen auf die Energiepolitik standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Deutschen Energieholz- und PelletVerbands e.V. (DEPV) Ende März. Vor rund 100 in Berlin anwesenden und online zugeschalteten Teilnehmern wurden Zukunftsfragen wie die Förderfähigkeit von Pelletfeuerungen sowie die Versorgungssicherheit an einem stark wachsenden Markt diskutiert. DEPV-Vorsitzende Beate Schmidt-Menig betonte, dass eine verantwortungsvolle, vorausschauende Energiepolitik für die Wirtschaft und das Klima, aber auch für die allgemeine Sicherheit entscheidend ist. Der schnelle Ausbau der Erneuerbaren Energien sei unabdingbar, wenn Deutschland als Industrieland 2045 CO2-neutral werden soll.

Bedenken zur Zukunft von Pelletfeuerungen zerstreute Oliver Krischer, zuständiger parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: „Wir brauchen alle Erneuerbare Energien zur Unabhängigkeit von russischem Gas und Öl! Daher werden alle modernen CO2-einsparenden Heiztechnologien in der Förderlandschaft der Bundesregierung Berücksichtigung finden.“

Pelletheizungen konnten von allen Wärmeerzeugern im vergangenen Jahr das stärkste Wachstum verzeichnen. Über 85.000 Feuerungen haben 2021 in Deutschland den Heizungsbestand auf 570.000 Anlagen erhöht und zusammen erstmals eine Jahresmenge von über 4 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Damit führt die modernste Form der Holzenergie das Marktwachstum der Erneuerbaren Energien an und punktet zudem gegenüber anderen Technologien mit einem niedrigen CO2-Vermeidungspreis.

Darüber hinaus hat Deutschland seine Rolle in Europa als Land mit der größten Pelletproduktion im letzten Jahr mit 3,3 Mio. Tonnen (t) hergestellten Presslingen ausgebaut. Die hier besonders ausgeprägte Sägeindustrie und das dort in großen Mengen anfallende Spanmaterial, das zu Pellets veredelt wird, ist ein gutes Beispiel für erfolgreiche Kaskadennutzung. Angesichts zunehmend undifferenzierter Äußerungen forderte die DEPVVorsitzende Schmidt-Menig von der Politik eine objektive und zugleich pragmatische Sicht auf die mit Anstand größte Erneuerbare Energiequelle im Gebäudebereich: moderne Holzenergie.

„Die Pelletheizung legitimiert ihre Förderfähigkeit durch höchste Ansprüche in Sachen Emission und Effizienz. Wenn jetzt auch noch zunehmend Gasheizungen ersetzt werden sollen, müssen möglichst schnell möglichst viele Pelletheizungen eingebaut werden. Vor diesem Hintergrund dürfen die technischen Anforderungen bei der anstehenden Novellierung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) nicht verändert werden“, so Schmidt-Menig. Der für Energie- und Wärmefragen zuständige Staatssekretär Oliver Krischer bestätigte, dass zur dringenden Energiewende am Heizungsmarkt alle bewährten und CO2-einsparenden Wärmequellen benötigt werden. Auch bei einer Überarbei tung der BEG spielten Pelletheizungen weiterhin eine wichtige Rolle. Krischer warnte angesichts der hohen Nachfrage nach regenerativen Heizsystemen davor, unterschiedliche Technologien wie Wärmepumpen und Pelletfeuerungen gegeneinander auszuspielen.

Die Versorgungssicherheit eines stark wachsenden Marktes war das Thema einer vom stellvertretenden DEPV-Vorsitzenden Martin Behr geleiteten Diskussion. Neben einer Erhöhung der heimischen, auf Sägerestholz basierenden Pelletproduktion würden auch Importmengen sowie die Ausdehnung der Rohstoffbasis auf Waldholz an Bedeutung gewinnen. Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer bei proPellets Austria und Präsident der World Bioenergy Association, sieht die Möglichkeiten für Pelletimporte in mitteleuropäische Länder aktuell erheblich durch den stark angestiegenen Strompreis beeinflusst. Das mache Pellets für die Energieversorger zunehmend attraktiv. Auch in bisherigen Exportmärkten in Osteuropa würden Pellets künftig stärker für den Eigenverbrauch benötigt.

Importe aus Nordamerika können nach Einschätzung von Marius Hachenberg, Geschäftsführer von Enviva Deutschland, zur Versorgungssicherheit des deutschen Pelletmarkts beitragen. In Zukunft eröffne vor allem der industrielle Wärmebedarf neue Absatzmöglichkeiten für die gesamte Branche. Georg Dischner, Leiter des Zentrums für Energieholz (ZfE) bei den Bayerischen Staatsforsten geht davon aus, dass ausreichend nichtsägefähige Waldholzsortimente verfügbar sind um eine steigende Nachfrage zu stillen. Ob sie stärker stofflich oder energetisch verwendet würden, sei dabei jedoch unter anderem eine Frage des Preises. Auch den Pellethandel stellt das Marktwachstum vor Herausforderungen, wie Emil Sopper von der Baywa AG bemerkte. Zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit und Lieferfähigkeit erachtet der Branchenexperte mehr Lieferfahrzeuge sowie eine Erhöhung der Lagerfläche für notwendig.

DEPV-Vorsitzende Schmidt-Menig sieht angesichts der großen Herausforderungen am Wärmemarkt auch den Verband in einer ausschlaggebenden Position: „Die Pelletindustrie ist auch deshalb professionell und gut aufgestellt, weil im DEPV die gesamte Wertschöpfungskette an einem Strang zieht. Diese Einigkeit wird auch in aktuell stürmischen Zeiten ein wichtiger Trumpf sein.“ Die rege Beteiligung an der Mitgliederversammlung sei der Beweis für das große Interesse der Branche an einer gemeinsamen Kommunikationsplattform.

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Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband e.V. vertritt seit 2001 die Interessen der deutschen Pellet- und Holzenergiebranche. Kessel- und Ofenhersteller, Produzenten von Pellets und weiterer Energieholzsortimente, Komponentenhersteller sowie Vertriebspartner haben sich in diesem Bundesverband organisiert.

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