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Nachhaltige Unternehmensführung: Chancen und Herausforderungen

Nachhaltige Unternehmensführung stellt einen noch jungen, ganzheitlich greifenden Managementansatz dar, der die Nachhaltigkeit in alle Funktionsbereiche eines Unternehmens integriert. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei Aspekte Ökonomie, Ökologie und Soziales. Das Thema wird aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen immer bedeutsamer, um eigene Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Es ist jedoch auch mit einigen Herausforderungen verbunden. Ein Forschungsteam der Hochschule Aalen hilft über Einstiegshürden der Implementierung hinweg, indem Ergebnisse aus praxisnahen Forschungskooperationen in die Wirtschaft transferiert werden. 

Angesichts des wachsenden Bewusstseins für die soziale Verantwortung von Unternehmen und der Notwendigkeit, ökologische und ökonomische Herausforderungen anzugehen, ist eine effektive und ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Durch ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement können Unternehmen nicht nur ihre operativen Leistungen verbessern, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile erzielen und ihre Resilienz stärken. Neue Ansätze, wie ein solches Management effizient implementiert werden kann, erforschen Prof. Dr. habil. Patrick Ulrich und Prof. Dr. Simone Häußler am Aalener Institut für Unternehmensführung (AAUF) der Hochschule Aalen. Sie arbeiten eng mit Michaela Sieger zusammen, die als Head of Sustainability beim Kooperationspartner PAUL HARTMANN AG die Nachhaltigkeitsabteilung der Konzernzentrale leitet. Im Interview mit Ilka Diekmann berichten sie, warum Nachhaltigkeit insbesondere für die Führung von Familienunternehmen entscheidend und die praktische Zusammenarbeit so wichtig ist.

Ilka Diekmann (ID): Herr Ulrich und Frau Häußler, worum geht es in Ihrer Forschung zu nachhaltiger Unternehmensführung? 

Patrick Ulrich (PU):  Bisherige Forschungsanstrengungen zu nachhaltiger Unternehmensführung haben vor allem große und börsennotierte Unternehmen in den Mittelpunkt gestellt. Familienunternehmen erfordern eine differenzierte Betrachtung. Denn die Kombination von familiären Werten, Traditionen und langfristiger Perspektive, die sie prägt, bringt spezifische Herausforderungen mit sich. Dies zeigt sich vor allem in der Frage der zukünftigen Ausrichtung eines Unternehmens: Viele Familienunternehmen verstehen sich per se als nachhaltig, müssen aber gleichzeitig – mitunter sehr schnell – auf Themen wie Digitalisierung und politische Unsicherheiten reagieren. Zudem sind in einer Familie naturgemäß nicht immer alle einer Meinung.

Simone Häußler (SH): Wir erforschen daher gezielt die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in Familienunternehmen genauer. Dies führt nicht nur zu einem besseren Verständnis, sondern auch zur Entwicklung maßgeschneiderter Ansätze und Instrumente, die ihnen dabei helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

ID: Wie können und sollten sich (Familien-)Unternehmen darauf einstellen? 

PU: Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, branchenspezifischer Standards sowie interner Richtlinien (Compliance-Regeln) sollte einen zentralen Stellenwert in der Unternehmensführung einnehmen. Derzeit sieht die Realität in Deutschland jedoch anders aus, was mehrere Ursachen hat. Primär besteht das Problem darin, dass eine angemessene Kenntnis der entsprechenden Regelungen erforderlich ist. Darüber hinaus weist Deutschland im internationalen Vergleich eine fragmentarische und auf gewisse Weise leider etwas rückständige Compliance-Gesetzgebung auf. So gibt es in Deutschland beispielsweise kein Unternehmensstrafrecht und die europäische Whistleblower-Richtlinie wurde mit ca. drei Jahren Verzug erst in nationales Recht umgesetzt.

ID: Was sind die zentralen Ergebnisse Ihrer Forschungsarbeiten?

SH: Unsere Forschungen zeigen unter anderem, dass Organisationen noch großen Nachholbedarf im Bereich der Nachhaltigkeit haben. Ich möchte betonen, dass bisher noch zu zögerlich und wenig proaktiv auf zu antizipierende gesetzliche Regulierungen reagiert wird. Es ist klar, dass in der Zukunft eine materielle Pflicht zur Durchführung bestimmter Nachhaltigkeitsaktivitäten eingeführt werden wird, wenn der aktuelle „Umweg“ über die Berichterstattung nicht funktioniert. 

ID: Wie funktioniert nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis? Michaela Sieger gibt Einblicke in die unternehmerische Praxis bei HARTMANN.

Michaela Sieger (MS): Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen sich ihrer ganzheitlichen Verantwortung entlang von ökonomischen, ökologischen und sozialen Themen bewusst sein. HARTMANN nimmt diese Verantwortung gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und der Gesellschaft ernst und lebt Nachhaltigkeit schon seit vielen Jahren. Vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen (neue EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung „Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)“, EU-Taxonomie Nachhaltigkeit) ist ein integriertes Gesamtkonzept zur Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie die systemische und organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeitsaktivitäten unerlässlich. Unser strategischer Nachhaltigkeitsansatz sieht darüber hinaus umfangreiche Ziele und Maßnahmen für die Zukunft vor. Entsprechende Ressourcen und Strukturen für diesen Transformationsprozess werden aufgebaut, – nicht zuletzt durch das neue Projekt "Shared Professorship" in Kooperation mit der Hochschule Aalen.

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