Kommunikation

Wenn ‚Mach das mal‘ zum Risiko wird: Warum Berufssprache über Erfolg in der Ausbildung entscheidet.

Ein Satz im Betrieb, ein Nicken als Antwort, ein Arbeitsschritt, der falsch ausgeführt wird. Am Ende steht selten die Frage, wer schuld ist, sondern warum es überhaupt so weit kommen konnte. Viele Missverständnisse in der Ausbildung entstehen nicht, weil jemand unwillig ist oder nicht lernen möchte. Sie entstehen, weil Sprache im Betrieb mehr ist als korrektes Deutsch. Sprache ist dort ein Werkzeug für Handeln, Sicherheit, Zusammenarbeit und Qualität.

Genau hier liegt ein unterschätzter Hebel. Wenn Berufssprache nur als Thema für den Unterricht betrachtet wird, bleibt das eigentliche Problem unangetastet. Denn im Betrieb entscheidet nicht die Grammatik, sondern der Kontext. Wer spricht mit wem, in welcher Rolle, unter welchem Zeitdruck, mit welchen Erwartungen und mit welcher Verantwortung. Der Leitfaden des Bundesinstituts für Berufsbildung beschreibt genau diese Praxisdimension und gibt Ausbilderinnen und Ausbildern Hinweise, wie sprachlichen Missverständnissen in der Ausbildung vorgebeugt werden kann (Quelle 1).

Was Berufssprache wirklich ist  

Berufssprache ist die Sprache, die Menschen brauchen, um Arbeit verlässlich zu erledigen. Dazu gehören Fachbegriffe, ja. Vor allem aber gehören dazu typische Formulierungen, implizite Regeln, Abkürzungen, Redewendungen, Tonlagen und die Fähigkeit, in stressigen Situationen kurz, klar und passend zu kommunizieren. Viele Situationen funktionieren im Team über Selbstverständlichkeiten. Wer neu ist, kennt diese Selbstverständlichkeiten nicht. Wer aus einem anderen Sprachraum kommt, interpretiert Höflichkeit, Direktheit oder Warnhinweise unter Umständen anders. Und wer gerade erst lernt, wie ein Betrieb tickt, muss gleichzeitig fachlich liefern und sprachlich mithalten.

Das macht Berufssprache zu einem Kontextthema. Sie hängt am Arbeitsablauf, nicht am Lehrplan.

Warum das Thema gerade jetzt so relevant ist  

Ausbildung steht stärker unter Druck als viele wahrhaben wollen. Betriebe suchen Fachkräfte, Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, gleichzeitig suchen viele junge Menschen weiter nach einem passenden Einstieg. Das Bundesinstitut für Berufsbildung berichtet für 2025 von 54.400 unbesetzten Ausbildungsstellen und nennt zugleich rund 84.400 weiterhin suchende junge Menschen zum Stichtag 30. September 2025 (Quelle 2). In so einer Lage wird jeder Abbruch in der Ausbildung und jede unnötige Reibung im Alltag zu einem echten Problem.

Parallel zeigt der Arbeitsmarkt, wie groß der Bedarf an qualifizierten Kräften ist. Im Fachkräftereport Juni 2025 wird bundesweit weiterhin eine rechnerische Fachkräftelücke von rund 391.000 qualifizierten Arbeitskräften genannt. Zudem konnte rechnerisch mehr als jede dritte offene Stelle nicht passend besetzt werden. Besonders fehlten Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung (Quelle 3). Wenn Ausbildung gelingen soll, muss der Alltag funktionieren. Berufssprache ist dafür kein Nebenaspekt, sondern Teil der Betriebssicherheit und der Ausbildungsqualität.

Wo Missverständnisse wirklich entstehen  

Im Betrieb entstehen Missverständnisse selten bei Vokabeltests. Sie entstehen in Situationen, in denen Menschen handeln müssen.

Eine typische Stelle ist die Arbeitsanweisung. „Mach das schnell fertig“ kann bedeuten, dass Tempo zählt, aber es kann auch bedeuten, dass jemand eine Reihenfolge abkürzt, weil er glaubt, das sei gewünscht. Wenn Rückfragen als Unsicherheit interpretiert werden, nicken Auszubildende lieber und hoffen, es richtig verstanden zu haben. Genau dieses Muster beschreibt auch der BIBB Leitfaden und empfiehlt, sprachliche Missverständnisse aktiv aufzuklären und die eigene Ausdrucksweise bewusster zu gestalten (Quelle 1).

Eine zweite Stelle sind Sicherheitsregeln. Hier entscheidet Sprache über Risiko oder Sicherheit. Sicherheitsunterweisungen sind oft dicht, voller Fachbegriffe und werden in hoher Geschwindigkeit vermittelt. Wer dabei nicht sicher ist, welche Handlungen konkret gemeint sind, setzt sich und andere in Gefahr.

Eine dritte Stelle ist Dokumentation und Übergabe. Viele Ausbildungen verlangen heute saubere Dokumentation, sei es digital oder analog. Wer nicht weiß, wie knapp oder wie genau etwas dokumentiert werden muss, produziert Unklarheit für die nächste Schicht. Auch hier wird Sprache zur Schnittstelle zwischen Qualität und Fehlern.

Eine vierte Stelle ist Kommunikation im Team. Der Tonfall kann je nach kulturellem Hintergrund anders gelesen werden. Direktheit kann als unhöflich wirken, indirekte Kritik kann nicht verstanden werden. Das führt zu Spannungen, obwohl alle eigentlich das Gleiche wollen, nämlich Arbeit gut erledigen.

Was in der Praxis hilft, wenn man Berufssprache als Kontext denkt  

Der entscheidende Wechsel ist, Berufssprache nicht als Defizit zu behandeln, sondern als Trainingsfeld.

Das beginnt bei klaren Routinen. Wenn Ausbilderinnen und Ausbilder konsequent nachfragen lassen, was verstanden wurde, sinkt die Fehlerquote. Nicht als Kontrolle, sondern als Standard. Eine zweite Routine ist das Bestätigen von kritischen Anweisungen, vor allem bei Sicherheit, Hygiene, Maschinenbedienung oder Kundenschnittstellen. Eine dritte Routine ist das Einführen von kurzen, wiederholbaren Formulierungen für häufige Situationen. Das kann zum Beispiel eine Standardfrage sein, wenn jemand unsicher ist, oder eine Standardantwort, wenn etwas unterbrochen werden muss.

Wichtig ist dabei, dass Sprache nicht losgelöst geübt wird. Sie muss in Situationen geübt werden. Das ist auch der Grundgedanke berufsbezogener Sprachförderung. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beschreibt, dass in Berufssprachkursen Deutsch mit Bezug zum Beruf gelernt wird und nennt dafür Basis- und Spezialformate mit typischen Umfängen von 400 bis 500 Unterrichtseinheiten, je nach Kursart (Quelle 5). Ergänzend dazu gibt es Job BSK Formate, die auf einen besonders arbeitsplatznahen Spracherwerb zielen und mit kurzen Laufzeiten sowie kleinen Gruppen arbeiten. Die Seite nennt dafür als Rahmen 100 bis 150 Unterrichtseinheiten (Quelle 4). Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern das Prinzip. Sprache lernt am besten, wer sie in realen Situationen anwenden und reflektieren kann.

Wie BerufVR den Kontext erlebbar machen kann  

Wenn Berufssprache Kontext braucht, dann hilft es, Kontext sichtbar und erlebbar zu machen. Genau hier passen Formate wie BerufVR, weil sie reale Situationen in den Mittelpunkt stellen. Statt abstrakt zu erklären, wie man eine Übergabe macht, erlebt man eine Übergabe. Statt über Gesprächsführung im Kundenkontakt zu reden, erlebt man einen Kundentermin, mit Zeitdruck und echten Missverständnissen. Das ist besonders wertvoll, wenn Lernende Hemmungen haben, vor anderen zu sprechen oder Fehler zu machen. In einer Simulation kann man wiederholen, ohne Gesichtsverlust.

KI kann in so einem Beitrag als unterstützender Baustein erwähnt werden, ohne das Thema zu dominieren. Zum Beispiel als neutrales Feedback, das Fragen stellt wie: Was hast du verstanden, was war unklar, welche Rückfrage hättest du stellen können. Der Kern bleibt aber Bildung, nämlich das Trainieren von Handlungssprache im Kontext.

Ein kurzer Praxisimpuls für Betriebe und Bildungsträger  

Wer Berufssprache verbessern will, braucht keine großen Programme als ersten Schritt. Schon drei Fragen bringen Bewegung rein. Erstens: In welchen Situationen passieren bei uns die meisten Missverständnisse. Zweitens: Welche drei Standardsätze oder Rückfrageformen würden diese Situationen entschärfen. Drittens: Wo üben wir diese Situationen regelmäßig, kurz, wiederholbar und ohne Bloßstellung.

Fazit  

Berufssprache ist mehr als Deutsch. Sie ist ein Teil beruflicher Handlungskompetenz. Wer sie als Kontextthema begreift, reduziert Fehler, erhöht Sicherheit, verbessert Zusammenarbeit und macht Leistungsbewertung fairer. In einer Zeit, in der Ausbildung wieder stärker über wirtschaftliche Stabilität und Fachkräftesicherung entscheidet, ist das kein weiches Thema, sondern ein strategischer Faktor.

Quellen  

Quelle 1 BIBB Sprachliche Hürden in der Ausbildung und wie man sie überwinden kannhttps://www.bibb.de/de/63005.phpAbrufdatum 06.02.2026

Quelle 2 BIBB Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025https://www.bibb.de/de/215234.phpAbrufdatum 06.02.2026

Quelle 3 KOFA Fachkräftereport Juni 2025https://www.kofa.de/daten-und-fakten/studien/fachkraeftereport-juni-2025/Abrufdatum 06.02.2026

Quelle 4 BAMF Job BSK passgenauer Spracherwerb am Arbeitsplatzhttps://www.bamf.de/DE/Themen/Integration/ZugewanderteTeilnehmende/JobBSK/job-bsk-node.htmlAbrufdatum 06.02.2026

Quelle 5 BAMF Merkblatt zur berufsbezogenen Deutschsprachförderung für Teilnehmendehttps://www.bamf.de/… 06.02.2026

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