2. Fachforum CrossConnect: Materialoffenheit als Schlüssel für zukunftsfähiges Bauen
Wie kann das Bauwesen ressourcenschonender, leistungsfähiger und zugleich wirtschaftlicher werden? Welche Rolle spielen Holz, Carbon, Beton, Lehm, Naturfasern und weitere innovative Werkstoffe dabei? Und wie gelingt es, neue Materiallösungen schneller und skalierbar in die Praxis zu bringen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des „2. Fachforum CrossConnect“ vom 18. bis 20. Mai 2026, das von den beiden Clustern MAI Carbon und CU Bau des Composites United e.V. sowie der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH im Kloster Benediktbeuern veranstaltet wurde.
Historischer Ort mit aktueller Relevanz
Bereits der Veranstaltungsort machte deutlich, worum es beim Fachforum ging: Um das Zusammenspiel von Bestand, Innovation, Nachhaltigkeit und Praxis. Das Kloster Benediktbeuern bot dafür einen besonderen Rahmen – als historischer Ort, Bildungs- und Naturschutzzentrum sowie Tagungsstätte mit unmittelbarem Bezug zu Fragen der Klimaanpassung und resilienten Bauweise. So wurde das Kloster Benediktbeuern am 26. August 2023 Opfer eines verheerenden Hagelsturms. Binnen zehn Minuten beschädigten tennisballgroße Hagelkörner fast die Hälfte aller Dächer und verwüsteten großflächig die Außenfassaden – ein konkretes Beispiel für die Herausforderungen, denen sich die Baupraxis künftig verstärkt stellen muss.
Werkstoffe intelligent kombinieren und in die Anwendung bringen
Ein zentraler Gedanke des Fachforums war: Zukunftsfähiges Bauen braucht Materialoffenheit. Nicht ein einzelner Werkstoff steht im Mittelpunkt, sondern die intelligente Kombination unterschiedlicher Materialien und ihrer spezifischen Eigenschaften. Dies zeigte sich in Beiträgen zu Bestanderhaltung, Umnutzung, Denkmalpflege, Carbonbeton, Holz-Beton-Verbund, Lehmbaustoffen, Holzschweißen, Faserverbundanwendungen und Holzhybridbauten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der entscheidende Schritt nicht allein in der Entwicklung neuer Materialien liegt, sondern in deren Überführung in praxistaugliche, wirtschaftlich tragfähige Lösungen und skalierbare Anwendungen.
„Das Fachforum hat eindrucksvoll gezeigt, dass zukunftsfähiges Bauen nicht durch ein einzelnes Material oder eine einzelne Technologie gelöst wird. Entscheidend ist Materialoffenheit: Wir müssen die spezifischen Eigenschaften der Werkstoffe verstehen, intelligent kombinieren und in praxistaugliche Anwendungen überführen – mit messbaren Vorteilen über den gesamten Lebenszyklus“, sagt Roy Thyroff, Netzwerkgeschäftsführer CU Bau des Composites United e.V.
Zirkuläre Bauweisen als wirtschaftlicher und ökologischer Hebel
Neben technischen Lösungen standen auch zirkuläre Bauweisen und neue Geschäftsmodelle im Fokus. Diskutiert wurde der notwendige Wandel von linearen hin zu kreislauforientierten Wertschöpfungsmodellen: Weg vom Verbrauch, hin zum Gebrauch; weg vom Abfall, hin zum Wertstoff. Für Unternehmen ergeben sich daraus nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch klare wirtschaftliche Potenziale, etwa durch längere Nutzungsdauern, reduzierte Instandhaltungskosten, Rückbau- und Wiederverwendungskonzepte sowie neue digitale Lösungen.
Auch die Diskussion mit dem Publikum machte deutlich, dass Innovation im Bauwesen nicht allein eine technologische Frage ist. Neue Bauweisen brauchen geeignete normative Rahmenbedingungen, angepasste Ausschreibungs- und Zulassungsprozesse sowie ein stärkeres Zusammenspiel mit öffentlichen Auftraggebern und Politik.
„Unser Fachforum CrossConnect steht genau für diesen Brückenschlag zwischen Materialien, Branchen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Anwendern. Die Bauwende braucht solche Formate, weil Innovationen dort entstehen, wo unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen und gemeinsam weitergedacht werden“, betont Stefan Torno, Leiter Cluster- und Projektmanagement bei der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH.
Von der Diskussion zur Umsetzung
Mit Führungen durch das Kloster und die Alte Schäfflerei wurde der fachliche Austausch direkt mit realen Sanierungs- und Anwendungsfällen vor Ort verknüpft.
In der abschließenden Innovationswerkstatt wurden die Impulse des Fachforums mittels LEGO® Serious Play® in ein gemeinsames Zukunftskonzept übertragen. Die Teilnehmenden entwickelten ein Konzept für eine alpinen Forschungsinfrastruktur mit mehreren Stationen, die unterschiedlichen klimatischen und baulichen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Dabei wurde der Leitgedanke von CrossConnect konkret: Zukunftsfähiges Bauen entsteht durch Materialoffenheit, Wiederverwendung, intelligente Verbindungstechnologien und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem klaren Fokus auf Umsetzung und Skalierung.
Fazit
Das 2. Fachforum CrossConnect machte deutlich: Die Herausforderungen im Bauwesen sind komplex, doch viele Lösungsansätze sind bereits vorhanden.
Entscheidend wird sein, Forschung, Industrie, Planung, Anwendung und Politik noch stärker zu vernetzen und innovative Werkstofflösungen schneller, gezielter und wirtschaftlich in die Baupraxis zu überführen.
Der Spitzencluster MAI Carbon des Composites United e.V. (CU) ist die bayerische Abteilung des CU und entstand 2012 im Rahmen der Spitzenclusterförderung des BMBF und wird noch heute vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert. Seitdem hat sich MAI Carbon zu einem international bekannten Netzwerk mit dem Schwerpunkt multimaterialer Leichtbau und Faserverbundtechnologie entwickelt und vereint ca. 110 Mitglieder aus verschiedenen Branchen. Durch seine intensiven Aktivitäten im Forschungs- und Entwicklungsbereich ist es MAI Carbon mit seinen Partnern gelungen, die Region zu einem global sichtbaren Innovationstreiber zu entwickeln. Weitere wichtige Handlungsfelder sind Internationalisierung, Bildung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit für die Mitglieder.
MAI Carbon
Am Technologiezentrum 5
86159 Augsburg
Telefon: +49 1752139912
http://www.mai-carbon.de
Marketing & Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: verena.draeger@mai-carbon.de
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