Kunst & Kultur

Ökumenischer Friedensweg erinnert an „Blutpfingsten“ von 1626

„Wir gehen einen Weg gemeinsam und halten an Orten an, die verletzt worden sind“, sagte Pastor Andreas Risse von der evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde Hann. Münden bei der vierten von insgesamt fünf Stationen des ökumenischen Weges auf der Rathaustreppe in Hann. Münden. Wieder seien rund 30 Menschen zusammengekommen, um gemeinsam zu erinnern, zu versöhnen und neue Perspektiven für die Gegenwart zu entwickeln.

Ein blutiges Ereignis

Pfingsten 1626 ging als „Blutpfingsten“ in die Geschichte der Stadt ein. Während des Dreißigjährigen Krieges belagerte der katholische Feldherr Graf von Tilly die überwiegend evangelische Stadt Münden, ließ sie tagelang beschießen und schließlich von Soldaten stürmen. Dabei kam es zu einem Massaker an der Bevölkerung.

Dem historischen Gegeneinander setzen heute unterschiedliche Kirchen und Gemeinden einen gemeinsamen Weg des Friedens und der Heilung entgegen. Beteiligt sind die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Gimte-Hilwartshausen und Stadtkirchengemeinde Münden, die evangelisch-reformierte Gemeinde, die römisch-katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth, die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (Adventgemeinde) Hann. Münden, die Kraft-Werk-Kirche Volkmarshausen sowie die Stiftung St. Aegidien-Kirche.

Zeichen für Demokratie, Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Pastor Raimund Baum (Adventgemeinde) begrüßte den Umstand, dass bewusst nicht nur jene Kirchen beteiligt seien, die bereits zur Zeit des Konflikts in Hann. Münden existierten oder deren Konfessionen damals unmittelbar im Streit standen. Vielmehr seien ausdrücklich auch jüngere Freikirchen in das Gedenken einbezogen worden. Gerade darin liege ein wichtiges Zeichen ökumenischer Gemeinschaft. Das gemeinsame Erinnern und Mahnen solle dazu beitragen, dass sich religionsaufgeladene Konflikte und gesellschaftliche Spaltungen nicht wiederholten.

Baum warnte zugleich davor, christliche Kirchen politisch gegeneinander auszuspielen. Nach seinen Worten bemühten sich bestimmte politische Kräfte immer wieder darum, christliche Gruppen gegeneinander in Stellung zu bringen. Dem dürfe aus Sicht der Kirchen nicht nachgegeben werden. Der Friedensweg verstehe sich deshalb auch als öffentliches Zeichen für Demokratie, Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Kunstwerke schaffen Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Bei der Station am Rathaus erläuterte Stadtarchivar Stefan Schäfer die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe der damaligen Zeit. Anwesend war dabei auch der Bürgermeister von Hann. Münden, Tobias Dannenberg. Schäfer verwies auf das prachtvolle Renaissance-Rathaustor, an dem Frieden, Eintracht und Glaube bildlich dargestellt seien. Die Renaissance habe zwar für Aufbruch und neue Erkenntnisse gestanden, zugleich hätten die damaligen gesellschaftlichen und politischen Strukturen erhebliches Konfliktpotenzial in sich getragen.

Pastor Andreas Risse griff anschließend ein Gemälde des Malers Alfred Hesse auf, das die Übergabe der Stadt an Tilly künstlerisch darstellt. Eine solche Machtübergabe werde oft symbolisch als Schlüsselübergabe gezeigt, sagte Risse. Wer die Schlüssel habe, verfüge über Zugang und Gestaltungsmacht. Die entscheidende Frage damals wie heute sei daher: „Wem geben wir die Macht?“

Auch ein neues Kunstwerk soll die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sichtbar machen. Der Künstler Uwe Henze gestaltet ein Bild, das den Bogen vom Grauen des Jahres 1626 zum heutigen ökumenischen Friedensweg spannt.

Die Veranstalter hoffen, dass aus dem gemeinsamen Erinnern beim ökumenischen Friedensweg langfristig neue Formen des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden entstehen.

Weitere Informationen zum Gedenken sowie ein historischer Rundgang durch die Altstadt von Hann. Münden zum Thema „Blutpfingsten“ sind online verfügbar: https://goettingen-muenden.de/aktuelles/2026_presse/20260511_OekumenischerWeg

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