Kooperationen / Fusionen

Fraunhofer IISB und PVA TePla gründen Joint Lab für Aluminiumnitrid-Substrate

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB und die PVA TePla AG bündeln ihre Kompetenzen zur Herstellung von Aluminiumnitrid-Kristallen (AlN) in einem neuen Joint Lab. Die Partnerschaft ermöglicht erstmalig in Europa eine industriell unterstützte Kleinserienproduktion von einkristallinen AlN-Substraten mit einem Durchmesser von 2 Zoll für Forschungs- und Entwicklungszwecke. Damit verbessert sich die Verfügbarkeit von AlN-Substraten im europäischen Raum signifikant, was wiederum die Entwicklung AlN-basierter Bauelemente und Systeme und deren Überführung in industrielle Anwendungen beschleunigt.

Aluminiumnitrid zählt zu den aussichtsreichsten Materialien für die nächste Generation leistungsstarker Elektronik. Als Ultra-Wide-Bandgap-Halbleiter (UWBG) eröffnet AlN neue Möglichkeiten in der Photonik, in der Leistungselektronik, in der Hochfrequenzelektronik sowie für Elektronik unter extremen Einsatzbedingungen. Bislang bremst der Mangel an qualitativ hochwertigen, großflächigen und kostengünstigen AlN-Substraten die Entwicklung AlN-basierter Elektroniksysteme.

»Mit dem Joint Lab schaffen wir die Grundlage, AlN-Substrate aus Europa verlässlich verfügbar zu machen und eröffnen damit neue Perspektiven für die nächste Generation leistungsfähiger AlN-Bauelemente«, sagt Dr. Sven Besendörfer, Gruppenleiter Nitridmaterialien und verantwortlich für die AlN-Materialentwicklung am Fraunhofer IISB. »Gemeinsam mit PVA TePla bringen wir unsere Expertise in die industrielle Kristallzüchtung ein und schaffen so die Voraussetzungen für den Transfer in konkrete Anwendungen.«

Bewährte Anlagentechnik trifft proprietäres Prozess-Know-how

Im Joint Lab setzt das Fraunhofer IISB seine entwickelte proprietäre PVT-Prozesstechnologie (Physical Vapor Transport) zur Herstellung von 2-Zoll-AlN-Volumenkristallen ein. Dabei wird AlN-Pulver in einem Tiegel bei Temperaturen deutlich über 2000 °C verdampft und an einem Keimkristall abgeschieden. PVA TePla stellt hierfür PVT-Anlagen zur Verfügung, die für Siliziumkarbid-Kristalle (SiC) mit 8-Zoll Durchmesser bereits weltweit im Einsatz sind und nun speziell für die Züchtung von 2-Zoll-AlN-Kristallen adaptiert wurden. Dank des vom Fraunhofer IISB eingebrachten Prozess-Know-hows konnte das Team von PVA TePla innerhalb kurzer Zeit befähigt werden, AlN-Kristalle in vergleichbarer Qualität in den eigenen Anlagen herzustellen.

Das Joint Lab fokussiert sich auf die stabile Kleinserienproduktion von 2-Zoll-AlN-Kristallen. Die Produktion wird nun schrittweise hochgefahren, um Prozessstabilität, Reproduzierbarkeit, Ausbeute und Kostenstrukturen systematisch zu optimieren.

»Mit Aluminiumnitrid gestalten wir die nächste Technologiegeneration nach SiC aktiv mit«, erklärt Dr. Jan Pfeiffer, Vice-President R&D bei PVA TePla. »Durch das Joint Lab können wir unsere Anlagenkompetenz unmittelbar mit dem Prozess-Know-how des Fraunhofer IISB verknüpfen und so frühzeitig marktnahe Lösungen für unsere weltweiten Kunden anbieten. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Marktentwicklung im Bereich AlN durch geeignete Substrate anzuregen und Unternehmen, die in diesen Bereich einsteigen wollen, als Technologiepartner mit passenden Anlagen und entsprechendem Prozess-Know-how zu unterstützen.«

Stärkung der europäischen Technologiesouveränität durch industrielle Skalierung

Die im Joint Lab hergestellten AlN-Kristalle werden am Fraunhofer IISB zu epi-ready AlN-Substraten weiterverarbeitet und über die LZE GmbH gezielt in industrielle Entwicklungs- und Skalierungsprozesse überführt. »Für Europas Halbleitersouveränität ist entscheidend, dass neue Schlüsselmaterialien nicht nur entwickelt, sondern auch zügig in industrielle Anwendungen und skalierbare Wertschöpfung überführt werden. Die LZE GmbH ermöglicht mit ihrem Marktplatz für Spitzentechnologien den weltweit einmaligen und offenen Zugang zu AlN-Substraten für Unternehmen und Forschungseinrichtungen.«, sagt Dr. Christian Forster, Geschäftsführer der LZE GmbH.

Parallel dazu treibt das Fraunhofer IISB bereits die Entwicklung einer 4-Zoll- und perspektivisch 6-Zoll-AlN-Technologie voran. Das Joint Lab legt damit den Grundstein für eine mittel- bis langfristige Skalierung der Substratgrößen in Richtung industriell relevanter Formate. Die Partnerschaft verfolgt darüber hinaus das strategische Ziel, Kompetenzen in der Ultra-Wide-Bandgap-Technologie in Europa zu bündeln, Abhängigkeiten bei Schlüsselmaterialien zu reduzieren und die technologische Souveränität Europas im Halbleiterbereich nachhaltig zu stärken.

Über Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB zählt zu den führenden europäischen Forschungseinrichtungen für Wide-Bandgap-Halbleiter und leistungselektronische Systeme. Dabei bedient es die vollständige Wertschöpfungskette der Leistungselektronik. Das Spektrum reicht von Kristallen und Substraten über Halbleiterbauelemente und Prozesstechnologien, leistungselektronische Module und Komponenten bis zu kompletten Elektronik- und Energiesystemen. Zentrale Anwendungsfelder sind Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt, nachhaltige Energieversorgung und zivile Sicherheit. Mit seinen Lösungen setzt das Institut immer wieder Benchmarks in Energieeffizienz und Leistungsfähigkeit, auch für extreme Betriebsbedingungen. Die Integration intelligenter datenbasierter Funktionalitäten erschließt dabei kontinuierlich neue Anwendungsszenarien. So unterstützt das IISB weltweit Kunden und Partner, Forschungsergebnisse in wettbewerbsfähige Produkte zu transferieren. Ca. 350 Mitarbeitende sind an den Standorten des IISB tätig: dem Hauptsitz in Erlangen, dem E|Road-Center im Cleantech Innovation Park in Hallstadt, im BioCity Campus in Leipzig und am Fraunhofer-Technologiezentrum Hochleistungsmaterialien THM in Freiberg.

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