„Alle sind willkommen“ reicht nicht: Sarah Vecera legt rassismuskritisches Praxisbuch für Gemeinden vor
Kirchengemeinden als Orte der Begegnung
Laut Polarisierungsbarometer 2025 des Mercator Forums Migration und Demokratie an der TU Dresden nehmen mehr als 81 Prozent der Menschen in Deutschland die Gesellschaft als gespalten wahr. Die Mitte-Studie 2025 der Friedrich-Ebert-Stiftung nennt fehlende Orte der Begegnung als eine zentrale Ursache. Kirche hat solche Orte, von der Kita bis zum Seniorenkreis. Das Praxisbuch zeigt, wie Gemeinden sie nutzen können.
„Nach über 150 Lesungen habe ich gemerkt: Ich kann nicht in jede Gemeinde fahren“, sagt Vecera. „Und es darf nicht so sein, dass ohne mich niemand über Rassismus redet. Gemeinden können das selbst. Synoden, Pfarrkonvente und Vikariatskurse fragen nach Handwerkszeug. Das liefert dieses Buch.“
Sieben Einheiten von Jesusbildern bis zur Mission
Sieben Einheiten führen von Jesusbildern und Rassismusgeschichte über strukturellen Rassismus und eigene Prägungen bis zu Intersektionalität, Ökumene und Mission. Der erste Teil dient der eigenen Reflexion, der zweite der Arbeit in Gruppen wie Hauskreisen, Teams, Konfirmand*innengruppen oder Kirchenvorständen. Hinzu kommen zwei Entwürfe für Gottesdienst und Bibelarbeit, Körperübungen und Gesprächsvereinbarungen. Kopiervorlagen stehen unter rassismusundkirche.de zum Download bereit; für Gruppenleitungen gibt es begleitende Webinare. Vorkenntnisse aus dem ersten Buch sind nicht nötig.
Das Buch greift Szenen aus dem Gemeindealltag auf: Beim Geburtstagskaffee fällt ein abwertender Satz über „die Ausländer“, mehrere nicken, eine Person verstummt. In der Konfirmand*innengruppe kursiert ein Meme mit rassistischer Karikatur. Die Leserinnen üben: Was ist mein erster Satz? Was braucht die Person, die verstummt? Was ändern wir, damit es nicht wieder geschieht?
Räume, so sicher wie möglich
Einen Schwerpunkt legt Vecera auf Haltung und Atmosphäre. Sie verspricht keinen geschützten Raum, sondern beschreibt, wie Gruppen einen Raum so sicher wie möglich gestalten und mit Verletzungen umgehen: mit Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und benannten Awareness-Personen. Das Buch benennt ausdrücklich, dass Safer Spaces und Awareness aus Schwarzen und queeren Bewegungen stammen. Ebenso klar wird Kursarbeit von Therapie abgegrenzt.
„Wir sind alle rassistisch sozialisiert, ich eingeschlossen“, sagt Vecera. „Wer sich beschämt fühlt, macht zu. Deshalb brauchen wir Räume, in denen Menschen ehrlich werden dürfen, ohne vorgeführt zu werden. Kirche hat diese Räume. Sie nutzt sie zu selten.“
Kursplanung und Podcast
Gemeinden, die zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 5. bis 21. März 2027 einen Kurs anbieten möchten, können jetzt mit der Planung beginnen.
Im VEM-Podcast „Stachel & Herz“ spricht Sarah Vecera mit Thea Hummel, Leiterin der Abteilung Advocacy der VEM, über das Buch: Folge 143 „Wie ist Jesus weiß geworden? Das Praxisbuch“.
Zum Buch
Sarah Vecera: Wie ist Jesus weiß geworden? Das Praxisbuch. Patmos Verlag 2026. 144 Seiten, Paperback, durchgehend vierfarbig. 19 Euro (D), 19,60 Euro (A). ISBN 978-3-8436-1678-2
Zur Autorin
Die Theologin ist ausgebildete Antirassismus- und Empowermenttrainerin bei Phoenix e.V. Ihr Buch „Wie ist Jesus weiß geworden? Mein Traum von einer Kirche ohne Rassismus“ (2022) wurde zum Bestseller. Sie gestaltet den Podcast „Stachel & Herz“ und ist auf Instagram unter @moyo.me aktiv. Sarah Vecera steht für Interviews und Gastbeiträge zur Verfügung.
Rezensionsexemplare
Patmos Verlag, Presse: Birgit Berg-Becker, birgit.berg-becker@verlagsgruppe-patmos.de, Tel. 0711 4406-168
Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Büros in Wuppertal, Indonesien und Tansania ist eine internationale, gleichberechtigte Gemeinschaft von 39 Mitgliedern, darunter 32 evangelische Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutsche EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die VEM verfolgt konsequent ein ganzheitliches Missionsverständnis. Dazu gehört, die Lebensumstände notleidender und benachteiligter Menschen unter Achtung ihrer persönlichen Würde und Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts zu verbessern.
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