Klimaschutz ohne hohe Kosten – Contracting macht’s möglich
„Angesichts der Komplexität des Themas ist es entscheidend, Wissen zu bündeln und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen“, erklärt Hermann Dannecker, Ehrenvorsitzender des DEN. „Gemeinsam müssen wir Kommunen zeigen, wie gutes Contracting Klimaschutz finanzierbar macht. Als Netzwerk von Energieberater/innen ist es uns ein Anliegen, die Energiewende effizient und bezahlbar voranzubringen. Unsere Mitglieder können Kommunen fachlich begleiten, sie als unabhängige Sachverständige mit Blick auf die Auswahl geeigneter Angebote beraten.“
Wie komplex ein ausgearbeitetes Contracting-Projekt und mithin eine vorherige gute Beratung aussieht, hat der Besuch in Offenbach gezeigt. „Rockywood“ befindet sich in Sichtweite des Offenbacher EVO-Heizkraftwerkes. Von hier wird der Komplex zur Hälfte mit Wärme versorgt, die andere Hälfte steuert das Müllheizkraftwerk des Unternehmens bei. Diese „klimaneutrale Fernwärme“ macht jedoch nur einen Teil des sektorengekoppelten Systems aus. Das Projekt umfasst neben Kälte- und PV-Stromerzeugung auch Energiemonitoring, Mittelspannungstechnik für die Versorgung der E‑Ladestationen sowie eine raumlufttechnische Anlage mit Wärmepumpe. All‘ diese Komponenten sind Teil eines Energieliefer-Contractings.
„Ein nicht alltägliches und recht komplexes Projekt“ nennt es denn auch MVV-Key-Account-Manager Pierre van Veldhoven. Ungewöhnlich ist die Architektur des Hybridhauses „Rockywood“, die auch namensgebend war: Der größere, L‑förmige Teil des Gebäudekomplexes besteht aus Holzmodulen in Stapelbauweise. Insgesamt 2.600 m3 Holz seien verbaut worden, was fast 2.400 t gespeichertem CO2 entspreche, so van Veldhoven. In diesem Gebäudeteil befinden sich vor allem Büros. Der zweite Teil des Ensembles, ein schwarzer, durch große Fensterflächen geprägter Kubus in klassischer Beton-Bauweise, bietet sich unter anderem für Veranstaltungen an. Aber auch in ihm spielt Holz eine Rolle. Auf den Dächern der Gebäudeteile befinden sich PV-Module, Kälteerzeugungs- und Lüftungsanlagen mit der dazugehörigen Wärmepumpe.
Dass sich Contracting-Lösungen nicht nur für ambitionierte und hoch moderne Neubauprojekte wie „Rockywood“ anbieten, erläuterte Dave Welmert in seinem Vortrag. Der Leiter Politik und Kommunikation des vedec konzentrierte sich dabei auf das Energieliefer-Contracting. Dieses biete sich insbesondere bei der Wärmeversorgung an, wenn mögliche Kunden weder über das nötige Kapital für moderne Heizanlagen, noch über das nötige Knowhow, die Zeit und das Personalverfügten. Contractoren würden diese Defizite auffangen und als Energieexperten durch Optimierungsprozesse deutliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile erzielen. Der Kunde investiere insofern nicht in technische Anlagen, sondern zahle für die bezogene Nutzenergie. Insbesondere mit Blick auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger sei dies aus Kundensicht sehr interessant. Auch für die gewerbliche Seite biete Contracting weitere Kostenvorteile sowie eine umfassende Kontrolle über die Energiekosten, so Welmert, dessen Verband seit drei Jahrzehnten existiert und inzwischen rund 250 Mitgliedsunternehmen zählt.
„Rockywood“ sei sicherlich ein Ausnahmebauwerk, welches mit Blick auf Energieeffizienz-Maßnahmen zeige, welches Potential durch Contracting gehoben werden könne, findet Ralf Enneking, Koordinator des DEN-Kompetenzteams „Contracting“: „Das verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit von Contracting-Unternehmen und Energieberater/innen – auch im Gebäudebereich –fruchtbar und sinnvoll ist.“
Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. ist ein Zusammenschluss über 1.200 Ingenieur/innen, Architekt/innen und Techniker/innen. Alle Mitglieder verbindet das gemeinsame Arbeitsgebiet der Beratungs- und Planungsleistungen zur effizienten Energienutzung und Einsatz von erneuerbaren Energien im Gebäudebestand, der Wohnungswirtschaft, Gewerbe und Industrie sowie für Kommunen. Ihre Beratung erbringen sie neutral und unabhängig.
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