Verbraucher & Recht

BRS-Positionspapier zu Neuen Züchtungsmethoden – Schutz und Zulassung gleichermaßen ermöglichen

Im Anschluss an die Mitgliedergruppensitzungen des Bundesverbandes Rind und Schwein e. V. (BRS) am 14. April in Berlin stand ein Thema im Fokus, dem sich auch die Tierzucht nicht verschließen kann: Dem Einsatz neuer genomischer Techniken (NGTs) in der Nutztierzüchtung. Vertreterinnen und Vertreter aus Zucht, Wissenschaft und Praxis diskutierten intensiv über Chancen, Risiken und notwendige politische Rahmenbedingungen.

Im Mittelpunkt stand das vom BRS gemeinsam mit Vertretern aller Mitgliedergruppen erarbeitete Positionspapier zum zukünftigen Umgang mit NGTs in Deutschland und Europa. Inhaltlich konzentriert sich die Positionierung an der Notwendigkeit zur Erarbeitung eines klaren rechtlichen Rahmens. Dieser muss sowohl die Wahlfreiheit bei der Anwendung auf der Grundlage einer risikobasierten, differenzierten Regulierung von NGTs ermöglichen als auch den Schutz der Nutztierhalter und Zuchtverbände gewährleisten, für die die verschiedenen Verfahren im Rahmen der NGT-Nutzung grundsätzlich keine zuchttechnische oder zuchtethische Option darstellen. Der BRS hatte deshalb bei der Zusammenstellung des Gremiums, das sich mit der Ausarbeitung des Papiers befasste, ganz bewusst die gesamte Breite der züchterischen Philosophien integriert und somit sowohl Vertreter der ökologischen als auch der international agierenden konventionellen Tierzucht an einen Tisch gebracht. Das Positionspapier soll also nicht nur das positive Potenzial für die Tierzucht in Punkto Tierwohl und Tiergesundheit rechtlich nutzbar machen, sondern auch einen rechtlich verbindlichen Schutz für Landwirte und Verbände ermöglichen, die auch zukünftig NGT-frei züchten werden.

Internationaler Wettbewerbsdruck wächst
In vielen Ländern der Welt, insbesondere aber in Staaten wie China oder den USA, wird intensiv in die Forschung, Entwicklung und Anwendung neuer genomischer Techniken investiert, während in Europa aufgrund hoher gesetzlicher Hürden lediglich sehr eingeschränkte Forschungsaktivitäten zu verzeichnen sind. Gleichzeitig existieren rechtliche Grauzonen, die einen kontrollierbaren Schutz der europäischen Märkte vor Importprodukten von genomeditierten Tieren genauso wenig gewährleisten, wie sie das Potenzial neuer Züchtungsmethoden hinsichtlich der Entwicklung von beispielsweise Tiergesundheit nutzbar machen.

Potenziale neuer Züchtungsmethoden differenziert betrachten
Im Rahmen der Diskussion wurde deutlich, dass neue genomische Techniken konkrete Potenziale für die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung bieten können. So ermöglichen gezielte genetische Anpassungen beispielsweise Fortschritte bei der Krankheitsresistenz, Hitzetoleranz oder der Entwicklung allergenarmer Produkte wie Milch.

Dabei wurde hervorgehoben, dass es sich bei einem Großteil der diskutierten Verfahren nicht um klassische Gentechnik im Sinne des Einbringens tierartfremder DNA handelt. Vielmehr geht es um präzise Veränderungen einzelner Basenpaare (Punktmutationen), wie sie auch natürlicherweise im Genom auftreten können. Verfahren wie CRISPR/Cas ermöglichen es, solche Veränderungen gezielt und effizient herbeizuführen.

Diese Formen der Genomeditierung sind nach wissenschaftlicher Einschätzung von natürlich entstandenen Mutationen nicht zu unterscheiden und bergen keine zusätzlichen Risiken gegenüber konventionellen Züchtungsmethoden.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine sachliche und differenzierte Betrachtung dieser Technologien notwendig ist, um ihr Potenzial für Tierwohl, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz verantwortungsvoll nutzen zu können.

Wettbewerbsfähigkeit im Fokus
Im Rahmen der Diskussion wurde deutlich, dass es dem BRS nicht um ein „Für oder Gegen“ einzelner Technologien geht, sondern um die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Nutztierhaltung.

„Es geht uns ausdrücklich nicht um ein pauschales Pro oder Contra bezüglich einer Zulassung der NGT-Nutzung“, betonte Stephan Schneider, stellvertretender Geschäftsführer des BRS. „Die Verfahren der Genomeditierung werden die Tierzucht und die Märkte weltweit beeinflussen – unabhängig davon, ob wir sie in Deutschland einsetzen oder nicht. Entscheidend ist daher, dass wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Zukunft der Nutztierhaltung aktiv zu gestalten.“

Der BRS setzt sich dafür ein, den Umgang mit NGTs von Beginn an verantwortungsvoll, wissenschaftsbasiert und differenziert zu regeln. Ziel ist es, die Innovationsfähigkeit der Branche zu erhalten und gleichzeitig Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Nur so kann die Nutztierhaltung in Deutschland auch künftig eine tragfähige Perspektive behalten.

Forderungen des BRS im Überblick
1. Wahlfreiheit bei der Anwendung von NGTs auf Grundlage einer risikobasierten, differenzierten Regulierung
2. Harmonisierung zur Gleichstellung bestimmter NGT-Verfahren mit konventionellen Zuchtmethoden
3. Zulassung von Nutztieren aus Drittländern erst nach marktreifen europäischen Entwicklungen
4. Transparente Kennzeichnungs- und Dokumentationssysteme
5. Stärkung von Forschung und Praxistransfer
6. Politische Unterstützung für Innovationen und Verbraucherinformation
7. Keine Patente auf Nutztiere

Spannungsfeld zwischen Innovation und gesellschaftlichen Erwartungen
Der Austausch der Mitglieder zeigte unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Branche. Während neue Technologien für einen großen Teil der Branchenvertreter Chancen bieten, bestehen in anderen Teilen der Tierzucht weiterhin Vorbehalte.

Einigkeit bestand jedoch darin, dass transparente Regelungen notwendig sind, um Planungssicherheit zu schaffen.

Zukunft der Tierzucht aktiv gestalten
Die Diskussion machte deutlich, dass neue genomische Techniken ein wichtiges Instrument für die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung sein können. Gleichzeitig erfordert ihr Einsatz klare politische Entscheidungen.

Der BRS wird den notwenigen politischen und fachlichen Diskurs rund um das Thema NGT in der Nutztierzucht weiter aufrechterhalten und sich an der Arbeit zur Gestaltung tragfähiger rechtlicher Rahmenbedingungen intensiv einbringen.

Über Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS)

Der Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS) ist der Dachverband für die deutsche Rinder- und Schweineproduktion. Aufgabe des Bundesverbandes ist es, die deutsche Tierzucht und Tierhaltung – insbesondere für die Tierarten Rind und Schwein – zu fördern. Ziel ist der Erhalt der deutschen Tierhaltung, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsorganisationen sowie die Unterstützung bei der nachhaltigen Erzeugung qualitativ hochwertiger Produkte. Der Bundesverband versteht sich als Mittler zwischen den Interessen der Mitglieder und Dritten (Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und anderen Fachverbänden) auf nationaler und internationaler Ebene.

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