Gesundheit & Medizin

Deutsche Akademie für Präventivmedizin fordert mindestens 20 Euro pro Schachtel Zigaretten

Die Deutsche Akademie für Präventivmedizin e.V. (DAPM) for­dert eine drastische Verschärfung der deutschen Tabakpolitik. Der Preis für eine Schachtel Zigaretten sollte nach Auffassung der Akademie auf mindestens 20 Euro stei­gen. Begleitend fordert die DAPM eine konsequente Bekämpfung des illegalen Tabak­handels, ein vollständiges Werbeverbot für Tabak- und E-Zigaretten sowie wirksame Programme zur Tabakentwöhnung.

„Deutschland versagt seit Jahren bei der Tabakprävention“, erklärt DAPM-Präsident Dr. med. Johannes Scholl. „Während Länder wie Australien, Neuseeland oder Großbritan­nien die Zahl der Rauchenden deutlich reduziert haben, liegt Deutschland im europäi­schen Tobacco-Control-Ranking weiterhin nur im hinteren Mittelfeld.“

Nach Auffassung der DAPM ist die Tabakpolitik jedoch nur ein Beispiel für ein grundsätz­liches Problem des deutschen Gesundheitswesens. Obwohl 70 bis 80 Prozent der Ge­sundheitsausgaben auf chronische Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabe­tes, Demenz und Pflegebedürftigkeit entfallen, werde Prävention weiterhin unzu­rei­chend gefördert.

Die Forderung nach einem Zigarettenpreis von 20 Euro pro Schachtel ist Teil eines umfangreichen gesundheitspolitischen Positionspapiers der Deutschen Akademie für Präventiv­medizin mit dem Titel:

„Deutschland belohnt Krankheit statt Gesundheit – Die Bedeutung der Prävention für die nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens“.

Das Positionspapier kann unter www.akaprev.de heruntergeladen werden.

„Wir investieren enorme Summen in die Behandlung vermeidbarer Erkrankungen, schaffen aber zu we­nige Anreize, diese Erkrankungen überhaupt zu verhindern“, so Scholl.

Die DAPM verweist darauf, dass jährlich Hunderttausende Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Demenz durch wirksame Präventionsmaßnahmen vermieden werden könnten.

Dennoch würden familiäre Hochrisikokonstellationen häufig nicht erkannt, Risikofak­toren wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen unzu­reichend oder zu spät behandelt und die Diabetesprävention sträflich vernachlässigt. Durch bessere Prä­vention könnten auch viele Fälle von Pflegebedürftigkeit frühzeitig in ihrer Entwicklung aufgehalten werden.

Die DAPM hat als Fortbildungsakademie vor 20 Jahren die Zusatzqualifikation zum Präventivmediziner DAPM etabliert und damit eine Lücke im Fortbildungskatalog für Ärztinnen und Ärzte geschlossen. Sie fordert auf Basis der wissenschaftlichen Evidenz eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Gesundheits­politik.

Prävention müsse für Krankenkassen, Leistungserbringer und Versicherte wirt­schaftlich attraktiv werden. Hausarztpraxen sollten stärker als Zentren der Risikofrüh­erkennung gefördert und Hausärztinnen und -ärzte in Präventivmedizin weiterqualifiziert werden.

Gleichzeitig brauche Deutschland nationale Strategien zur Prävention von Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Demenz und Pflegebedürftigkeit mit klar definierten Zielen.

„Steigende Krankenkassenbeiträge lassen sich langfristig nicht allein durch Sparpro­gramme oder neue Finanzierungsmodelle beherrschen“, sagt Scholl. „Die wirksamste Gesundheitsreform wäre, weniger Menschen krank werden zu lassen.“

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