Dr. Reuter Investor Relations – Von Sydney bis München: Wie Frequentis mit digitalen Flugtowern weltweit neue Standards für die zivile und militärische Infrastruktur setzt
Die Modernisierung der Flugsicherung entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Infrastrukturthema. Während Staaten weltweit in neue Flughäfen, die Luftverteidigung und resiliente Kommunikationsnetze investieren, wächst gleichzeitig die Nachfrage nach digitalen Kontrollturm-Lösungen. Der europäische Luftraum steht dabei unter erheblichem Modernisierungsdruck, und die europäische Flugsicherungsorganisation EUROCONTROL treibt über das SESAR-Programm digitale Initiativen voran, um Kapazitätsengpässe und den akuten Lotsenmangel im Luftraum durch Automatisierung und vernetzte Systeme zu bewältigen.
Der österreichische Technologiekonzern Frequentis AG (ISIN: ATFREQUENT09; WKN: A2PHG5) zählt bei diesem technologischen Wandel zu den internationalen Vorreitern. Mit seiner Produkt-Plattform TowerX und dem umfassenden Digital-Tower-Portfolio ist das Unternehmen an Projekten beteiligt, die von zivilen Drehkreuzen über regionale Netzwerke bis hin zu militärischen Einsatzszenarien reichen.
Australien als Schaufenster der nächsten Tower-Generation
Ein zentrales Beispiel für die weltweite Transformation der Flugsicherung entsteht in Australien. Am neuen Western Sydney International Airport (WSI) setzt Airservices Australia auf digitale Tower-Technologien von Frequentis als tragende Säule des gesamten Betriebsmodells. Das Projekt gilt als technologische Blaupause für die Region Asien-Pazifik. Statt einer klassischen Tower-Infrastruktur kommen moderne digitale Arbeitsplätze zum Einsatz. Das System führt sämtliche relevanten Betriebsdaten in einer integrierten Umgebung zusammen, um die Sicherheit und Effizienz zu erhöhen und Grundlagen für zukünftige Automatisierungsfunktionen zu schaffen. Australien etabliert damit die digitalen Tower-Technologien als langfristigen Bestandteil seiner nationalen Luftverkehrsinfrastruktur.
Norwegen: Remote Towers für Regional-Standorte
Auch in Europa gewinnt das Remote-Tower-Konzept an Bedeutung, um Verkehrsnetzwerke flexibler zu steuern. In enger Partnerschaft mit dem norwegischen Flughafenbetreiber Avinor wird eine fortschrittliche, automatisierte Tower-Lösung am Flughafen Oslo sowie an bis zu 14 Regionalflughäfen implementiert. Das System integriert Flugdaten, Überwachung und Sicherheitswerkzeuge. Zudem führt es hochmoderne Funktionen wie digitales Abflugmanagement und Remote-Tower-Fähigkeiten ein.
Die neue Infrastruktur erfüllt die europäischen „Common Project One“-Standards und hebt die über 20-jährige Zusammenarbeit beider Partner auf ein neues Niveau, um die Sicherheit, Effizienz und Skalierbarkeit des norwegischen Flugverkehrs langfristig zu sichern.
Das Hub-Szenario: Validierung am Flughafen München
Doch digitale Konzepte werden zunehmend auch für internationale Großflughäfen mit hochkomplexen Verkehrsstrukturen evaluiert. Dies zeigt ein aktuelles Projekt in Deutschland. Das Gemeinschaftsunternehmen FREQUENTIS DFS AEROSENSE installiert am Flughafen München ein Validierungssystem für einen virtuellen Tower für die Zeit der Tower-Renovierung.
In der dortigen Niederlassung der DFS Deutschen Flugsicherung wird die Technologie unter realen Bedingungen getestet. Hochauflösende 360-Grad- und Schwenk-Neige-Kameras auf dem bestehenden Tower streamen Livebilder in einen Remote-Kontrollraum. Ziel des Projekts ist es zu prüfen, wie digitale Systeme komplexe Abläufe an einem stark frequentierten Großflughafen unterstützen können. Für den Betreiber bietet dies zudem eine funktionale Redundanz- und Ausweichlösung bei zukünftigen Sanierungsarbeiten am physischen Tower.
TowerX als technologische Klammer
Im Hintergrund dieser weltweiten Projekte steht eine einheitliche digitale Architektur. Mit TowerX führt Frequentis bislang getrennte Tower-Anwendungen innerhalb einer serviceorientierten Produkt-Plattform zusammen. Flugplandaten, Überwachungssysteme, Wetterinformationen, Videobilder und Vorfeldmanagement werden über eine gemeinsame technologische Basis integriert. Die Produkte von TowerX basieren auf der digitalen Integrations-Plattform MosaiX und unterstützt sowohl klassische Tower als auch Remote-Tower-Umgebungen. Dadurch können Flugsicherungsorganisationen neue Funktionen schrittweise einführen, ohne bestehende Systeme vollständig ersetzen zu müssen. Die Architektur skaliert dabei von Regionalflughäfen bis hin zu internationalen Hubs.
Warum das Militär zunehmend auf digitale Tower setzt
Parallel zum zivilen Sektor entwickelt sich der Verteidigungsbereich dynamisch. Mit steigenden Verteidigungsausgaben in Europa, Nordamerika und Asien wächst der Bedarf an resilienten Flugsicherungssystemen. Frequentis positioniert seine Digital-Tower-Technologie gezielt für militärische Anwendungen und mobile Einsatzszenarien.
Der wesentliche Vorteil liegt in der räumlichen Trennung von Sensorik und Arbeitsplatz. Kameras, Radar- und Überwachungssysteme verbleiben an exponierten Positionen am Rollfeld, während die Fluglotsen aus geschützten Einrichtungen heraus operieren. Dies erhöht die Sicherheit des Personals und die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen. Zudem führt das System unterschiedliche optische, thermische und Radar-Sensordaten (Sensordatenfusion) in einem gemeinsamen Lagebild zusammen, was die Situational Awareness in komplexen militärischen Umgebungen verbessert.
Das Konzept der sogenannten Deployable Digital Towers (also mobile Digital Remote Towers) erweitert diese Flexibilität. Hierbei handelt es sich um mobile, verlegbare digitale Tower-Systeme, die innerhalb kurzer Zeit an temporären Flugplätzen, Einsatzbasen oder in Krisengebieten einsatzbereit sind. Während konventionelle mobile Kontrolltürme Einschränkungen bei Sicht, Schutz und Arbeitskomfort aufweisen, bietet der digitale Ansatz auch im Feld einen vollwertigen Flugsicherungsbetrieb unter schwierigen Bedingungen. Vor dem Hintergrund steigender Verteidigungsbudgets und einer stärkeren Fokussierung auf resiliente Infrastruktur rücken verlegbare Tower-Lösungen somit zunehmend in den Fokus vieler Streitkräfte.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Frequentis Defense hat gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium militärische Digital-Tower-Anwendungen erfolgreich erprobt und inzwischen die erste operative digitale Flugsicherungslösung des US Department of Defense in Betrieb genommen. Die Anlage wird von der US Army in Deutschland genutzt und kombiniert hochauflösende 4K- und Wärmebildkameras, Radarintegration sowie ein digitales 360-Grad-Lagebild. Darüber hinaus absolvierte Frequentis zusammen mit der US Air Force Flight Standards Agency und dem Naval Information Warfare Center Atlantic umfangreiche Tests mit festen und verlegbaren Digital-Tower-Systemen an mehreren US-Luftwaffen- und Marinebasen in Florida, Georgia und Texas. Die Projekte unterstreichen, dass digitale Tower-Technologien längst nicht mehr nur als Zukunftskonzept gelten, sondern zunehmend Bestandteil der Modernisierung militärischer Flugsicherung in den USA werden.
Die internationale Entwicklung zeigt, dass digitale Tower-Lösungen weit über die klassische Modernisierung von Kontrolltürmen hinausgehen. Ob am neuen Western Sydney International Airport, im rauen Klima Grönlands oder im Rahmen komplexer Validierungen an Hubs wie dem Flughafen München – die Technologie etabliert sich als zentraler Baustein moderner ziviler und militärischer Luftverkehrsinfrastrukturen.
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