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„Maria-Weber-Grants“ verliehen
Die Hans-Böckler-Stiftung unterstützt mit Fördermitteln herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten bei ihrer Hochschulkarriere. Die "Maria-Weber-Grants" geben drei Hochschulbeschäftigten die Möglichkeit, sich für einige Zeit stark auf ihre Forschungsarbeit zu konzentrieren – eine wesentliche Voraussetzung dafür, um eine feste Professur zu erhalten. Die jetzt zum dritten Mal verliehenen Grants dienen dazu, für ein bis zwei Semester eine Teilvertretung für die Lehrverpflichtungen der Geförderten zu finanzieren. Dafür wendet das Begabtenförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes 120.000 Euro im Jahr auf. "Maria-Weber-Grants" werden jährlich ausgeschrieben und richten sich an Habilitanden sowie Juniorprofessorinnen und -professoren aller Fachrichtungen. Die Corona-Krise wirkt sich auf die "Maria-Weber-Grants" 2020 zweifach aus. Zum einen verhindert der notwendige Infektionsschutz, dass…
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Gutachten von WSI und IMK
Einführung und Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns haben seit 2015 die Einkommenssituation von Millionen Menschen in Deutschland verbessert, von denen nicht wenige in „systemrelevanten“, aber niedrig bezahlten Berufen arbeiten. Gleichzeitig hat sich der starke Zuwachs der Erwerbstätigkeit über Jahre fortgesetzt (siehe auch die Grafiken 1 und 2 in derr pdf-Version dieser PM; Link unten). Der Mindestlohn hat dadurch die private Konsumnachfrage spürbar unterstützt, die in den vergangenen Jahren wesentlich zum Wirtschaftswachstum in Deutschland beigetragen hat. Solche positiven Impulse sind zur Bewältigung der aktuellen Corona-Krise besonders wichtig. Deshalb ist eine schrittweise Anhebung des Mindestlohns auf ein Niveau von 12 Euro ökonomisch und sozial weiterhin absolut vernünftig. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des…
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Crowdwork im Unternehmen: Die Regeln müssen stimmen
Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber können von interner Crowdwork profitieren. Es braucht aber klare Regeln, damit das funktioniert und Beschäftigte nicht unter Mehrbelastung leiden, in der Freizeit arbeiten müssen oder sich das Betriebsklima durch zunehmenden Konkurrenzdruck verschlechtert. Das zeigt eine aktuelle, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte und vom Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Universität Kassel durchgeführte Studie.* In der modernen Arbeitswelt ist Crowdwork auf dem Vormarsch. Dabei werden Aufgaben online über einen offenen Aufruf an eine größere Anzahl von Bearbeitern vergeben. Eine Variante davon ist die sogenannte interne Crowdwork: Unternehmen rufen die eigene Belegschaft auf, sich auf IT-basierten Plattformen um Arbeitsaufträge zu bewerben. Die Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Jan Marco Leimeister, Dr. David Durward…
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Gleichstellung: Gesetzliche Geschlechterquote in Deutschland aktuell nur auf Rang 10 im Europa-Vergleich
Zehn Länder in Europa verfügen über gesetzlich bindende Regeln, um in Führungsgremien von Unternehmen für eine ausgewogenere Beteiligung von Männern und Frauen zu sorgen. Unter diesen zehn ist die gesetzliche Geschlechterquote in Deutschland aktuell die schwächste. Das ergibt eine neue Analyse des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung.* Die deutsche Position im Ranking könnte sich spürbar verbessern, wenn der Geltungsbereich der Geschlechterquote in dreifacher Hinsicht ausgeweitet würde: Statt wie bisher nur die Unternehmen gesetzlich zu verpflichten, die zugleich börsennotiert sind und einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat haben, könnte Deutschland die Quotenpflicht auf alle börsennotierten und staatlich kontrollierten Unternehmen ausdehnen – so wie in mehreren anderen Ländern auch. Damit könnte…
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Neue Werte: Rezessionsgefahr in den kommenden Monaten bei 100 Prozent, IMK-Konjunkturindikator zeigt „rot“
Die deutsche Wirtschaft durchläuft in Folge der Corona-Pandemie derzeit und in den kommenden drei Monaten eine tiefe Rezession. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung für den Zeitraum von Mai bis Ende Juli. In der Drei-Monats-Prognose zeigt der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 100 Prozent an – nach 78 Prozent im April. Das nach dem Ampelsystem arbeitende IMK-Frühwarnsystem steht deshalb auf „rot“ (akute Rezessionsgefahr bei mehr als 70 Prozent Wahrscheinlichkeit). Dass die Rezessionswahrscheinlichkeit ihren Maximalwert erreicht hat, beruht auf einer Vielzahl von aktuellen Entwicklungen. Dazu zählen der drastische Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe, der Einbruch…
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Befragung unter rund 7700 Erwerbstätigen
Die Coronakrise stellt eine enorme Belastung dar für das Gesundheitswesen, die Volkswirtschaft, den Sozialstaat – und für die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern nehmen momentan zu, Fortschritte bei der Aufteilung von Erwerbs- und unbezahlter Sorgearbeit werden in vielen Familien zumindest zeitweilig zurückgenommen. Diese Tendenz ist in Haushalten mit niedrigeren oder mittleren Einkommen stärker ausgeprägt als bei höheren Einkommen, auch weil Personen mit höheren Einkommen generell während der Pandemie seltener ihre Erwerbsarbeit einschränken müssen. Das zeigen Ergebnisse einer aktuellen Online-Befragung, für die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung 7677 Erwerbstätige interviewt wurden.* Die Anfang bis Mitte April von Kantar Deutschland durchgeführte Befragung bildet die Erwerbspersonen in Deutschland im…
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Gemeinsame Studie von WSI und ETUI: Für rund 50 Millionen Beschäftigte in Europa ist Kurzarbeit beantragt
Kurzarbeit als Alternative zu Entlassungen hat sich in Europa zur Bewältigung der Corona-Krise breit durchgesetzt. Für rund 50 Millionen Beschäftigte haben Unternehmen in der EU sowie Großbritannien und der Schweiz Ende April 2020 Kurzarbeit beantragt. Allein in den 27 EU-Staaten wurde für rund 42 Millionen Menschen Kurzarbeit beantragt. Dies entspricht knapp 27 Prozent aller Beschäftigten, so das Ergebnis einer neuen gemeinsamen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung und des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) in Brüssel.* Am stärksten von Kurzarbeit betroffen waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Frankreich (11,3 Millionen Anträge bei der nationalen Arbeitslosenversicherung), Deutschland (10,1 Millionen), Italien (8,3 Millionen) und Großbritannien (7,9 Millionen; siehe auch die Abbildung 1…
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Gemeinsame Empfehlung von Wirtschaftsforschern
Die deutsche Wirtschaft braucht einen starken staatlichen Impuls, um möglichst rasch aus der von der Corona-Krise verursachten tiefen Rezession zu kommen und auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu gelangen. Das staatliche Engagement ist nötig, weil sonst der wirtschaftliche Schock, vergleichbar mit den 1930er Jahren, eine wirtschaftliche Normalisierung dauerhaft blockieren könnte – mit gravierenden Folgen für die gesamte Gesellschaft. Das Impulsprogramm sollte vornehmlich Investitionen umfassen, und diese Investitionen sollten auf die Bewältigung der Dekarbonisierung, des demographischen Wandels und der digitalen Transformation abzielen. Zu diesen Ergebnissen kommt ein gemeinsames Konzept zur Überwindung der Krise, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute und Hochschulen heute vorlegen.* Das Programm sollte über Kredite des Bundes finanziert werden,…
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Neue Werte des IMK-Indikators
Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft derzeit eine Rezession durchläuft, ist während des Shutdowns in den vergangenen Wochen drastisch gestiegen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für das Quartal von April bis Ende Juni zeigt der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 78,1 Prozent an – nach 34,8 Prozent im März. Das nach dem Ampelsystem arbeitende IMK-Frühwarnsystem schaltet deshalb auf „rot“ (akute Rezessionsgefahr bei mehr als 70 Prozent Wahrscheinlichkeit). Die Warnstufe wird dadurch unterstrichen, dass die statistische Streuung im Indikator – sie spiegelt die Verunsicherung vieler Wirtschaftsakteure wider – sehr hoch ist. „Die deutsche Wirtschaft wird…
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Digitalisierung in der Industrie menschengerecht steuern: Frühzeitige Mitbestimmung von Arbeitnehmern ist entscheidend
Dass digitale Technologien auch die Industrie fundamental verändern werden, gilt unter Experten als ausgemacht. Was diese Entwicklung für die Beschäftigten bedeutet und welche Rolle Mitbestimmung bei einer menschengerechten Gestaltung spielt, zeigt ein aktueller Report der Hans-Böckler-Stiftung.* Jobverluste auf breiter Front sind nach Analyse der Forscher in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, ebenso wenig eine Abwertung menschlicher Qualifikationen: Die Anforderungen an Beschäftigte in der Produktion dürften eher steigen. Betriebsräte sind eine wichtige Instanz, um sicherzustellen, dass daraus keine Überforderung wird. Für die Untersuchung haben Jonathan Falkenberg und Alfredo Virgillito von der TU Dortmund, Prof. Dr. Thomas Haipeter vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Martin Krzywdzinski vom Wissenschaftszentrum…