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19. Gerd Ruge Stipendium 2020: Die Film- und Medienstiftung NRW vergibt 100.000 Euro für vier Stipendien zur Entwicklung von Kino-Dokumentarfilmen

In diesem Jahr vergibt die Film- und Medienstiftung NRW zum 19. Mal das Gerd Ruge Stipendium für die Entwicklung von Dokumentarfilmen für das Kino. Aus den 22 Konzepten, die bei der Filmstiftung eingereicht wurden, wählte die Jury im Rahmen einer digitalen Sitzung vier Projekte aus, die inhaltlich und formal überzeugten und eine eigene Handschrift der jungen Filmemacher*innen erwarten lassen. Die ausgewählten Projekte erhielten jeweils 25.000 Euro.

Neben der Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, Petra Müller, sind Regisseurin und Produzentin Ulrike Franke (filmproduktion loekenfranke), Regisseurin Doris Metz sowie die Produzenten Erik Winker (Corso Film) und Jonas Weydemann (Weydemann Bros.) Mitglieder der diesjährigen Jury. Namensgeber und Schirmherr des Stipendiums ist Fernsehjournalist und Autor Gerd Ruge.

„Auch im 19. Jahr hat uns die Vielfalt und Originalität der eingereichten Projekte begeistert. Dafür danken wir allen Antragsteller*innen und gratulieren ganz besonders den diesjährigen Stipendiat*innen. Wir sind sehr gespannt auf die Weiterentwicklung ihrer Projekte und freuen uns schon jetzt auf die entstehenden Dokumentarfilme“, so Petra Müller, Geschäftsführerin Film- und Medienstiftung NRW. „Ein herzlicher Dank für die inspirierenden Diskussionen geht an meine Jurykollegen und natürlich an unseren Schirmherrn Gerd Ruge, dessen unvoreingenommener Blick uns immer wieder Vorbild ist.“

Pandemie-bedingt fand auch die Stipendienvergabe in diesem Jahr digital statt. Die virtuelle Verleihung finden Sie hier

Zu den Projekten im Einzelnen:

„Crossing Lines“ von Verena Kuri und Iris Janssen
In kaleidoskopischen Momentaufnahmen folgen die Regisseurinnen den Schicksalen dreier ganz unterschiedlicher Frauen und ihren Erlebnissen und Begegnungen in den Fernreisebussen, auf den Schnellstraßen und in den Busterminals eines vermeintlich grenzenlosen Europas. Ihre Protagonistinnen sind: eine österreichische Busfahrerin, eine polnisch-ukrainische Prostituierte und eine italienische Reinigungsfrau. Sie verweben deren Geschichten, auch wenn diese sich nie begegnen, und vereinen deren Ringen um persönliche Integrität und weibliche Unabhängigkeit.

Iris Janssen studierte an der KHM und in Kuba an der Escuela de Cine y Television. Ihr Abschlussfilm „Die Dinge zwischen uns“ feierte seine Premiere auf der Berlinale.

Verena Kuri studierte in Buenos Aires an der Universidad del Cine. Ihr Dokumentarfilm „Die Tochter von“ wurde bei der Duisburger Filmwoche uraufgeführt und mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

„Die Prinzessin aus dem Kongo“ von Elke Lehrenkrauss
Der hybride Dokumentarfilm will spielfilmartige Elemente mit der realen Geschichte um Odette Maniema Krempin verbinden. Mit 18 reist die junge Kongolesin nach Frankfurt und beginnt dort mit neuer Identität ein neues Leben. Sie ernennt sich selbst zur Prinzessin und Friedensbotschafterin. Schon bald schmücken sich Politiker, Wirtschaftsbosse und Stars mit der geheimnisvollen Prinzessin. Der Film macht sich auf die Suche nach der mysteriösen Odette, die zu einem Symbol für die Frage von Identität per se wurde. Er reflektiert auf emotionale Weise deutsche Befindlichkeiten gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe aus Zentralafrika, insbesondere gegenüber Frauen.

Elke Lehrenkrauss studierte an der KHM und an der Hochschule für Kunst und Design Luzern. Ihr Langfilmdebüt „Lovemobil“ feierte seine Premiere in Locarno und wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020.

„Bis der Schneeball eine Lawine ist“ von Britt Beyer
Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen gegen Politiker*innen gehören längst zum Alltag in Deutschland. Insbesondere Bürgermeister*innen, die im ländlichen Raum Gesicht zeigen, bekommen den Hass zu spüren. Einige geben verzweifelt auf, andere wollen sich nicht einschüchtern lassen. Marion Prange, Bürgermeisterin im Ehrenamt, engagiert sich mutig gegen Rechtsextremismus und fordert, dass sich Bund und Länder stärker im Kampf gegen rechts engagieren. Der Film begleitet mehrere Kommunalpolitiker*innen in Ost- und West über einen längeren Zeitraum und zeigt, mit welchen Mühen sie unsere Demokratie an der Basis verteidigen müssen.

Britt Beyer studierte an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Ihr Dokumentarfilm „Werden Sie Deutscher“ wurde mit dem new berlin award ausgezeichnet. „24h Europe. The next generation“, den sie gemeinsam mit Vassili Silovic realisierte, war 2020 für den Grimme-Preis nominiert.

„Die Heimgesuchten“ von Benjamin Kahlmeyer
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Industrien unserer Zeit. In den vergangenen Jahrzehnten explodierten weltweit die Touristenzahlen. Das Privileg des Reisens und „Urlaubmachens“ wird nach wie vor als verbürgtes Grundrecht betrachtet, das sich beharrlich der kritischen Selbstbefragung entzieht. Doch was geschieht an den touristisch markierten Orten dieser Welt – in Venedig, Machu Picchu, Angkor Wat – wenn das Gleichgewicht aus den Fugen gerät? Wenn sich Suchende und Heimgesuchte immer öfter in einem offenen Interessenskonflikt gegenüberstehen? Fragen, die gerade in Zeiten der Corona-Pandemie neue Relevanz und Aktualität erhalten: Denn in der Differenz von Normal- und Sperrbetrieb wird das Für und Wider des Tourismus besonders evident. Was bedeuten diese Entwicklungen für Anwohner*innen, Aktivist*innen, Individual- und Pauschalreisende, Tourguides, Reiseblogger*innen oder aber Städteplaner*innen und Tourismusmanager*innen? Eine filmisch-essayistische Besichtigung des (post-)touristischen Zeitalters.

Benjamin Kahlmeyer studierte u.a. Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Sein Abschlussfilm „Meanwhile in Mamelodi“ wurde auf internationalen Festivals vielfach ausgezeichnet. Der dokumentarische Kurzfilm „Eisen“ gewann beim DOK Leipzig die Goldene Taube. Die Doku-Serie „Germania“ erhält 2018 Grimme-Preis sowie Goldene Kamera.

Mit ihrem Stipendium gibt die Film- und Medienstiftung NRW talentierten Filmemacher*innen die Möglichkeit, ihre Ideen für einen Kino-Dokumentarfilm zu entwickeln. Nach der Zusage haben die Stipendiat*innen 18 Monate Zeit zu recherchieren, ihre Stoffe auszuarbeiten und die Umsetzung ihrer Projekte vorzubereiten. Damit trägt die Film- und Medienstiftung NRW seit 19 Jahren dazu bei, dass anspruchsvolle Dokumentarfilme für das Kino entstehen können.

Zu den Dokumentarfilmen, die seit 2002 mit Hilfe des Gerd Ruge Stipendiums entstanden sind, gehören u.a. „Vom Ordnen der Dinge“ von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, die mit einem Grimme Preis ausgezeichnet wurden, „Fighter“ von Susanne Binninger und „Als Paul über das Meer kam“ von Jakob Preuss, die Projekte „Briefe aus Athen“ von Timon Koulmasis und „Aggregat“ von Marie Wilke sowie „Der Funktionär“ von Andreas Goldstein und „Searching Eva“ von Pia Hellenthal, „Space Dogs“ von Levin Peter und Elsa Kremser, „Oeconomia“ von Carmen Losmann, „Der vergessene Schatz“ von Tom Erhardt oder „Paris, kein Tag ohne dich“ von Ulrike Schaz. 

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