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Ältere Fußgänger werden im Straßenverkehr oft übersehen und bewegen sich zunehmend unsicher durch den unübersichtlichen Verkehrsraum

Motorisierte Verkehrsteilnehmende sowie Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer sollten stärkere Rücksicht auf ältere Fußgänger nehmen. Damit helfen sie, unfallbedingte Verletzungen zu vermeiden. Denn mehr als die Hälfte aller tödlich verunglückten und ein Drittel der schwerverletzten Fußgängerinnen und Fußgänger ist 65 Jahre und älter.1 Die Verkehrslage wird mit der steigenden Vielfalt motorisierter Fahrzeuge immer unübersichtlicher für sie. Zuletzt war mit dem E-Scooter eine neue Teilnehmergruppe hinzugekommen. Auch E-Busse und E-Autos nehmen zu, ihr schnelles Herannahen wird mitunter unterschätzt oder nicht gehört. Orthopäden und Unfallchirurgen regen deshalb am Tag der Verkehrssicherheit am 17. Juni an, noch besser auf diese Menschen zu achten und damit die Zahl an Schwerverletzten und tödlichen Unfällen zu senken. „Senioren verletzen sich auch bei scheinbar harmlosen Unfällen oft schwer. Insbesondere motorisierte Verkehrsteilnehmer sollten für die Sicherheit von Älteren sorgen, indem sie langsamer fahren, Sichtkontakt suchen oder für Senioren einmal mehr anhalten“, sagt Prof. Dr. Steffen Ruchholtz, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH.

Das empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen motorisierten Verkehrsteilnehmern, wie Fahrern von Autos, LKWs, Bussen, Motorrädern, E-Scootern, E-Bikes, sowie Fahrradfahrern:

1.    Augenkontakt aufnehmen zur Verständigung.
2.    Keine Gehwege zuparken, damit ältere Fußgänger nicht auf die Straße ausweichen müssen.
3.    Angepasste Geschwindigkeit und defensive Fahrweise.
4.    Ausreichender Sicherheitsabstand zu Fußgängern.
5.    Bremsbereit sein, da Senioren oft langsamer sind.

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass ältere Menschen oft deutlich schwerer als junge Menschen verunglücken. Die Gründe liegen zum einen an der verminderten Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit, zum anderen auch an ihrer meist schwächeren körperlichen Verfassung sowie schlechtem Hör- und Sehvermögen. Besonders häufig erleiden ältere Verkehrsteilnehmer und Verkehrsteilnehmerinnen Verletzungen im Bereich des Kopfes und des Oberkörpers sowie der Wirbelsäule und Beckenregion. „Oft werden ältere Menschen im überfüllten und komplexen Verkehrsraum von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen. Da sie stärker gefährdet sind, sollte gerade auf sie besondere Rücksicht genommen werden“, sagt PD Dr. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention und Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie der Universitätsmedizin Göttingen. „Gegenseitige Rücksichtnahme und klare nonverbale Kommunikation wie Sichtkontakt oder Handzeichen sind grundlegende Bestandteile der Unfallprävention, insbesondere im Umgang mit älteren, ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Dabei gelten auch insbesondere Fahrzeuge mit Elektroantrieb als Gefährdung, da diese mit den Sinnen eines älteren Menschen nur schwer im Straßenverkehr wahrnehmbar sind“, sagt Spering weiter. Zudem weist er darauf hin, dass herumliegende Elektrokleinstfahrzeuge, wie E-Scooter oder achtlos abgestellte Fahrzeuge, tödliche Konsequenzen für ältere Menschen haben können, wenn sie über diese stolpern.

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung sind ältere Menschen im Straßenverkehr zukünftige eine immer weiter ansteigende Personengruppe. „Unser aller Verhalten, aber auch infrastrukturelle Anpassungen des Verkehrsraums selbst, müssen sich an diese Gegebenheiten anpassen“, sagt Spering. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) setzt sich daher die DGOU-Sektion Prävention für mehr Sicherheit und Sensibilität gegenüber ungeschützten Verkehrsteilnehmern in dem zunehmend komplexer werdenden Verkehrsraum ein. Spering vertritt die DGOU-Muttergesellschaft Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie im Deutschen Verkehrssicherheitsrat und ist dort Vorsitzender des Vorstandsausschusses Verkehrsmedizin.

Fußgängerunfälle werden zum einen durch Fehlverhalten der motorisierten Teilnehmer erzeugt, zum anderen aber durch Regelverstöße der Fußgänger selbst. Ältere Menschen sollten sich dessen bewusst sein, was sie für mehr Sicherheit tun können. Dazu gehört das richtige Verhalten beim Überqueren der Fahrbahn, denn hierbei passiert ein Großteil der Unfälle. Wer zu Fuß geht, sollte vermeiden, mal eben so leichtsinnig eine Straße zu überqueren, sondern genau auf den Verkehr achten oder besser eine Ampelsituation nutzen. Auch bei ausparkenden Autos sollten sie Vorsicht walten lassen, da sie sich schnell im toten Winkel befinden können.

Das können ältere Fußgänger und Fußgängerinnen für ihre Sicherheit tun:
1.    Radwege oder Fahrbahnen meiden und auf dem Gehweg bleiben.
2.    Nicht unvermittelt auf die Straße treten, die Fahrbahn am besten an gesicherten Übergängen wie Ampeln oder Zebrastreifen überqueren.
3.    Ist kein Fußgängerüberweg vorhanden, sollte die Straße zügig und auf kürzestem Weg und nicht diagonal überquert werden.
4.    In der dunklen Jahreszeit helle oder mit Reflektoren versehene Kleidung tragen.
5.    Grundsätzlich Augenkontakt mit den anderen Verkehrsteilnehmern aufnehmen und durch Handzeichen deutlich machen, wenn die Straße überquert werden soll.

Hintergrund:
Daten aus dem TraumaRegister DGU® (TR-DGU) zeigen: Hauptverletzungen bei verunfallten Fußgängern sind das Schädelhirntrauma sowie Verletzungen der Wirbelsäule und Beckenregion. Bei der Versorgung von Verletzten erfassen Deutschlands Unfallchirurgen jedes Jahr durchschnittlich 30.000 Schwerverletzte im TraumaRegister DGU® (TR-DGU): Das sind Menschen mit besonders schweren bzw. lebensgefährlichen Verletzungen – bei rund 50 Prozent davon gehört ein Verkehrsunfall zur Unfallursache. Die TR-DGU-Daten sind Kernstück der nationalen Qualitätssicherung in der Schwerverletztenversorgung. Zudem ermöglicht das TR-DGU valide Detailanalysen: Mit Ergebnissen, die einen Überlebensvorteil dokumentieren, werden Diagnostik und Therapie kontinuierlich verbessert.

Quellen:
1)    Statistisches Bundesamt/destatis
2)    TraumaRegister DGU®

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