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„Ich würde es wieder so tun“

Bestimmt ist er auch an diesem Tag – ganz so wie er es sich für sein langes Berufsleben vorgenommen hatte – morgens nach Lauterbach gefahren und hat ein Liedchen gepfiffen und am Nachmittag ebenso zurück nach Hattendorf, schließlich ist es ein besonderer Tag: Nach mehr als 45 Jahren beim Vogelsbergkreis geht Hans-Ulrich Merle in den Ruhestand – feierlich verabschiedet von Landrat Dr. Jens Mischak und dem Ersten Kreisbeigeordneten Patrick Krug. Mit in der Runde ist natürlich auch sein Amtsleiter Rene Lippert, hinzu kommen auch dessen frühere Stellvertreterin Heidrun Baß und sein Vorgänger Werner Köhler und natürlich Kollegen aus dem Haus.

Vor den „Granden des Amtes“ geht Landrat Dr. Mischak zunächst auf den Werdegang Merles ein, der 1980 nach der mittleren Reife zum Vogelsbergkreis kam und eine Ausbildung absolvierte. Nach wenigen Monaten in der Finanzabteilung wechselte er ins Sozialamt – dem blieb er bis zum Schluss treu und zwar in verschiedenen Leitungsfunktionen, unter anderem stand er von 2014 bis 2020 dem Sachgebiet Flüchtlingswesen vor. „Das war noch einmal spannend in den Jahren 2015/16“, ruft der Landrat in Erinnerung. Merle, so fährt er fort, ist ein ausgezeichneter Netzwerker, der es schafft, Menschen mitzunehmen und für die Angelegenheiten des Sozialamtes zu begeistern. Gerade in Drucksituationen lief er zu Höchstform auf, was sich unter anderem in eben dieser Flüchtlingskrise zeigte. „Ein normaler Bürojob 9 to 5 ist nicht das, was er gebraucht hat, es musste immer auch ein bisschen Action dabei sein.“  Merle zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus und mit seinen kreativen Ideen gelang es ihm, auch einmal verwaltungsuntypische Wege zu finden und zu gehen. Vor allem lobt Mischak auch Merles soziale Kompetenz. „Sie genossen Akzeptanz im Amt und in der Bevölkerung.“

Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Patrick Krug schließt sich an und dankt Hans-Ulrich Merle für über vier Jahrzehnte in Diensten der Sozialverwaltung des Vogelsbergkreises. „Sie haben den inneren Impuls, anderen Menschen zu helfen.“ Auch kommunalpolitisch engagiert sich Merle – unter anderem 22 Jahre im Ortsbeirat Hattendorf sowie als Stadtverordneter und Stadtrat. „Wir brauchen solche Kollegen, die über den Tellerrand schauen und sich engagieren, solche Kollegen tun der Kreisverwaltung gut, denn sie sind verwurzelt in der Region und haben das Ohr an der Bevölkerung“, attestiert Krug.

„Wir haben viel zusammen erlebt, du warst eine treibende Kraft“, betont Heidrun Baß, die noch an ein besonderes Projekt Merles erinnert: Vor 30 Jahren organisierte er von Hattendorf aus mehrere Hilfstransporte nach Rumänien.

„Es waren gute Jahrzehnte, wir haben einiges auf die Beine gestellt“, blickt Werner Köhler auf die Zusammenarbeit mit Hans-Ulrich Merle zurück. „Sehr stark eingebracht“ hatte er sich vor allem auch beim Aufbau des Jobcenters im Jahr 2005.

„Du hast nie schlechte Laune gehabt und auch nie schlechte Laune verbreitet“, so schildert Amtsleiter Rene Lippert die Zusammenarbeit mit Merle. Und er war absolut verlässlich: „Ich hätte dich nachts um 1 Uhr anrufen und sagen können, wir müssen zu einer Gemeinschaftsunterkunft fahren – du hättest das gemacht.“

„Ich bin allen dankbar, dass ich zum Sozialamt gekommen bin, ihr habt mich dort eingesetzt, wo ich mich am besten einbringen konnte. Wenn man auf so ein Berufsleben zurückblicken kann, dann kann man dankbar sein“, sagt Hans-Ulrich Merle selbst über seine vielen Jahren beim Vogelsbergkreis – wobei „die Flüchtlingszeit eine besondere Zeit“ war. In jedem Ort, in dem eine Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet werden sollte, gab es Bürgerversammlungen mit „400 oder 500 wütenden Menschen im Saal“. Und als dann die ersten Unterkünfte wieder geschlossen wurden „kamen dieselben Menschen und sagten, Merle du nimmst uns unsere Flüchtlinge, das war schon bewegend“.

Insgesamt denkt Merle gerne an die lange Zeit im Sozialamt zurück, an das Miteinander mit den Kollegen, an das Liedchen, das er morgens und abends auf der Autofahrt gepfiffen hat, weil er seine Arbeit gerne gemacht hat und gesteht zum Schluss: „Ich würde es wieder so tun.“

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