Gesundheit & Medizin

Neue US-Ernährungspyramide im Fokus: Fachgesellschaften mahnen konsequente Orientierung an wissenschaftlicher Evidenz an

Am 7. Januar 2026 wurden in den USA die neuen offiziellen Ernährungsempfehlungen für die Jahre 2025–2030 veröffentlicht, die gemeinsam vom US-Gesundheitsministerium (HHS) und dem Landwirtschaftsministerium (USDA) verantwortet werden. Ein aktueller Beitrag im Journal of the American Medical Association (JAMA)[ii] warnt vor möglichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen, wenn gesicherte ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse in nationalen Leitlinien nicht konsequent berücksichtigt werden. Die American Society for Nutrition (ASN) – die amerikanische Fachgesellschaft für Ernährungswissenschaft – äußert ebenfalls Kritik und verweist auf Defizite in der Transparenz des wissenschaftlichen Ableitungsprozesses.[iii]

Der Beitrag mit dem Titel „When Nutrition Science Is Ignored: Potential Public Health Cost of the 2025 Dietary Guidelines“ analysiert die neuen US-amerikanischen Ernährungsempfehlungen kritisch. Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse zwar seit Jahren gut belegt sind, sich jedoch nur teilweise klar und widerspruchsfrei in den neuen US-amerikanischen Ernährungsempfehlungen und deren bildlicher Darstellung – etwa in Ernährungspyramiden – widerspiegeln.

Nach übereinstimmender Studienlage ist eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung nach wie vor evidenzbasiert mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmten Krebserkrankungen assoziiert. Diese umfasst einen hohen Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen und sieht eine deutliche Reduktion stark verarbeiteter Lebensmittel, zugesetzten Zuckers sowie von rotem und verarbeitetem Fleisch vor. Leider wird dies in der neuen USA-Ernährungspyramide nicht so widergespiegelt.

Warnung vor interessegeleiteten Empfehlungen

Der JAMA-Beitrag mahnt an, dass unklare, abgeschwächte oder politisch kompromissbehaftete Empfehlungen die präventive Wirkung offizieller Ernährungsempfehlungen erheblich mindern können. Dies betreffe nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern habe auch langfristige gesellschaftliche und ökonomische Folgen für die Gesundheitssysteme.

In diesem Zusammenhang verweist der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG) auf eine Veröffentlichung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)[iv], die die zentrale Bedeutung wissenschaftlicher Unabhängigkeit bei der Entwicklung von Ernährungsempfehlungen betont. Ernährungsempfehlungen sollten auf unabhängig erarbeiteter und nach hohen Qualitätsstandards bewerteter wissenschaftlicher Evidenz beruhen und frei von politischen sowie wirtschaftlichen Interessen sein, um Vertrauen zu schaffen und als verlässliche Orientierung für Politik, Fachpraxis und Bevölkerung dienen zu können.

Der Deutsche Verein für Gesundheitspflege betrachtet die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge, da wissenschaftlich gesicherte Evidenz nicht konsequent berücksichtigt wird und das Risiko für chronische Erkrankungen erhöht werden kann. Aus Sicht des DVG stellt dies einen kritischen gesundheitspolitischen Rückschritt für die USA dar.

Über den Deutschen Verein für Gesundheitspflege

Der Deutschen Verein für Gesundheitspflege e.V. (DVG) wurde 1899 gegründet. Sein Anliegen ist es, auf Basis eines ganzheitlichen Menschenbildes die körperliche, seelische und geistige Gesundheit der Menschen in Deutschland zu stärken. Das geschieht mithilfe Online- und Fernkursen, der Herausgabe des Infoblattes DVG informiert sowie durch die Aus- und Weiterbildung zum Gesundheitsberater und bei Veranstaltungen wie Gesundheitsexpos oder Gesundheitskongressen. Der DVG wird von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland getragen und hat ab 1. Februar seinen Verwaltungssitz auf der Marienhöhe in Darmstadt. Weitere Informationen gibt es auf dvg-online.de.

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