Bundesregierung reformiert Entwicklungspolitik – bei Neuausrichtung und Finanzierung bleibt weiterer Handlungsbedarf
„Die Reform der Entwicklungspolitik darf nicht zu einem Berliner Verwaltungsprojekt werden“, sagt Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes. „Wer Wirksamkeit will, muss Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen frühzeitig und verbindlich einbinden. Eine glaubwürdige Partnerschaft lebt von verantwortungsvollem Handeln, nicht von schönen Worten.“
Die beiden Organisationen fordern eine starke Entwicklungspolitik, die Deutschland zu einem ausgeglichenen Kurs zwischen globaler Verantwortung und nationalen Interessen führt. Bei den Kooperationen mit der deutschen Wirtschaft müssen auch die Menschen in den Partnerländern profitieren.
Besonders kritisch zu bewerten sind die neuen Zahlen zu öffentlichen Entwicklungsleistungen (ODA). Die deutschen ODA-Mittel sind 2025 real um 17 Prozent gesunken, die Unterstützung für die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) ging zuletzt (2024) sogar um rund ein Drittel zurück. Damit geraten ausgerechnet jene Staaten unter Druck, die von Hunger, Armut, Klimakrisen und Konflikten besonders betroffen sind und die laut Reformagenda stärker unterstützt werden sollen.
„Es ist nicht glaubwürdig, die LDCs als Schwerpunkt zu benennen, ihnen aber nicht ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen. Hier muss man künftig nachbessern. Wer Transformation verspricht, muss sie auch finanzieren – verlässlich, langfristig und gemeinsam mit den Partnern. Die Bundesregierung muss sich entscheiden, ob sie in Zeiten zunehmender Herausforderungen auch zukünftig ein verlässlicher Partner sein will“, betont Mathias Mogge, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe.
Auch die Kürzungen bei der humanitären Hilfe geben Anlass zur Sorge. Deutschland hat seine Mittel 2025 um 53 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro reduziert. Im Jahr 2026 sollen die Mittel auf demselben Niveau verharren – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. In einer Zeit multipler Krisen ist das ein gefährliches Signal.
Humanitäre Hilfe muss sich konsequent an den Bedarfen der Menschen orientieren und nicht, wie es zunehmend geschieht, politisiert und instrumentalisiert werden. Ihre Neutralität und Unabhängigkeit müssen gewahrt bleiben. Die Bundesregierung sollte zudem Entwicklungszusammenarbeit, Friedenssicherung und humanitäre Hilfe besser miteinander verzahnen und durch mehrjährige Finanzierungen absichern.
Der Kompass 2026 macht damit deutlich: Die Bundesregierung muss ihre Humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung nicht nur reformieren, sondern auch politisch und finanziell absichern. Ohne echte Partnerschaft, ausreichende Mittel und ein klares Leitbild bleibt der Anspruch hinter der Wirklichkeit zurück.
Der „Kompass“ ist die Weiterentwicklung des jährlichen Berichts zur „Wirklichkeit der Entwicklungspolitik“, den Terre des Hommes und die Welthungerhilfe seit 1993 herausgeben. Er unterzieht weiterhin die deutsche Entwicklungspolitik einer kritischen Analyse, berücksichtigt dabei aber insbesondere die Anforderungen der 2015 beschlossenen UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung an die deutsche Politik.
Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962 wurden 12.777 Auslandsprojekte in rund 72 Ländern und Gebieten mit 5,42 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.
Terre des Hommes
starke Kinder – gerechte Welt
Terre des Hommes schützt Kinder vor Gewalt, Ausbeutung und den Folgen von Krieg, Vertreibung und Umweltzerstörung. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen fördert Terre des Hommes nachhaltige Projekte in mehr als 40 Ländern und leistet humanitäre Hilfe. Junge Menschen weltweit sowie Mitglieder in Deutschland setzen sich für Kinderrechte ein. Die Kinderrechtsorganisation agiert dabei unabhängig von Regierungen, Wirtschaft, Religionsgemeinschaften und Parteien.
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