Klarer Trend zur Ausbildung im Handwerk – keine klare Linie der Politik
Die guten Nachrichten stehen natürlich ganz vorn für den Landesinnungsmeister: Die Zahl der Auszubildenden legt zu. So werden derzeit 295 junge Menschen in Bayern im Dachdeckerhandwerk ausgebildet. Das ist eine Zunahme von 15 % im Vergleich zum Vorjahr. Für Kunzendorf ein Beweis dafür, dass das Interesse am zukunftssicheren „Klimagewerk“ Dachdeckerhandwerk bei den Jugendlichen und deren Eltern angekommen ist.
„Es wird immer deutlicher: Das Dachdeckerhandwerk kann durch KI unterstützt, aber nicht ersetzt werden wie viele andere, auch akademische, Berufe“, versichert Mario Kunzendorf.
Die Freude über die guten Nachwuchsperspektiven wird jedoch getrübt durch den anhaltenden Reformstau in der Politik in vielen Bereichen. „Die versprochenen Strukturreformen müssen endlich kommen, von der Rentenversicherung über die Krankenversicherung bis hin zum Arbeitszeitrecht", sagt Kunzendorf. Die hohen Arbeitskosten seien neben Überregulierung und Materialpreis-Krise ein lähmender Faktor in der Baukonjunktur.
Nichtsdestotrotz will das Dachdecker-Handwerk nach vorne schauen und die eigene Branche zukunftsfähig machen. Das Thema Ausbau der Kreislaufwirtschaft steht daher beim diesjährigen Treffen ebenfalls im Blickpunkt.
Wenig Verständnis hat der Landesinnungsmeister aus Bad Abbach in diesem Zusammenhang für das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), welches das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ablösen soll. „Durch die Absenkung des Bewertungsfaktors für Strom siegt nicht mehr die Vernunft bei der Gebäudeplanung. Bisher galt: Erst die Gebäudehülle optimal dämmen und dann die Heizung entsprechend dimensionieren“. In Zukunft wird die Gebäudehülle vernachlässigt und dafür der Energieverbrauch erhöht, befürchtet Kunzendorf.
In einem lange kritisierten Aspekt hat wenigstens die Rechtsprechung nun Klarheit geschaffen, freut sich Dipl.-Kfm. Thorsten Meyerhöfer, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands mit Sitz in München: Kürzlich hat das OLG Koblenz festgestellt, dass für die Planung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung von PV-Anlagen die Eintragung in die Handwerksrolle als Dachdeckerbetrieb bzw. Elektrofachbetrieb zwingend erforderlich sei. „Damit werden die Verbraucher künftig vor dem nicht selten gefährlichen Pfusch von selbsternannten Solarteuren geschützt, die im Akkord und ohne Fachkenntnisse im Dachdeckerhandwerk Solaranlagen auf den Dächern mehr schlecht als recht montieren“.
„Wir stehen bereit für eine Energiewende“
Die derzeit rund gewerblich 5.217 Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk Bayerns mit einer Bruttolohnsumme von 207 Mio. € (+ 2,5 %) sind bereit, die Energiewende zu erneuerbaren Energien auf dem Dach und mit der energetischen Optimierung der gesamten Gebäudehülle maßgeblich fortzuführen. „Verlässliche, marktgerechte und attraktive Rahmenbedingungen sind dafür allerdings unerlässlich. Hier ist die Politik gefordert, langfristig Planungssicherheit für Bauherren und Auftragnehmer herzustellen“, appelliert Meyerhöfer.
Auch künftig wird die Sanierung auf Platz 1 der Arbeitsbereiche des Dachdeckerhandwerks stehen. Der Bau-Turbo und der versprochene Zubau von 400.000 Wohnungen pro Jahr bundesweit wird aber weiterhin ausgebremst durch die noch immer wuchernde Bürokratie und den Mangel an bezahlbarem Baugrund. „Hier ist bei der Politik das gefordert, was bei unseren Dachdeckerinnen und Dachdeckern zum Alltag gehört: anpacken“, sind sich Landesinnungsmeister Mario Kunzendorf und Geschäftsführer Thorsten Meyerhöfer einig.
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