Energie- / Umwelttechnik

Warum spielt der THW Kiel dort, wo Delfine getötet werden?

Der THW Kiel zählt zu den erfolgreichsten und renommiertesten Handballvereinen der Welt und setzt sich nach eigener Aussage nachhaltig für den Meeresschutz ein. Gerade deshalb hält die Gesellschaft zur Rettung der Delpine e.V. (GRD) die geplante Teilnahme des deutschen Rekordmeisters an einem Vorbereitungsturnier auf den Färöer-Inseln im August für ein falsches Signal. Die Inselgruppe steht seit Jahrzehnten aufgrund der alljährlichen Tötungen von hunderten Delfinen international in der Kritik. Die GRD fordert den THW Kiel daher auf, sich seiner Vorbildfunktion bewusst zu sein, die Teilnahme am „Wenzel Nordic Cup“ zu überdenken und nicht ungewollt zur Image-Profilierung der Färöer-Inseln beizutragen.

Während Delfine in weiten Teilen der Welt streng geschützt sind, werden sie auf den Färöer-Inseln bis heute im Rahmen von Treibjagden getötet und anschließend verzehrt. Allein in den vergangenen zehn Jahren fielen auf den Färöer-Inseln rund 10.000 Grindwale, Weißseitendelfine und Große Tümmler dieser aus der Zeit gefallenen Tradition zum Opfer. In diesem Jahr wurden bereits 831 Meeressäuger auf den Färöer-Inseln abgeschlachtet. Besonders erschütternd: Am 27. Mai endete eine einzige Treibjagd in Tórshavn mit dem Tod von 402 Grindwalen und vier Großen Tümmlern. In der jüngeren Geschichte war es die größte Treibjagd in der Hauptstadt.

Am gleichen Ort will der THW Kiel vom 13. bis 16. August ein Handball-Vorbereitungsturnier gegen den färingischen Top-Club H71 Hoyvík und zwei weitere Teams aus Island und Dänemark bestreiten. Mit vier Champions-League-Titeln und zahlreichen weiteren nationalen und internationalen Erfolgen ist der deutsche Rekordmeister der mit Abstand prominenteste Teilnehmer des Turniers.

Die geplante Teilnahme des THW Kiel ist aus Sicht der GRD nicht nachvollziehbar, weil sich der Verein selbst zu gesellschaftlicher Verantwortung sowie zum Schutz von Meeren und Küsten bekennt und entsprechende Projekte unterstützt. „Wir haben das Meer vor der eigenen Haustür und der Schutz der Küsten liegt uns besonders am Herzen. Für eine lebenswerte Zukunft braucht es ein Umdenken, wir stellen uns gerne dieser Verantwortung“, wird Geschäftsführer Viktor Szilágyi auf der Homepage des Vereins zitiert. Nach Ansicht der GRD steht dieses Bekenntnis im deutlichen Widerspruch zur Teilnahme an einem Turnier auf den Färöer-Inseln!

Bei den sogenannten „Grinds“ oder „Grindadráps“ werden große Gruppen von Meeressäugern – auch Kälber und trächtige Weibchen – in flache Buchten getrieben und von Einheimischen rücksichtslos getötet. Diese Jagdpraxis ist laut aktuellen wissenschaftlichen Studien mit erheblichem Tierleid verbunden. Das Fleisch der Tiere wird anschließend kostenlos an die Bevölkerung verteilt und landet auf den Tellern.

Der Grindadráp zählt zu den wenigen Jagdpraktiken weltweit, bei denen ganze Schulen von Meeressäugern öffentlich in Küstenbuchten getötet werden und die deshalb bereits andere Unternehmen zu Konsequenzen bewegt hat. Beispielsweise entschied AIDA Cruises im Jahr 2015, die Inselgruppe aus Gründen des Arten- und Meeresschutzes nicht mehr anzulaufen. Das Kreuzfahrtunternehmen war bereit, wirtschaftliche Interessen hinter seine Umweltverantwortung zurückzustellen und hat damit ein deutliches Zeichen gesetzt. Vor diesem Hintergrund erscheint die geplante Turnierteilnahme des THW Kiel umso fragwürdiger, denn AIDA Cruises ist Netzwerkpartner der THW-Initiative „För de Küste“.

Die GRD hat die Geschäftsführung des THW Kiel am 22. Juni 2026 um eine Stellungnahme gebeten. Unter anderem wollten wir wissen, wie sich der Anspruch des THW Kiel im Bereich des Meeresschutzes mit der Teilnahme an einem Turnier auf den Färöer-Inseln vereinbaren lässt. Die Kaufmännische Geschäftsführerin Anja Niemann erklärte in ihrem Antwortschreiben: „Die Teilnahme am Wenzel Nordic Cup ist ausschließlich sportlich motiviert, auch aufgrund der großen Bedeutung des Handballs auf den Färöer-Inseln, und stellt weder eine Bewertung noch eine Unterstützung einzelner gesellschaftlicher oder politischer Praktiken des Gastgeberlandes dar.”

Einordnung und Forderung des GRD-Vorsitzenden Sigmar Solbach

„Wer sich öffentlich für den Schutz der Meere einsetzt, sollte vermeiden, einer Veranstaltung auf den Färöer-Inseln eine internationale Aufmerksamkeit zu verleihen, solange dort Jahr für Jahr Weißseitendelfine, Große Tümmler und Grindwale zu Hunderten brutal geschlachtet werden“, sagt Sigmar Solbach, 1. Vorsitzender der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.. „Wir appellieren an den THW Kiel, die eigene Botschaft – „Für eine lebenswerte Zukunft braucht es ein Umdenken.” – zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen und die Teilnahme am Wenzel Nordic Cup abzusagen. Ein Verzicht wäre ein starkes Signal für den internationalen Meeres- und Tierschutz.“

Über den Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurde 1991 vom dreimaligen Weltumsegler Rollo Gebhard gegründet. Rollo Gebhard verstarb 2013 im Alter von 92 Jahren. Er leitete den Münchner Delfin- und Meeresschutzverein bis zu seinem Tod.

2017 übernahm der Schauspieler, passionierte Segler, Synchronsprecher und überzeugte Buddhist Sigmar Solbach den Vorsitz. Sigmar Solbach segelte dreimal über den Atlantik.

Die Münchner Delfin- und Meeresschutzorganisation unterstützt weltweit Projekte und Aktionen für den Schutz wild lebender Delfine und Wale und den Erhalt ihrer Lebensräume.

Die GRD ist als ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken dienende Körperschaft anerkannt. Wir arbeiten politisch unabhängig und finanzieren uns über Spenden und Förderbeiträge.

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